Zum Hauptinhalt springen

Sieger Samuel Imhof: «Äs het huere gfägt.»

MürrenDas 69.Inferno-Rennen hatte es in sich. Schnee in rauen Mengen und Sturm liessen einen Start ganz oben nicht zu. Die infernalische Abfahrt begann auf dem Allmihubel und endete nach neun Kilometern in Lauterbrunnen. Nadin Mächler aus Vorderthal und der Liestaler Samuel Imhof liessen sich als Tagessieger feiern.

Schnee in rauen Mengen in und ob Mürren! «Am Freitag gab es 40 Zentimeter Neuschnee und in der Nacht auf Samstag noch einmal 60 Zentimeter», hat Balz Spörri gemessen. «Es liegt jetzt so viel Schnee wie letztmals im Lawinenwinter 1998», stellt der Pisten- und Rettungschef der Schilthornbahn Peter Bühler fest. So entschieden die Organisatoren des Inferno-Rennens bereits früh am Freitag, den Start auf den Allmihubel zu verlegen. Die Strecke mit Ziel in Lauterbrunnen war immer noch neun Kilometer lang und wies eine Höhendifferenz von rund 110 Metern auf. «So ungefähr jedes 20.Jahr gewinnt der Teufel», weiss Kurt Huggler, der Mürrner, der 22 Jahre lang Inferno-OK-Präsident war und die Abfahrt viermal in Folge (1972–1975) gewonnen hat. Dass der Belzebub die Hand im Spiel haben könnte, hatte sich schon am Freitagabend abgezeichnet: Er liess sich nicht so einfach verbrennen, leistete Widerstand. Und so stürmte und schneite es am Samstagmorgen, Mürren versank im Schnee, und die Allmihubelbahn, die die Teufelsrennen an den Start bringen sollte, blieb stecken. OK-Präsident Ueli Stäger und Rennleiter Thomas Gertsch waren gefordert. Sie hatten schwierige Entscheide zu fällen, und sie entschieden, wie einige Stunden später festgestellt werden konnte, richtig. Der Start wurde zuerst um eine Stunde, dann nochmals um 25 Minuten verschoben. Die Allmihubelbahn versah ihren Dienst wieder zuverlässig. Es konnte gestartet werden. Um den Rückstand auf die Marschtabelle einigermassen aufzuholen, wurden die Fahrerinnen und Fahrer in 10-Sekunden-Intervallen (statt 12) auf die Strecke geschickt, und auf vorgesehene Pausen wurde verzichtet. Weil im Wirzelgraben akute Lawinengefahr herrschte, fiel der berüchtigte Aufstieg durch den Wirzelwald weg. Sollte sich der eine oder die andere darüber gefreut haben, taten sie es zu früh. Die Strecke führte von der Höhenlücke nämlich hinunter in den Allmihubel, und von dort ging es «obsi». Dann ging es rasant weiter: Chännelegg–Chruttera–Winteregg (zweiter Aufstieg), Forstweg–Sprissenkehr– Lauterbrunnen. Genau so, wie es in Artikel 2 des Inferno-Reglements heisst: «Das Inferno-Rennen wird als alpines Skirennen bestehend aus einer Abfahrt mit Gegensteigungen und Flachstücken ausgetragen.» Die Favoriten, nach ihren Rängen in den vergangenen Jahren mit ein- und zweistelligen Startnummern ausgerüstet, hatten am infernalischen 21.Jänner keine Chance. Obschon 60 Sternlifahrer vorausgeschickt worden waren. Die Piste wurde mit der Zeit immer schneller und die Sicht zeitweise besser. Auch wenn es Lauterbrunnen zu nicht mehr schneite, sondern regnete: Gute Fahrer mit hohen Nummern waren diesmal besser dran. Tagesbestzeit fuhr Samuel Imhof aus Liestal vor den Oberländern Toni Gilgen (Horboden), Philippe Dubach (Oey), Peter Zurbuchen (Grindelwald) und Andreas Nyffenegger (Unterseen). Imhof stand spät als Sieger fest: Er war mit der Nummer 1602 unterwegs. «Äs het huere gfägt», beschrieb der 31-Jährige, der bis vor zehn Jahren Regionalrennen bestritt, seine Fahrt. Bis zur Winteregg sei die Piste hervorragend gewesen, und auch die engen Kurven des Forstweges mit Gräben und Schlägen habe er gut meistern können. Kein Wunder, Imhof fährt für das Team Snowdancer – was ihm das Tanzen durch die Kurven anscheinend erleichterte. Nicht allen. Der mit der Startnummer 663 ausgestattete Severin Elmer aus Hombrechtikon vergass im Sprissenkehr zu kehren und landete im weichen Schnee einige Meter im steilen Wald unten. Immerhin im weichen Schnee. Zwei Männer des nahen Samariterpostens halfen ihm zurück auf den Weg. «Jetz gimmu, hescht es paar Sekunde verlore», schickte ihn einer der Helfer auf den Weg. Es waren eher verlorene Minuten denn Sekunden. Böser erwischte es fünf Fahrer, die innert kurzer Zeit in der Chruttera unsanft zu Fall kamen. Drei wurden mit dem Heli ins Spital geflogen, zwei zum Arzt in Mürren transportiert. Die Überraschungssiegerin bei den Damen heisst Nadin Mächler. Die 19-Jährige, mit der Startnummer 602 unterwegs, kommt aus Innerthal am Wägitalersee, startete aber für das Team Hotel Europe Saas-Fee. Nach dem 915 Meter über Meer gelegenen Innerthal führt eine Bergstrasse mit vielen Kurven, wohl deshalb meisterte Nadin Mächler die Forstweg-Kurven besser als alle anderen. Auf 16 Uhr war im Zielgelände hinter dem Hotel Schützen die Flower Ceremonie angesagt. Die schnellsten fünf Männer und die besten drei Frauen sollten geehrt werden. Aber keine der Damen erschien. Und so standen denn die Herren, die die Auszeichnung vornehmen sollten, alleine da. Mit Blumen in der Hand und einem Müntschi auf den Lippen. Von den fünf schnellen Männern waren immerhin drei da. Aber die Dame, die den Besten küssen sollte, fehlte. Wo war Patricia? Fragte sich nicht nur Speaker Felix Endrich. Die Oberländerinnen und Oberländer schlugen sich an diesem 69.Inferno-Rennen ausgezeichnet. An der stimmungsvollen Preisverteilung in der Mehrzweckhalle des Sportzentrums holten sie gar manchen Preis ab (siehe Rangliste). Gross in Form war zum Beispiel Peter Aeschimann. Der 61-jährige Gemeindepräsident von Matten und Präsident des Vereins Internationale Lauberhornrennen siegte nach dem Erfolg in der Abfahrt auch in der Kombination der Kategorie Gentlemen. Nach dem wahrhaftig infernalischen Renntag zeigte sich OK-Präsident Ueli Stäger sehr zufrieden: «Mier hei nid geng sicher gwüsst, wies usachunnt. Aber äs isch guet cho.» Rennleiter Thomas Gertsch bilanzierte: «Es war eine harte Woche. Aber am Ende war es ein Superrennen.» Dieser Meinung waren auch die Teilnehmer. Sie dankten dem OK und den vielen Helfern mit einem kräftigen Applaus für die grosse Arbeit. Nächstes Jahr werden sie wieder dabei sein. Ueli FlückResultate und Ranglisten Seite 5>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch