Peter Hans Kneubühl lebte zurückgezogen

Biel

Wer ist dieser 67-Jährige, der drei Polizeikorps mit Dutzenden Eliteleuten in Schach und eine ganze Stadt in Atem hält? Anwohner erzählen, er sei ein «Eigenbrötler». Eine psychiatrische Behandlung war angeordnet.

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«Ich habe ein mulmiges Gefühl. Dieser Mann scheint unberechenbar zu sein», sagte gestern eine Frau, die mit ihrer Tochter durchs Lindenquartier lief. Sie kenne das Haus, wo der Schütze wohnt. «Ich habe mich öfters gefragt, ob dort überhaupt noch jemand lebt.» Das Anwesen habe einen unbewohnten Eindruck hinterlassen, die Rollläden seien immer unten gewesen. Das passt zum Bild, das auch andere Quartierbewohner von Kneubühl haben. Wirklich gut scheint ihn aber niemand zu kennen. Er wird als Eigenbrötler beschrieben, der komplett zurückgezogen lebt, kaum aus seinem Haus geht und mit niemandem spricht. «Nach dem Tod seiner Mutter vor einigen Jahren ist es so schlimm geworden», erzählt eine Anwohnerin. Seither habe er jegliche Kontakte im Quartier abgebrochen. Auch seine direkten Nachbarn hätten ihn kaum zu Gesicht bekommen.

Ein Erbschaftsstreit

Zwei Frauen, die die Geschehnisse im Quartier aus ihrem Garten beobachten, zeigen Bedauern mit dem 67-Jährigen: «Sein Haus war wohl das letzte, was er noch hatte. Und nun wird es ihm weggenommen.»

Doch wieso muss das Haus überhaupt zwangsversteigert werden? Die Polizei spricht von einem Zivilprozess. Doch Fakt ist: Der Versteigerung liegt ein Erbschaftsstreit zugrunde. Offenbar wurde sich die Familie nach dem Tod der Mutter nicht einig, was mit dem Haus passieren soll. Also entschied das Gericht, es zu versteigern und den Erlös unter der Erbgemeinschaft aufzuteilen.

Am Mittwoch hätten die Besichtigungen stattfinden sollen. «Als ich das Inserat sah, dachte ich nur: Hoffentlich kommt das gut und er macht keinen Seich», erzählt eine Anwohnerin, die die Situation des 67-Jährigen kennt.

Auch die offiziellen Stellen müssen eine böse Vorahnung gehabt haben. Schliesslich war Peter Hans Kneubühl bei den Behörden einschlägig bekannt. Seit längerer Zeit hat der 67-Jährige einen Beirat vom Erwachsenen- und Jugendschutz. Erst letzten Freitag hat Regierungsstatthalter Werner Könitzer eine psychiatrische Behandlung angeordnet. Dies aufgrund eines Briefwechsels mit dem 67-Jährigen. Hätte der Psychiater bei Kneubühler psychiatrische Probleme bestätigt, hätte Könitzer einen Fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) verfügt.

Er sollte abgeholt werden

Die Behörden haben vergeblich versucht, mit dem Mann in Kontakt zu treten. Am Mittwoch, am Tag der Hausbesichtigungen, sollte Peter Hans Kneubühl abgeholt werden. Doch die Polizisten stiessen nur auf ein Schild vor der Türe, auf dem stand, das Haus sei nicht zu verkaufen. Der 67-Jährige verbarrikadierte sich. «Wenn ihr nicht geht, jage ich hier alles in die Luft», soll er gemäss einer Anwohnerin aus dem Fenster geschrien haben. Das Drama nahm seinen Lauf. Bis Redaktionsschluss war noch immer unklar, wo sich der Schütze versteckt oder ob er sich allenfalls das Leben genommen habe. Eine gewisse Gefahr fürdie Bevölkerung bestehe, sagt François Gaudy, Chef der Seeländer Kantonspolizei. Aber Kneubühl sei kein Amokschütze.

Bieler Tagblatt

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