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Sitzkomfort liegt ihnen am Herzen

rüderswilJetzt sind sie wieder am Werk: Ernst Hofer und Walter Herrmann kontrollieren die 52 Sitzbänke in ihrer Wohngemeinde. Unterwegs sind die beiden im Auftrag des Ortsvereins.

In einer kleinen Waldlichtung oberhalb von Rüderswil liegen ausgebreitet auf dem Boden eine Schachtel mit Schrauben, ein Hammer und ein geöffneter Koffer mit einer Akkubohrmaschine. «Wollen wir zuerst den Sitz oder die Lehne befestigen?», fragt Ernst Hofer. Das spiele wohl keine Rolle, entgegnet ihm Walter Herrmann. Seit über zehn Jahren sind die beiden Männer im Auftrag des Ortsvereins Rüderswil unterwegs. 52 Sitzbänke gilt es jährlich zweimal während der Sommermonate zu kontrollieren. Dazu gehört auch, wie heute, alte verfaulte Bretter auszutauschen. Erfahrungsgemäss müsse pro Saison eine Bank erneuert werden, erklärt Hofer. Doch der grösste Teil ihrer Arbeit bestehe darin, Gras und Gestrüpp rund um die Sitzgelegenheiten zu mähen. Einen Standortplan der Bänke, den hätten sie nicht, sagt Hofer, der im Rüderswilschachen wohnt. «Wir wissen auswendig, wo sie stehen.» Notizen von bereits kontrollierten Bänken machen die beiden Männer ebenfalls nicht, «auch das haben wir im Kopf.» Weitgehend selbstständig«Das Arbeiten mit Holz macht mir Freude», begründet der 68-jährige Ernst Hofer, der vor der Pensionierung in einer Schreinerei arbeitete, seinen freiwilligen Bänklieinsatz. «Zudem», sagt er und schmunzelt dazu, «sind wir nur an schönen Tagen unterwegs.» Das Wetter und die Arbeit draussen sei auch für ihn der Grund, wieso er das Amt angenommen habe, berichtet Walter Herrmann (63). Unterwegs sind die Männer jeweils an einzelnen Nachmittagen. «Wenn wir nur mähen müssen, schaffen wir rund 10 Bänkli pro Mal», sagt Walter Herrmann, der zugleich bestimmt, an welchen Tagen ausgerückt wird. Denn der Bauer bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Sohn einen landwirtschaftlichen Betrieb in Marlenberg, am äussersten Zipfel der Gemeinde. Das Werkzeug für die Reparaturen nehmen die Männer abwechslungsweise von daheim mit; die Kosten für das benötigte Material berappt der Ortsverein Rüderswil. Zudem zahlt dieser eine Spesenentschädigung. Bis anhin waren dies jährlich 150 Franken pro Person. Neu bekommen die Männer je 200 Franken. Doch auch dieser Betrag vermöge die Benzinkosten kaum zu decken, erklärt Ernst Hofer. «Aber das spielt keine Rolle, wir machen die Arbeit ja aus Spass.» Nach rund zwei Stunden erstrahlt die Bank in der Waldlichtung in neuem Glanz. Die vier je 17 Zentimeter breiten und 2 Meter langen Bretter sind befestigt. «Hier hatte das Hobelmesser eine Lücke», stellt Hofer kritisch fest und streicht über einen groben Streifen auf dem Sitzbrett. Er nimmt einen Schleifklotz aus der Kiste und schleift die Stelle glatt. «So – jetzt ist es gut.» Zuletzt wird ein Aluminiumschild mit der Zahl 41 angeschraubt, denn alle Bänke sind nummeriert. Und noch in diesem Jahr wird sich die Zahl der Sitzgelegenheiten um eine erhöhen. Zu stehen komme die neue Bank im Oberbach, nahe dem Wiler Schönholz. «Anwohner haben uns berichtet, dass dort jeweils viele Spaziergänger anzutreffen sind», sagt Walter Herrmann und fügt hinzu: «Wo und wann wir ein neues Bänkli aufstellen, können wir zwei selber bestimmen.» Jacqueline GraberIn diesen Wochen stellen wir Emmentalerinnen und Emmentaler vor, die Freiwilligenarbeit leisten. Bisher erschienen: «Das Gefühl, gebraucht zu werden» (12.7.); «Mit dem Blumengiessen alleine ist es nicht getan» (15.7.).>

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