Die Wartezeiten bei Notfällen werden kürzer

Solothurn

Die Notfallstationen an den Spitälern sind oft überlastet, gleichzeitig haben Hausärzte im Notfalldienst kaum Arbeit. Mit einer ambulanten Notfallstation am Bürgerspital will man nun zwei Fliegen auf einen Streich schlagen.

Philippe Müller

Die Idee ist nicht neu: Am Kantonsspital Baden gibt es schon länger zusätzlich zur stationären auch eine ambulante Notfallstation. Letztere übernimmt die Bagatellfälle und wird von Hausärzten betrieben. Die eigentlichen Notfallstationen, die in den letzten Jahren schweizweit deutlich mehr Fälle zu bearbeiten hatten, werden dadurch erheblich entlastet.

Das Badener Modell wird nun auch im Kanton Solothurn eingeführt. Im Januar 2009 nimmt am Bürgerspital Solothurn die ambulante Notfallstation den Betrieb auf, wenig später folgt auch das Kantonsspital Olten. In Solothurn wurde soeben der Umbau abgeschlossen. Für rund 500000 Franken wurden zusätzliche Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zur normalen Notfallstation hergerichtet. Die jährlich wiederkehrenden Kosten für Medikamente und die Entlöhnung des Personals dürften sich auf rund 1,1 Millionen Franken belaufen.

Um besser abschätzen zu können, was ab nächstem Jahr auf Hausärzte und das Bürgerspital zukommt, startet in Solothurn nächste Woche ein dreimonatiger Testlauf.

Deutlich weniger Fälle

Jürg Nyfeler, Direktor des Bürgerspitals, erwartet viel von der Zusammenarbeit mit den Hausärzten: «Die Wartezeit für die leichten Notfälle wird sich massiv verkürzen.» Auch sei die neu geschaffene geografische Nähe zur normalen Notfallstation ein grosser Vorteil. «Wenn sich der Zustand eines Patienten auf der ambulanten Notfallstation plötzlich verschlechtert, kann man ihn sehr rasch verschieben.»

Was die stationäre Notfallstation betrifft, so erwartet Nyfeler einen Rückgang von 30 bis 40 Prozent der Fälle.

Doch wie unterscheidet man die ernsten von leichteren Notfällen? Jürg Nyfeler erklärt die Faustregel: «Wer mit der Ambulanz eingeliefert oder von einem Arzt überwiesen wird, kommt in der Regel in die normale Notfallstation. Wer dagegen von sich aus in die Notaufnahme kommt, wird ab Januar in der neuen Station versorgt.»

«Bisher frustrierend»

Auch für die Hausärzte hat die neue Notfallversorgung Vorteile, wie Christoph Cina, Vizepräsident der Hausärzte Solothurn, erklärt: «Heute leisten die Ärzte in ihrer Region Notfalldienst. Der zeitliche Aufwand ist beträchtlich und die Auslastung gering.» Das könne hie und da für Frust sorgen. Mit der neuen Organisation werde die Notfallversorgung verbessert und die zeitliche Belastung des Hausarztes limitiert.

Die Hausärzte werden unter der Woche jeweils zwischen 17 und 23 Uhr und am Wochenende zwischen 9 und 23 Uhr präsent sein. Das mache den Beruf des Hausarztes wieder attraktiver, so Cina. Zu den übrigen Zeiten wird die Station von entsprechend ausgebildeten Spitalärzten geführt.

Nicht alle Ärzte zufrieden

Trotz aller Vorteile: Unter den Hausärzten ist das neue Modell mit der ambulanten Notfallstation nicht unumstritten, wie Christoph Cina einräumt. Vor allem die Höhe der Entschädigung habe zu viel Kritik geführt. «Diese liegt im Moment bei 117 Franken pro Stunde. Viele Ärzte halten mindestens 200 Franken eher für angemessen.» Man werde diesbezüglich mit der Solothurner Spitäler AG noch weitere Gespräche führen. Jürg Nyfeler dazu: «Die ambulante Notfallstation wird als Profitcenter betrieben. Wenn es wirtschaftlich gut läuft, werden auch die Hausärzte daran teilhaben.»

Bis am 1. Januar wird der herkömmliche Notfalldienst der Hausärzte weiterhin aufrechterhalten (Telefon: 0848 112 112).

Solothurner Tagblatt

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