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Sex bleibt ohne Strafe

Der Ältere hat den Jüngeren nicht mit Gewalt zum Sex gezwungen – ungeschoren kommt er aber aus dem Prozess nicht davon.

«Es ist etwas passiert, was nicht hätte passieren dürfen.» Richter Samuel Schmid wandte sich gestern Abend mit deutlichen Worten an den Angeklagten. Dieser hatte tags zuvor vor dem Gericht in Langnau zugegeben, auf seinem abgelegenen Heimet mit einem ihm von den Behörden anvertrauten viel jüngeren Schützling Sex gehabt zu haben – wobei er zugleich betonte: Die Initiative sei vom Jüngling ausgegangen, der neugierig darauf gewesen sei, was Schwule so miteinander machten. «Von einer zärtlichen Einführung in diese Welt konnte sicher keine Rede sein», hielt Schmid solchen Gedanken entgegen. Er erinnerte daran, dass sich der junge Mann beim Akt völlig passiv verhalten hatte, und sagte weiter zum Angeklagten: «Das egoistische Streben nach der Befriedigung des eigenen Triebs stand im Vordergrund.» Grosse Zweifel Trotzdem sprach er ihn vom Vorwurf frei, den damals 19-Jährigen zu Sex gezwungen zu haben. Denn auch der Jüngling selber hatte – anders als im ganzen Verlauf der Untersuchungen – am ersten Prozesstag plötzlich zugegeben, dass er sich zum Angeklagten ins Bett gelegt und neben ihm entblösst hatte. Dessen ungeachtet blieb er dabei, dass sich sein ehemaliger Hausherr noch drei Mal mit rüder Gewalt an ihm vergangen habe. Daran zweifelte nun das Gericht aber sehr. Schmid wies darauf hin, dass die Schilderungen zu diesen Vorfällen blass und in den Details in sich nicht stimmig seien. Zudem sei der junge Mann dafür bekannt, dass er es mit der Wahrheit nicht immer so genau nehme. Zu bedenken gelte es weiter, dass er genau in der Zeit, in der er die Polizei informiert habe, arg enttäuscht worden sei. Damals sei ihm nämlich klar geworden, dass aus seiner Aushilfsstelle in einer Fabrik unten im Tal kein definitiver Job werde. Der Ärger über die Absage habe den Drang, möglichst rasch vom langweiligen Heimet wegzukommen, verstärkt und sei als Motiv für eine Lügengeschichte denkbar. Streit um einen Hund Wenn der Angeklagte doch nicht ungeschoren davonkam, dann wegen einer anderen Geschichte. Er hatte vor seinem Heimet einen Hund getreten sowie dessen Halterin und ihre Begleiterin aufs Massivste tätlich angegriffen. Dazu kam ein Vergehen gegen das Jagdgesetz, was ihm alles in allem 800 Franken Busse und 11700 Franken Geldstrafe eintrug. Davon fällte das Gericht einen Drittel unbedingt aus, da der Angeklagte früher schon einmal ausgerastet war. skk>

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