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Videoüberwachung übertölpelte Ex-Praktikanten

Ein Praktikant hat in der Zoohandlung Zoo Roco in Lyss wiederholt Geld entwendet. Die Geschäftsführerin konnte ihn dank Videoüberwachung überführen. Kameras in Läden sind aber grundsätzlich ein heikles Thema.

Geschäftsführerin Therese Schumacher hat wieder Ruhe vor dem Langfinger – das Vertrauen ist aber schwer angekratzt.
Geschäftsführerin Therese Schumacher hat wieder Ruhe vor dem Langfinger – das Vertrauen ist aber schwer angekratzt.
BT

Therese Schumacher, Geschäftsführerin der Lysser Zoohandlung Zoo Roco, ahnte nichts Böses, als sie im vergangenen September den 22-jährigen O.* für ein Halbjahrespraktikum einstellte. Doch schon kurz nachdem er die Stelle angetreten hatte, begannen die Schwierigkeiten: O. hielt sich nicht an Anweisungen, blieb bei kleineren Botengängen für mehrere Stunden verschwunden oder telefonierte während der Arbeitszeit privat mit seinem Handy. Schumacher mahnte ihn mehrmals. Doch sein Verhalten wurde nicht besser. Nach sechs Wochen entliess sie den jungen Mann noch in der Probezeit.

Er kam nach Ladenschluss

Während O. noch bei ihr angestellt war, traten parallel zu den Schwierigkeiten Unregelmässigkeiten in der Kasse des Geschäfts auf. Immer wieder fehlten Beträge zwischen 100 und 300 Franken. «Es war klar, dass jemand von meinen Mitarbeitern das Geld entwendete, da es jemand sein musste, der einen Schlüssel hatte», erzählt Schumacher.

Sie erstattete bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt. Befragungen der Polizei unter den Angestellten führten allerdings nicht zum Täter. Also beschloss Schumacher, eine Videoüberwachung zu installieren. Sie informierte ihre Belegschaft über die Kamera, die erst nach Ladenschluss Aufnahmen machte, weil sich offenbar jemand zu nächtlicher Stunde Zutritt zum Laden verschaffte.

Kurze Zeit später drang nach Ladenschluss eine Person mit einem Schlüssel in das Geschäft ein. Diese Person wusste genau über die Videokamera Bescheid und deckte sie gezielt ab, sodass sie unerkannt blieb. Am nächsten Morgen fehlte Bargeld. Schumacher informierte ihre Angestellten nicht über den Vorfall. Denn spätestens jetzt war definitiv klar, dass es jemand von ihnen sein musste. Sie installierte ohne das Wissen ihrer Belegschaft eine zweite Kamera, die aus einer anderen Perspektive filmte, in der Hoffnung, den Täter so zu überführen. Tatsächlich ging ihr der Dieb so ins Netz: Nur wenige Tage später kam er zurück. Diesmal war er auf der zweiten Kamera gut erkennbar: Es war Expraktikant O., der immer noch einen Schlüssel besass. Warum das so war, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen im Verfahren gegen O., das derzeit am Laufen ist.

Juristischer Grenzfall

Beim Einsatz von Überwachungssystemen am Arbeitsplatz bewegt sich ein Arbeitgeber auf dünnem Eis. Kontrollsysteme dürfen nämlich laut Gesetz nicht dafür verwendet werden, das Verhalten der Arbeitnehmer zu überwachen. Und genau darum ging es ja im Fall der Lysser Zoohandlung. Das Vorgehen von Therese Schumacher dürfte aber aus Sicht des Datenschutzes rechtmässig gewesen sein, da die Kameras erst nach Ladenschluss eingeschaltet wurden. Laut Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, dürfen Geschäfte nach Ladenschluss überwacht werden, da sie in dieser Zeit nicht frei zugänglich sind.

Die erste Kamera, über deren Installation Schumacher ihre Angestellten informiert hatte, hätte sie unter Vorbehalt wohl sogar auch tagsüber laufen lassen können. In jedem Fall sei aber vor dem Einsatz von Videokameras die Frage zu stellen, ob nicht ein milderes Mittel zum Ziel führen könnte, fügt Schmid an. Im Fall der Lysser Zoohandlung hätte das etwa eine Alarmanlage oder ein zusätzliches Schloss sein können.

8000 Franken sind weg

Obwohl Schumacher rechtmässig gehandelt hat und O. auf dem zweiten Video gut als Täter erkennbar ist, hat sie wenig Hoffnung darauf, ihr Geld je wiederzubekommen. Der Dieb hätte mehrere Male in flagranti durch die Kamera erwischt werden müssen, damit man ihm auch mehrere Diebstähle zuordnen könnte, hiess es laut Schumacher von polizeilicher Seite. «So kann man ihm nur diese eine Tat nachweisen», sagt sie.

Insgesamt wurden der Zoohandlung gegen 8000 Franken gestohlen. Aber: Auch wenn O. alle Taten nachgewiesen werden könnten, würde sie ihr Geld wohl nicht wieder zurückbekommen. «Er ist tief verschuldet», weiss Schumacher mittlerweile. «Um dieses Geld wieder hereinzubekommen, muss ich sehr viele Säcke Hamsterfutter verkaufen», rechnet sie vor und seufzt.

Der Verlust des Geldes sei aber nicht das Schlimmste, fügt sie an, «der Vertrauensmissbrauch macht mir weit mehr zu schaffen».

*Name der Redaktion bekannt

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