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Richterin senkt die Kleber-Busse

Dass er den Berner Bären auf seinem Nummernschild mit einem Bieler Wappen überklebte, kostet einen Seeländer nur 450 statt 1750 Franken. Die Einzelrichterin korrigiert das Strafmandat des Untersuchungsrichters.

Beile statt Bär: Wegen eines solchen Klebers auf dem Nummernschild muss ein Seeländer 450 Franken Busse bezahlen.
Beile statt Bär: Wegen eines solchen Klebers auf dem Nummernschild muss ein Seeländer 450 Franken Busse bezahlen.
Urs Baumann

Nach der Urteilsverkündung stiess der Angeschuldigte einen erleichterten Seufzer aus. Der junge Mechaniker, der den Berner Bären auf dem Kontrollschild seines Wagens mit einem Bieler Wappen überklebt hatte, muss statt 1750 nur 450 Franken Strafe bezahlen. Die Bieler Einzelrichterin Doris Romano korrigierte das Strafmandat von Untersuchungsrichter Andreas Jenzer gestern nach unten. Sie bezeichnete das Vergehen des Angeschuldigten als «eher dumm, denn böswillig».

Die Geschichte des 28-jährigen Hockeyfans hatte Anfang Februar für Gesprächsstoff gesorgt: Der Mann wurde in Biel von der Polizei angehalten, weil er einen Sticker mit dem Bieler Gemeindewappen über das Berner Kantonswappen auf das Auto-Kontrollschild geklebt hatte. Dutzende Seeländer taten das auch – und kamen bei Kontrollen mit einer Ermahnung davon.

Nicht so der Mechaniker. Ihm brummte der Untersuchungsrichter wegen Verfälschung eines Nummernschildes, missbräuchlichen Gebrauchs eines verfälschten Nummernschildes und wegen brüsken Abstoppens ohne Not bei der Anhaltung durch die Polizei eine Geldstrafe von 1350 Franken auf. Mit den Verfahrenskosten von 400 Franken hätte der EHC-Biel-Fan 1750 Franken abliefern müssen (wir berichteten).

Die Dummheit

Der Seeländer, der anonym bleiben möchte, erhob Einsprache gegen das Urteil. In einem handgeschriebenen Brief schilderte er seine Sicht der Dinge. Er habe mit dem Kleber niemanden täuschen wollen und habe lediglich abrupt angehalten, weil ihm die Polizei die Anweisung dazu gegeben hatte.

Gestern nun befasste sich Einzelrichterin Doris Romano im Amthaus Biel mit dem Fall. Die Polizisten, die den Hockeyfan angehalten hatten, erschienen nicht vor Gericht. Romano stützte sich bei der Beurteilung deshalb auf den Rapport der Beamten und die Aussagen des Seeländers. «Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen», sagte die Richterin.

Für Romano war nach einer kurzen Befragung klar, dass dem Angeschuldigten beim Überkleben des Nummernschildes keine betrügerische Absicht unterstellt werden kann. «Was Sie mit dem Kleber getan haben, war eine Dummheit», sagte die Richterin. Etwas schwieriger gestalte sich die Beurteilung des «brüsken Abstoppens», das die Polizei zur Anzeige brachte. Zwar sei das Manöver des jungen Mannes «nicht korrekt» gewesen, eine Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer könne sie jedoch nicht feststellen, urteilte Romano. Eine grobe Verkehrsregelverletzung liege nicht vor.

Der Schmunzler

Die Gerichtspräsidentin verurteilte den Mechaniker zu einer Geldstrafe von drei Tagessätzen à 110 Franken, die zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der junge Mann eine Busse von 200 Franken und 250 Franken Verfahrenskosten bezahlen. Diese Strafe sei annehmbar, sagte der EHC-Biel-Fan.

Für einen Schmunzler sorgte Richterin Romano bei der Urteilsverkündung. «Unterstützen Sie Ihren Club in Zukunft doch mit den erlaubten Mitteln», sagte sie zum 28-Jährigen. «Wir haben schon genug mit Hockeyfans zu tun.»

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