Mit ihr lernt man laufend Französisch

Biel

Im Chasseral lernt sich die französische Sprache leichter, sagt Doris Hirschi. Seit 7 Jahren gibt sie Französischkurse «en marchant». Geboren ist das Angebot aus der Not heraus.

Die Bielerin Doris Hirschi ist Französischlehrerin – sie bietet ihre Kurse auf Wanderungen im Jura an.

Die Bielerin Doris Hirschi ist Französischlehrerin – sie bietet ihre Kurse auf Wanderungen im Jura an.

(Bild: Beat Mathys)

Dominik Galliker@DominikGalliker

Mit 55 Jahren zog Doris Hirschi Bilanz. Was waren ihre Kompetenzen? 15 Jahre lang war sie für das Rote Kreuz tätig gewesen, hatte dort die Abteilung Bildung geleitet. 2006 strukturierte die Organisation um – und Doris Hirschi musste stempeln gehen.

Aus drei Stärken, die sie sich damals notierte, sollte ihr neuer Job entstehen: Sie war bilingue, sie hatte Erfahrung in Management, Kursgestaltung und Werbung, und sie kannte die Gegend um Château d’Œx im Waadtland sehr gut – dort hatte sie immer Wanderferien gemacht.

«Alles, was ich beim Roten Kreuz gelernt hatte, konnte ich brauchen», sagt Doris Hirschi. Heute ist sie 62 Jahre alt und Französischlehrerin. Eine, die weder Wandtafel noch Dictionnaire braucht, dafür aber Wanderschuhe. Mit ihren Schülern wandert sie durch den Berner Jura oder das Waadtland, mal einzeln, mal in der Gruppe, plaudert und erzählt, alles in Französisch.

Dabei beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Kultur, mit den Täufern, der Käseproduktion, dem Torfabbau. «Français en marchant» nennt sich das Angebot. «Beim Wandern lernt man leichter», sagt Doris Hirschi. «Man ist weniger kontrolliert und wagt eher, frei zu sprechen.»

Zweisprachig aufgewachsen

Doris Hirschi ist in Biel aufgewachsen. Mit ihrer Mutter sprach sie Französisch, mit ihrem Vater Deutsch. Das sei optimal gewesen, sagt sie. Heute wohnt Doris Hirschi in Evilard. «Wenn man mit dem Bähnli nach Biel fährt, hört man etliche Sprachen. Während dieser sechs Minuten wird gewechselt und vermischt – das freut mich immer sehr.»

2008 startete sie mit der ersten «Pilotwanderung», wie sie sagt. Eine Woche Château d’Œx, am Morgen Theorie, am Nachmittag Wanderung. Drei Personen meldeten sich an, und Hirschis Schwägerin kam auch mit, damit es eine richtige Gruppe wurde. Im Jahr darauf warb sie im Sprachmagazin «Ecoute» für die Wanderwochen. Das Angebot wuchs.

Lehrer und Pensionierte

«Sprachen lernt man am besten auf homöopathische Art», sagt Hirschi. «In kleinen Dosen und mit viel Wiederholung.» 50 Prozent der Kursteilnehmer seien Lehrer. «Sie wollen, dass ihre Sprache fliessender wird und sie sich wohler fühlen.» Auch Pensionierte nutzen die Angebote und viele Deutsche, denen die Sprache gefällt oder die einen Mann aus Frankreich kennen gelernt haben.

Das Angebot im Berner Jura entstand vor 4 Jahren. Der Naturpark Chasseral fragte Doris Hirschi an – ein Französischkurs als Tourismusangebot. Seither bietet Doris Hirschi jeden Sommer eine Wanderwoche im Waadtland und eine im Jura an. «Die Leute gehen lieber nach Château d’Œx», sagt Doris Hirschi.

Gerade für Teilnehmer aus Deutschland seien die Voralpen interessanter als der Jura. Der Naturpark Chasseral unterstützt das Angebot mittlerweile nicht mehr. Und diesen Sommer kam die Wanderwoche zum ersten Mal nicht zustande, dafür kommen zwei Personen zu einem halbprivaten Kurs.

Eine Woche Französischkurs kostet bei Doris Hirschi 1125 Franken, eine einzelne Tageswanderung 55 Franken. «Es macht Spass, das Betriebli zu führen», sagt Hirschi, «auch wenn ich praktisch nichts daran verdiene». Ihr Einkommen macht sie mit Einzelcoaching und Gruppenangeboten für Firmen. Zudem hilft sie Ausländern, die Sprache zu lernen und sich auf den Einbürgerungstest vorzubereiten.

In 2 Jahren wird sie pensioniert. Dann will sie ihre Mandate allmählich abgeben. Ausser die Wanderwochen und die Tageswanderungen – die macht sie weiter.

www.francaisenmarchant.ch

Berner Zeitung

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