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Zehnjährige Haftstrafe für Bordell-Chef gefordert

Im Prozess um angeblichen Menschenhandel und Förderung der Prostitution im Hotel Schloss Nidau hat der Staatsanwalt für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert.

Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution: Am Montag begann der Prozess.
Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution: Am Montag begann der Prozess.
Keystone
Der Bieler Regierungsstatthalter schliesst im Mai 2011 nach einer Razzia das Hotel Schloss Nidau.
Der Bieler Regierungsstatthalter schliesst im Mai 2011 nach einer Razzia das Hotel Schloss Nidau.
Keystone
Zudem stiessen die Behörden bei der Razzia auf illegale Spielautomaten.
Zudem stiessen die Behörden bei der Razzia auf illegale Spielautomaten.
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Im Prozess um angeblichen Menschenhandel und Förderung der Prostitution in Biel hat der Staatsanwalt für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren gefordert. Für drei weitere Angeklagte hält er zwischen 2 und 6 Jahre für angemessen.

Staatsanwalt Urs Studer warf am Dienstag dem Hauptangeklagten vor, als Chef des Bordells «Hotel Schloss» in Nidau Frauen von Zuhältern gekauft zu haben. Nach eigenem Gutdünken habe er sie dann in seinem Betrieb als Prostituierte eingesetzt oder in andere Kontaktbars in der halben Schweiz geschickt.

Die vor allem aus Rumänien stammenden Frauen seien in der persönlichen Freiheit massiv eingeschränkt worden. In einem «Klima mit sehr viel Gewalt» habe der heute 38-jährige Türke die zumeist mittellosen, als Touristinnen eingereisten illegal arbeitenden Frauen gefügig gemacht.

Allein für diesen Menschenhandel respektive die Förderung der Prostitution verdiene der heutige Sozialhilfebezüger fünf Jahre Freiheitsstrafe, sagte Studer in einem mehr als fünfstündigen Plädoyer.

Mit Pistole bedroht

Die übrigen fünf Jahre Haft beantragte er für angebliche qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäbungsmittelgesetz und weitere mutmassliche Straftaten, so etwa Freiheitsberaubung und Gefährdung des Lebens. So soll der Türke etwa einen Landsmann, der den Betrieb verlassen wollte, mit einer Pistole bedroht und so zurückgeholt haben.

Auf einen unliebsamen Gast soll er einen Schuss abgegeben und einen weiteren soll der trainierte Boxer massiv zusammengeschlagen haben.

Sechs Jahre Freiheitsstrafe fordert der Staatsanwalt für einen Mann, dem er vor allem Hanf- und Kokainhandel zusammen mit dem Hauptangeklagten vorwirft. Zudem soll dieser Mann einmal in Biel einen Konkurrenten im Hanfhandel über den Haufen geschossen haben.

Die anderen beiden Angeklagten sollen vor allem die Helfer des Bordell-Chefs gewesen sein. Für sie forderte er rund zweieinhalb und knapp zwei Jahre Freiheitsstrafe, alles in allem also für die vier Angeklagten mehr als 20 Jahre.

Der Hauptangeklagte bestreitet die meisten Vorwürfe, gibt aber zu, in Nidau Chef des Bordells gewesen zu sein. Sein Verteidiger begann am Dienstagnachmittag mit seinem Plädoyer. Für die übrigen Verteidigungsreden hatte das Gericht den Mittwoch reserviert, das Urteil soll nächste Woche bekanntgegeben werden.

Geht zurück auf Grossrazzia der Polizei

Der Fall geht auf Grossrazzien der Polizei in Nidau BE und Tuggen SZ von Februar 2007 zurück. Damals wurden die vier Angeklagten in Haft genommen und nach der Untersuchungshaft freigelassen. Drei von ihnen befinden sich derzeit auf freiem Fuss, der Hauptangeklagte wurde am Donnerstagabend auf Antrag des Staatsanwalts in Sicherheitshaft genommen.

Bei der Grossrazzia von 2007 handelte es sich nach Angaben der damaligen Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden um eine der grössten Aktionen gegen Menschenhandel in der Schweiz. Auch die rumänische Polizei war beteiligt.

Bulgarische Studentin war «Ausnahme»

Am vergangenen Mittwoch trat am Prozess im Bieler Amthaus auch eine Bulgarin auf. Sie bestätigte zwar das Angst- und Drohregime im Hotel Schloss, sagte aber auch, sie habe sich nicht in finanzieller Notlage befunden und damals studiert.

Das sei eine Ausnahme gewesen, sagte Staatsanwalt Studer am Dienstag. Alle anderen im Hotel Schloss tätigen Frauen seien aus einfachen Verhältnissen in Rumänien gekommen.

SDA/js

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