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Swisscom-Mitarbeiter half im Katastrophengebiet

Man muss nicht Arzt oder Hebamme sein, um in einem Katastrophengebiet helfen zu können. Patrice Charmillot aus Ammerzwil stand drei Wochen in Haiti im Einsatz. Er koordinierte nach dem Erdbeben die Verteilung der Hilfsgüter.

Drei Wochen sorgte der Ammerzwiler Patrice Charmillot in Porte-au-Prince dafür, dass die Hilfsgüter an den richtigen Ort gelangten.
Drei Wochen sorgte der Ammerzwiler Patrice Charmillot in Porte-au-Prince dafür, dass die Hilfsgüter an den richtigen Ort gelangten.
zvg

«Andere Leute spenden Geld. Mein Einsatz für das Rote Kreuz war mein Beitrag, um den Menschen in Haiti zu helfen», sagt Patrice Charmillot. Der Swisscom-Mitarbeiter aus Ammerzwil war drei Wochen in der verwüsteten Hauptstadt Port-au-Prince. Dort hat er dafür gesorgt, dass die Hilfsgüter an den richtigen Ort gelangen.

Charmillot koordinierte die Fahrten der Lastwagen aus dem Basislager des Roten Kreuzes in der Hauptstadt zu den Bedürftigen. In den drei Einsatzwochen hat er rund 500 Tonnen Küchensets, Hygienesets und Decken unter die Leute gebracht. 500 Tonnen. Das klingt nach sehr viel Hilfe. Aber der zweifache Vater zeigt sich kritisch: «Gemessen daran, was noch gebraucht wird, ist es wenig.»

Gäste im Hilton

Am 13.Januar, einem Mittwoch, erhielt der gelernte Radio- und Fernsehelektroniker den Auftrag, nach Haiti auszurücken. Zwei Tage später flog der freiwillige Helfer in die Dominikanische Republik. Von dort ging die Reise mit dem Lastwagen ins Krisengebiet. «Ich hatte am Anfang schon ein mulmiges Gefühl», sagt Charmillot. Doch vor Ort blieb ihm kaum Zeit, sich viele Gedanken zu machen.

Von morgens um 6 Uhr bis abends um 22 Uhr stand der Seeländer im Einsatz: mit den Einheimischen verhandeln, Pläne erarbeiten, Fahrten koordinieren. Dies sieben Tage pro Woche. «Man muss darauf achten, dass man sich selbst nicht vergisst. Es ist wichtig, genug zu essen und zu trinken.» Am Abend gönnte er sich jeweils eine lauwarme Dusche aus einem Wasseraufbereitungsgerät – der einzige Luxus in drei Wochen Haiti.

Während der ersten zehn Tage schlief Charmillot unter freiem Himmel. Nur ein Moskitonetz gab ihm etwas Schutz. Danach zogen die 200 Rotkreuz-Mitarbeiter des Camps ins Hotel Hilton. Dieses sollte wohl erst in einigen Monaten eröffnet werden und versprühte kein bisschen mehr Glamour als jede andere Baustelle.

Direkt in den Trümmern und bei verletzten Menschen war der Ammerzwiler nicht im Einsatz. Das Rote Kreuz beschäftigte aber viele einheimische Fahrer, die zwar selbst unversehrt blieben, aber durch das Erdbeben Angehörige verloren haben.

Der Tod gehört dazu

«Ich habe einmal mit einem Fahrer gesprochen, dessen Kinder unter Trümmern begraben lagen», berichtet Charmillot. Er habe die Trauer des Vaters gespürt. «Aber er hat nicht über sein Schicksal geklagt.» Der Umgang mit dem Tod sei bei den Einheimischen anders als in der Schweiz. «Für sie gehört der Tod stärker zum alltäglichen Leben als für uns.» Generell zeigt sich der 50-Jährige beeindruckt, wie die Haitianer mit dem Erdbeben umgehen. «Sie sind sehr stolze Menschen.»

Von Plünderungen, über welche in den Medien berichtet wurde, blieben auch die Lieferungen des Roten Kreuzes nicht verschont. Einmal musste ein Fahrer seinen Lastwagen verlassen, als er von Plünderern überfallen worden war. Er kehrte zu Fuss ins Basislager zurück. «Es war aber nicht so schlimm, wie überall berichtet wurde», sagt Charmillot.

Dennoch wurde das Lager von Einheimischen und Sicherheitskräften des Roten Kreuzes stets bewacht. Den Mitarbeitern wurde zudem geraten, das Lager bei Dunkelheit nicht mehr zu verlassen.

Haiti zum Zweiten

Seit einer Woche ist Patrice Charmillot wieder zu Hause in Ammerzwil. Er ist noch immer etwas müde, aber auch stolz auf seine Arbeit.

Beruflich ist der Seeländer für den Unterhalt und die Wartung von Natelanlagen zuständig. Deswegen kam er 2003 auch zum Roten Kreuz: Um die Kommunikation in Katastrophengebieten sicherzustellen. In Haiti war er jetzt aber bei der Logistik beschäftigt. Nicht sein erster Einsatz in der Karibik: Bereits 2004 rückte er nach einer Überschwemmung in Haiti aus, um zu Helfen.

Doch nebst diesem Bedürfnis zu Helfen gibt es andere Gründe, die Charmillot für die Arbeit für das Rote Kreuz motivieren: «Ich möchte meinen Kindern etwas vorleben. Ihnen positive Werte vermitteln.»

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