Wandertipp ab Sonceboz-Sombeval

Berner Jura

Die zweitägige Wanderung über den Täuferweg beginnt beim Bahnhof Sonceboz-Sombeval.

Die Wanderung.

Die Wanderung.

(Bild: BZ)

Der Täufer- oder Mennonitenweg ist nicht speziell signalisiert. Man folgt der Wegbeschreibung (unten) oder bestellt eine Broschüre beim Tourismusbüro in St-Imier. Bei Unsicherheit kann man sich durchfragen. Die meisten Bauern der Höfe am Wegrand sind Mennoniten und sprechen Deutsch. Zuerst geht es durch das Dorf Sonceboz, das auf den ersten Blick etwas abweisend wirkt. Da sind vier Restaurants, alle geschlossen. Morgens versorgt eine mobile Bäckerei die Bevölkerung, in deren Gärten noch das Laub vom Vorjahr liegt. Für eine allfällige Wegzehrung gibt es aber einen kleinen Coop-Laden. Diesem liegt ein Coiffeursalon gegenüber, der auch Kunstnägel anbietet. Allerdings nur auf Anmeldung.

Nebst dem Charme des Vernachlässigten überraschen ein paar moderne Firmenbauten und, direkt neben dem Autobahnanschluss, der grosse, neue Werkhof der Gemeinde Sonceboz. An diesem führt der Wanderweg vorbei, durch den Wald bis zum Pierre-Pertuis-Pass auf 827 Metern über Meer. Durch dessen markanten Felsdurchgang führte zu Zeiten der Römer die Wegverbindung von Aventicum nach Augusta Raurica. Oberhalb des Felsdurchgangs steht «Jean Guy» auf dem Wegweiser.

In diesem Weiler steht die Täuferkapelle, da wollen wir hin. Einmal den Wald durchquert, passiert man einen ersten Bauernhof. Hunde bellen, und in einem Pferch schnaubt ein einsamer Stier. Die Kühe sind weiter oben auf der Weide, wo ein Bauer Bäume wässert, die er im Winter gepflanzt hat. Kurt Gerber heisse er, stellt er sich vor. «Ja, hier geht es zur Kapelle, das ist der richtige Weg. Schön, dass Sie da hingehen», sagt er auf Berndeutsch mit französisch gefärbtem Akzent.

Gatter auf, Gatter zu, Weide folgt auf Weide, bevölkert von friedlichen Kühen. Man ist froh, auf einem Strässchen zu landen. Aussergewöhnlich: die Getreide- und Kartoffelfelder, wie es sie auf dieser Höhe wohl nur im Mennonitengebiet gibt und sonst nirgends in der Schweiz. Plötzlich steht rechterseits ein Bauernhaus mit der typisch bernischen Ründe, daneben die Kapelle mit dem Archiv.

Die Rundwanderung nach Sonceboz führt hinunter nach Corgémont. Ob der Täuferbrücke endet plötzlich der Wald, und man befindet sich auf der Hochebene Prés-de-Cortébert, die von riesigen Bergahornen geprägt ist. In den umliegenden Bauernhöfen leben Mennoniten. Das Berndeutsche dominiert, auch in der Métiarie La Petite Douanne, wo man nicht nur essen und trinken, sondern auch noch Alpkäse kaufen kann.

Jetzt gilt es, das letzte Wegstück zu bewältigen. Durch Tannenwald und über Alpwiesen geht es zum letzten Anstieg auf den Chasseral auf 1607 Meter. Obschon etwas Dunst in der Luft liegt, ist die Aussicht prächtig. Bieler-, Neuenburger- und Murtensee sind zu sehen, am Horizont die Alpenkette. Jetzt noch rasch einen Kaffee. Bald fährt der letzte Bus.

Berner Zeitung

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