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«So hat alles seine Vorgeschichte»

Heuer feiert der Rittersaal-

Frau Aeschlimann, der Rittersaalverein betreibt das Schlossmuseum – pardon, aber der Vereinsname klingt verstaubt-romantisch. Ist er überhaupt noch zeitgemäss? Trudi Aeschlimann:Wir haben ein paarmal überlegt, ob wir den Namen ändern wollen. Doch wir fanden, nein, «Rittersaalverein» ist gut. Schliesslich hat alles für das Museum im Rittersaal seinen Anfang genommen. Hier war der erste Ausstellungsraum. Der Rittersaal ist der Hauptraum des rund 800-jährigen Schlosses. Besteht der Verein nur aus älteren Leuten, die der Vergangenheit nachtrauern? Wir haben dasselbe Problem, wie es viele Vereine haben – auch uns fehlen junge Neumitglieder. Die Museumsbesucher aber sind Leute aller Altersstufen, vom Kind bis zum Senior, die wir mit diversen Angeboten ansprechen wollen. Ich selbst möchte überhaupt nicht in der Ritterzeit gelebt haben. Es war keine gute alte Zeit, vielmehr war sie mühsam und schwierig. Den Computer weiss ich sehr wohl zu schätzen (lacht). Sehen Sie, man muss nicht altmodisch sein. Warum braucht es ein Schlossmuseum? Das Schlossmuseum ist der einzige Ort, der die Geschichte von Burgdorf und der Region sammelt und zeigt. Wir widmen uns zum Beispiel den Personen, die hier gewirkt haben: Heinrich Pestalozzi, der um 1800 seine erste Erziehungsanstalt im Schloss führte, Friedrich Fröbel, der Schöpfer des Kindergartens, oder Johann August Sutter, auf dessen Ländereien 1848 der kalifornische Goldrausch ausbrach. Deshalb muss das Museum hier bleiben. In Burgdorf hat es seine Berechtigung und Wirkung. Die Sammlung befindet sich im Besitz des Rittersaalvereins. Was kann die Pflege des historischen Erbes bewirken? Es ist wichtig, zu wissen, woher man kommt. Ich spreche von Bindung und Verwurzelung, das hat nichts mit Heimattümelei oder übertriebenem Patriotismus zu tun. Wer die Vergangenheit kennt, findet sich in der Gegenwart besser zurecht und trägt vielleicht auch mehr Sorge zur Umwelt. Ein Beispiel ist die Fachhochschule, die mit der drohenden Schliessung nun wieder ins Blickfeld rückte. Bereits vor über 100 Jahren, als das Tech gegründet wurde, kämpfte man um den Standort Burgdorf. So hat alles seine Vorgeschichte und steht nichts zufällig da. Oder der Name der Wohnüberbauung Tiergarten geht darauf zurück, dass die Grafen von Kyburg hier wohl Rehe und Hirsche gehalten haben. Haben Sie ein Lieblingsobjekt im Museum? Ich hänge speziell an der Gemäldesammlung. Als ehemalige Archivarin der Burgergemeinde und Mitarbeiterin der Denkmalpflege interessieren mich die Ansichten von Burgdorf und die Porträts von Burgdorfern. 2007 konnten wir eine anonyme Vedute von Burgdorf ersteigern. Das Ölbild ist 70 mal 124 Zentimeter gross und wurde um 1710 in Auftrag gegeben. Das Bild zeigt, wie es vor dem Grossbrand in der Oberstadt 1706 aussah. Wir haben es restaurieren lassen. Bei diesem Bild war ich bei der Ersteigerung beteiligt. Etwas, was Nerven kostet und spannend ist. Und was ist Ihre Lieblingsfigur aus der Burgdorfer Geschichte? Immer die, mit welcher ich mich gerade befasse. Im Moment ist es Samuel Hieronymus Grimm. Der Maler und Dichter ist Thema der Sonderausstellung, die noch bis Ende Mai dauert. Zu Grimm habe ich in diesem Rahmen viel recherchiert und im Burgerarchiv gestöbert. Er emigrierte 1768 nach England. Während man ihn in seiner Heimatstadt Burgdorf kaum zur Kenntnis nimmt, ist er in England bekannter. Der Maler bildet die damalige Zeit gut ab, Landschaften mit städtischen und ländlichen Menschen des 18.Jahrhunderts. Was macht ein gutes Museum aus? Ein gutes Museum reagiert auf die Bedürfnisse der Leute, zeigt und veranstaltet Sachen, die interessieren. Und – erfüllt das Schlossmuseum diese Ansprüche? Immerhin kommt die Hälfte der 12000 bis 14000 Besucher pro Jahr von ausserhalb des Kantons Bern. Wir bieten Museumspädagogik an oder auch szenische Führungen, wo wir Hintergrundwissen in Theaterform vermitteln. Etwas für alle Sinne. Das stösst durchaus auf Interesse. Man kann aber auch nur die Aussicht von den Türmen geniessen, das Verlies besichtigen oder eingehend diverse Texte studieren. Wie stehen Sie dem eben erst publik gewordenen Projekt «Offenes Schloss», einem Nutzungsmix aus Jugendherberge, Gastronomie, Museum, Bildung und Events gegenüber? Ich bin positiv eingestellt. Das Konzept bringt Leben ins Schloss. Es muss aber klar sein, wer was wo macht. Was wir anbieten wollen, wissen wir noch nicht genau. Wie sieht die Zukunft des Museums aus? Wir packen die Gelegenheit, wollen die Museumspädagogik sowie die szenischen Führungen ausbauen und modernisieren. Mir schwebt auch eine Videoinstallation vor. Die Vorstandsmitglieder sind dabei unser wichtiges Kapital, sie stellen ihre Fachkenntnisse ehrenamtlich zur Verfügung. Wir haben keinen angestellten Konservator oder Museumsleiter. Leiter Werner Lüthi macht es nebenher. Im Jahr 2013 wollen wir beide aufhören. Dann neue Leute anstellen zu können, das wäre gut. Aber das ist vor allem eine Geldfrage. Interview: Nadja Noldin >

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