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Rapperswiler sagen geheim Ja zu Coop

Unzählige Voten, Anträge und am Schluss eine geheime Abstimmung: Die Debatte über den Einzug von Coop im Gemeindehaus war langwierig und emotional.

Nach zwei Stunden und einem langwierigen Abstimmungsverfahren war klar: Coop kann ins Gemeindehaus einziehen.
Nach zwei Stunden und einem langwierigen Abstimmungsverfahren war klar: Coop kann ins Gemeindehaus einziehen.
Adrian Moser

Beim Schulhaus Rapperswil wedelten zwei Parkplatzeinweiser mit Leuchtstäben und lotsten die Autofahrer in die Lücken. Ein ungewöhnliches Bild. «Heute ist alles ein bisschen speziell», sagte einer von ihnen. Ein Besucheraufmarsch werde erwartet.

Drinnen in der Mehrzweckhalle stünden Stühle für 400 Personen bereit. Der Grund: die Gemeindeversammlung. Traktandum Nummer zwei, das Gemeindehaus. Soll es renoviert und erweitert werden, damit Coop sich in der Gemeinde niederlassen kann? 309 Stimmberechtigte hatten sich den Montagabend reserviert, um über diese Frage zu entscheiden.

Dass das 1960 erbaute Verwaltungsgebäude saniert werden muss, war von jeher unbestritten. Gegen das Vorhaben des Gemeinderates, einen Grossverteiler anzusiedeln, formierte sich jedoch Widerstand. Allen voran kämpfte Dorfbäcker Markus Schüpbach, weil er die Konkurrenz fürchtet (wir berichteten). Schüpbach mobilisierte – die Befürworter auch. Was am Montag in Rapperswil stattfand, war Demokratie der Extraklasse, inklusive viel Applaus auf beiden Seiten.

«Wir brauchen eine Verwaltung, alles andere ist Luxus», sagte etwa ein Votant. Eine Stimmbürgerin sprach von einer Verschwendung der Steuergelder und davon, dass es dem Gemeinderat nur um die Sanierung der Finanzen gehe. Auch die Erschliessung warf Fragen auf: Wie sollten Leute aus den Weilern in den Coop gelangen? Und: Ist der Laden wirklich nötig in der Gemeinde mit 2600 Einwohnern?

«Was Rechtes machen»

Die Stimmbürger hatten die Wahl zwischen drei Varianten, wobei Option A der Vollvariante inklusive Ladenfläche entsprach, während die anderen entschlackte Sanierungsprojekte darstellten. Nicht wenige Anwesende plädierten für die vom Gemeinderat favorisierte Option A. «Wenn wir schon investieren, müssen wir auch was Rechtes machen», hiess es etwa. Oder: «Das tut dem Bäcker überhaupt nicht weh. Wir müssen einfach alle weiterhin dort einkaufen.»

Nach über einer Stunde schloss Gemeindepräsidentin Christine Jakob (SVP) die Debatte. Die Stimmberechtigten genehmigten einen Antrag aus dem Publikum, die Abstimmungen geheim durchzuführen. Zu gut kennt man sich im Dorf, niemand möchte sich öffentlich zu seinem Lager bekennen.

In einer ersten Runde wurde ein Rückweisungsantrag mit grossem Mehr abgelehnt. Über das eigentliche Geschäft wurde im sogenannten Cup-Verfahren abgestimmt: Zuerst flog Billigoption C raus. Am Schluss gewann Variante A mit 202 (geheimen) Stimmen gegen 91 Stimmen für Variante B. Kurz: Das Gemeindehaus wird für 6,3 Millionen Franken saniert. Und Coop wird einziehen.

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