Seeländer Exoten wollen in die Regierung

Neben den Kandidierenden der etablierten Parteien wollen auch der Bieler Bruno Moser und der Lengnauer Josef Rothenfluh in die Regierung. Die Aussenseiter sind parteilos, haben ausgefallene Ideen und treten nicht zum ersten Mal an.

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Keine politische Wahl ohne exotische Kandidaten. Auch bei den Regierungsratswahlen tauchen zwei Namen auf, die von keiner der etablierten Parteien ins Rennen geschickt worden sind. Gänzlich unbekannt sind der Bieler Bruno Moser und der Lengnauer Josef Rothenfluh allerdings nicht.

Dies liegt unter anderem daran, dass sie immer mal wieder für den Regierungsrat kandidieren. Moser tritt bereits zum vierten Mal an, für Rothenfluh ists der zweite Anlauf. 2010 erhielt Moser 6886 Stimmen, Rothenfluh 7191. Zum Vergleich: Der am schlechtesten gewählte Regierungsrat erhielt 90774 Stimmen. Damals legte sich Moser mit den Sicherheitskräften an, weil er am Wahlsonntag mit einem Plakat mit der Aufschrift «9/11 = Lüge» im Berner Rathaus aufgetaucht war.

Einseitiges Programm

Das politische Programm der beiden Aussenseiter ist monothematisch. Moser will die Steuern auf Arbeit, Gütern und Kapital durch eine Steuer auf den Wert des Bodens ersetzen. «Dass dies funktioniert, lebt die Berner Burgergemeinde seit langem vor», sagt Moser. Laut ihm würde solch ein Systemwechsel zu einem «freien Volk im Berner Garten Eden» führen. Die Bernerinnen und Berner wären dann «freischaffend und steuerfrei – frei finanziert via die simple Rückführung der jährlichen Standort- und Privilegienwerte an die Gemeinschaft».

Rothenfluh hingegen fordert weniger Kosten im Gesundheitswesen und doch mehr Gesundheit. Als Regierungsrat würde er der Gesundheitsdirektion vorstehen wollen und sich für tiefere Krankenkassenprämien einsetzen. 100 Franken im Monat seien genug. Auch die Vorsorge ist Rothenfluh wichtig. Zur umstrittenen Spitalstandortinitiative sagt er, die Frage sei, was in den Spitälern gemacht werde. «Es ist falsch, wenn dort nur Reparatur-medizin praktiziert wird. Richtig wäre, wenn die Spitäler präventiv tätig wären. Dann müsste man sicher keines schliessen.»

Kneippverein und KMU

Auf seiner Website gibt Rothenfluh unter beruflichen Tätigkeiten an, Inhaber und Geschäftsführer der Joro International zu sein, einer Consultingfirma im Gesundheitsbereich. Zudem amtet der 57-Jährige als Präsident verschiedener Vereinigungen wie des Schweizerischen KMU-Verbands, des von ihm gegründeten Gesundheitsclubs Schweiz, des Kneippvereins Jura-Südfuss oder des Deutschschweizer Fussballgolf-Verbands und als Mitglied der Programmkommission der SRG Bern Freiburg Wallis, die aus Sicht des Publikums Sendungen von Radio und Fernsehen SRF beobachtet und beurteilt.

Angebliches Beratermandat

Der 53-jährige Moser sagt von sich, an der Uni Bern Volkswirtschaft und Politologie studiert zu haben und als Taxi-&Limousinenfahrer, als Journalist sowie als Controller und Berater von ausländischen Regierungen etwa in Vietnam tätig gewesen zu sein. Zudem ist Moser Vizepräsident von Neuland, einem Verein für «menschengerechte Steuern».

Auch für den Kanton Bern will Moser bereits gearbeitet haben, und zwar von 2008 bis 2010 als Steuer- und Wirtschaftsberater der kantonalen Finanzdirektion. Er habe dem damaligen Finanzdirektor Urs Gasche angeboten, die Steuerverwaltung für symbolisch einen Franken zu beraten. «Den Stutz habe ich bis heute nicht bekommen», so Moser.

Kandidatur ohne Chance

Auf das angebliche Beratermandat angesprochen, erklärt Gasche, dass davon keine Rede sein könne. Moser sei bei ihm mit der Idee der Bodensteuer vorstellig geworden. «Wir haben uns ein paar Mal unterhalten, und ich habe die Möglichkeit abklären lassen, ausserkantonale Grundeigentümer zusätzlich zur Liegenschaftssteuer zu besteuern.» Dies habe sich jedoch rasch als rechtlich und politisch nicht durchsetzbar entpuppt, so Gasche.

Aus dem Mund von Regierungsratskandidat Moser klingt dies freilich anders: «Mein Input war so gut und hätte den Kanton derart verändert, dass man die Idee schubladisierte.» Zum geschuldeten Honorar-franken meint Gasche schmunzelnd: «Da ich bei unseren Gesprächen jeweils die Getränke übernahm, habe ich diese ‹Schuld› wohl längst beglichen.»

Moser und Rothenfluh treten auch zu dieser Wahl auf eigene Faust und Rechnung, aber ohne jede Aussicht auf einen Regierungssitz an. Er sei deshalb chancenlos, weil alle bisherigen Regierungsmitglieder wieder anträten, sagt Rothenfluh. Moser sieht es entspannter: «Die Frage ist nicht, ob ich Regierungsrat werde, sondern wann.»

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