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Polizei rechnet mit Geduldsprobe

Seit sechs Tagen ist Peter Hans Kneubühl nun verschwunden. Am Montag lancierte die zunehmend verzweifelter erscheinende Polizei eine Flugblattaktion. Der Fall wirft jeden Tag neue Fragen auf – zu einigen gibt es Antworten.

«Ich bin froh, am Leben zu sein»: Peter Kneubühl wurde am 17. September von der Kantonspolizei Bern verhaftet.
«Ich bin froh, am Leben zu sein»: Peter Kneubühl wurde am 17. September von der Kantonspolizei Bern verhaftet.
Keystone
Die Medienberichte über ihn erachtet Peter Hans Kneubühl als unwahr: Blick auf das Haus am Mont-Desirweg 9 im Lindenquartier in Biel, in dem der Rentner wohnte.
Die Medienberichte über ihn erachtet Peter Hans Kneubühl als unwahr: Blick auf das Haus am Mont-Desirweg 9 im Lindenquartier in Biel, in dem der Rentner wohnte.
Keystone
Die Polizei schickte am 8. September ein Grossaufgebot in das Bieler Wohnquartier. Am Morgen wurde bekannt, dass sich ein bewaffneter Mann in einem Haus verschanzt hat.
Die Polizei schickte am 8. September ein Grossaufgebot in das Bieler Wohnquartier. Am Morgen wurde bekannt, dass sich ein bewaffneter Mann in einem Haus verschanzt hat.
Arthur Sieber, newspictures, Keystone
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1.Hat Peter Hans Kneubühl nach dem Appell seines Bekannten Bobi von Sonntag Kontakt aufgenommen? Nein. Aber der von der Polizei als «hochintelligent» geschilderte Kneubühl dürfte es als Falle interpretiert haben, dass im Appell eine Telefonnummer der Kantonspolizei genannt wird.

2.Lebt Kneubühl überhaupt noch? Die Polizei schliesst nicht aus, dass der 67-Jährige gar nicht mehr lebt, sagte Christof Kipfer, Leiter der Kriminalabteilung der Kantonspolizei, gestern in Biel. Die Polizei stelle sich auf eine längere Geduldsprobe ein: Sollte sich Kneubühl in einem Unterschlupf umgebracht haben, könne es dauern, bis man ihn finde.

3.Was bezweckte die Flugblattaktion vom Montag? Die Polizei geht davon aus, dass der Flüchtige zurzeit keine Medien konsumiert. Darum wurden Hunderte Flugblätter an verschiedenen Plätzen «im grösseren Umfeld von Biel» aufgehängt. Zudem warf gestern ein Kleinflugzeug die Blätter in und um Biel inklusive Wäldern, Jurahöhen, Magglingen, Leubringen und Plagne ab. Dabei handle es sich seines Wissens um die grösste solche Aktion in der Geschichte der Berner Polizei, sagte Peter Giger, Chef der Abteilung Prävention.

4. Was ist der Inhalt des Flugblatts? Wie bereits der Appell am Sonntag ist es ein handschriftliches Schreiben von Kneubühls Bekanntem Bobi, der den Flüchtenden um eine Kontaktaufnahme bittet. Auch ein Bild des in den USA lebenden Mannes ist darauf abgedruckt.

5. Was macht die Polizei im Haus von Kneubühl? Das Gelände war gestern abgesperrt, um das Haus wurde ein Sichtschutz errichtet. Es fuhren nicht nur Polizeiautos mit vermummten Polizisten vor, sondern auch Fahrzeuge einer Baufirma mit einem Kleintrax. Ab und zu waren Geräusche von Baumaschinen und Motorsägen zu hören. Die Polizei will im Wohnhaus des Mannes nach eigenen Angaben nun nochmals «ganz genau ans Werk» gehen. Vielleicht gebe es im Haus noch irgendetwas, das Rückschlüsse auf den Aufenthalt des Mannes zulasse.

6. Gibt es ein Tunnelsystem oder einen Bunker unter Kneubühls Haus? Gerüchte machen die Runde, das Quartier sei untergraben. Tatsache ist: Anwohner haben den Rentner in den letzten Jahren im Garten gesehen, wie er Löcher gegraben habe. Die Kantonspolizei Polizei sagt nur so viel: Der Flüchtige habe sich nicht nur auf einen bewaffneten Konflikt, sondern auch auf eine Flucht vorbereitet. Zumindest vorstellbar wäre, dass sich Peter Hans Kneubühl Zugang zu einem bestehenden Kanalsystem verschafft hat, zum Beispiel zu Abwasser- oder Zivilschutzgängen. Bei der Bieler Zivilschutzbehörde hält man nichts von der Schutzkellervariante. Beim Abwasseramt zeigt man sich zugeknöpft und verweigert jede Auskunft.

7. Ist ein Profiler im Einsatz? Nein. Die Polizei arbeitet mit Psychologen zusammen, um herauszufinden, wie der Mensch Kneubühl funktioniert.

8.Wie viele Polizisten sind im Einsatz? Das hält die Polizei aus einsatztaktischen Gründen geheim. Die Beamten sind aber nicht bloss rund um Kneubühls Haus im Einsatz: Am Montag waren verschiedene Polizeiautos mit Eliteeinheiten in Kampfmontur unterwegs. Der Hauptposten der Polizei in Biel wurde von bewaffneten Beamten bewacht. Dies, weil die Polizei davon ausgeht, dass Kneubühl bewusst die bewaffnete Auseinandersetzung mit den Ordnungshütern sucht.

9.Ist Kneubühl mobil auf seiner Flucht? Das ist eine Hypothese, welche die Polizei gestern nicht ausschliessen wollte. Aufgrund der Tagebücher wisse man, dass Kneubühl am Mittwoch mit seinem Tod gerechnet habe. Es sei aber durchaus möglich, dass er sich auch einen Plan B, also eine Flucht, überlegt habe.

10.Wird in den Schulen rund um Kneubühls Haus am Dienstag wieder unterrichtet? Die 300 Primarschüler haben erneut frei. Ab Mittwoch sollen sie anderswo zur Schule gehen. Die Gymnasiasten werden provisorisch weiter am Gymnasium Strandboden unterrichtet. Auch für die 50 Kindergärteler wird nach einer externen Lösung gesucht. Für die jüngeren Schüler organisiert die Stadt den Transport, ältere schauen selber. Insgesamt sind 1000 Schüler betroffen.

11.Fand die angekündigte Demo für Kneubühl in Biel am Montag statt? Unglaublich, aber wahr: Rund 20 Personen versammelten sich am Abend auf dem Zentralplatz in Biel zu einer «Unterstützungskundgebung». Sie empfinden die «Hetzjagd» auf den 67-Jährigen mit dem massiven Polizeiaufgebot als «schockierend». Er sei ein Mensch, werde aber wie ein Wolf gejagt. Ihr Auftritt solle den Rentner spüren lassen, dass er nicht alleine sei. Sie beteuerten zwar, dass sie seine Taten nicht begrüssten, forderten aber einen Notausgang für den Mann.

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