Zum Hauptinhalt springen

Mit 77 täglich auf dem Ross

Hermann von Siebenthal hat den Schweizer Pferdesport geprägt. Der ehemalige Pächter der Bieler Reitschule reitet noch jeden Tag.

Hermann von Siebenthal mit seinen beiden Pferden in seinem Stall in Worben. Der 77-Jährige widmete einen Grossteil seines Lebens den Pferden und der Bieler Reitschule.
Hermann von Siebenthal mit seinen beiden Pferden in seinem Stall in Worben. Der 77-Jährige widmete einen Grossteil seines Lebens den Pferden und der Bieler Reitschule.
Peter Samuel Jaggi

Hermann von Siebenthal steht jeden Tag frühmorgens im Stall seines Hofes in Worben. Ob es regnet oder schneit, spielt keine Rolle: Er sattelt eines seiner beiden Pferde und unternimmt einen Ausritt.

Aufgewachsen ist von Siebenthal mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof in Denezy im Waadtland. Die Familie bewirtschaftete die Felder mit Kühen, zum Leidwesen des jungen Hermann. «Da mir kein Pferd zur Verfügung stand, ritt ich eben auf Kühen», sagt der 77-Jährige.

Nach dem Schulaustritt wurde er für 2 Jahre ins Seeland nach Diessbach geschickt, um Deutsch zu lernen. Dass sein Gastbauer drei Pferde besass, war ein Glücksfall. «Ich arbeitete hart, denn wenn der Meister zufrieden war, durfte ich mit ihm ausreiten.» Ein eigenes Pferd konnte er sich noch nicht leisten. So beschloss er kurzum, für einen Stundenlohn von 1 Franken 20 auf dem Bau zu arbeiten. Nach 3 Jahren war es so weit: Er kaufte sich für 1800 Franken sein erstes Pferd, einen 8-jährigen Wallach aus dem Jura.

Rex war ein gelehriges Pferd, und sein stolzer Besitzer bildete es zum Ausreiten und Anspannen aus. Beim international als Springreiter bekannten Samuel Bürki aus Luzern begann der damals 24-Jährige daraufhin als Pferdepfleger zu arbeiten.

Der Aufstieg beginnt

Dies sollte der Beginn einer steilen Karriere sein. Samuel Bürki besass sechs Pferde, die sich nun in der Obhut des jungen von Siebenthal befanden. Dazu kam, dass der Bruder seines Meisters Oberst bei den Dragonern war. Er erkannte das Talent des Jünglings und verhalf ihm zu einer Anstellung als Hilfsbereiter in der damaligen Eidgenössischen Militärpferdeanstalt (Empfa).

Nach 6 Jahren legte er die Bereiterprüfung ab und erwarb als einziger Empfa-Bereiter das Reitlehrerpatent. In dieser Zeit nahm er an Military-, Springkonkurrenzen und Dressurwettkämpfen teil.

Von Siebenthal fiel national wie auch international durch gute Platzierungen auf und gehörte 1969 der Schweizerischen Springreitermannschaft an. 1972 startete er mit dem irischen Wallach Havanna Royal im Schweizer Springreiterteam an den Olympischen Sommerspielen in München und belegte den fünften Rang.

Mehr Pferde für die Schule

Ein Jahr später wurde die Empfa umstrukturiert, und von Siebenthal wurde nach 17 Jahren entlassen. Er pachtete die Reitschule in Biel. Die Reitschule hatte nur noch ein Pferd, und da die Empfa ihre Tiere verkaufen musste, erwarb er mehrere zu günstigen Preisen. Mit dem Erreichen des Pensionsalters ging die Reitschule Biel nach 22 Jahren Ära von Siebenthal zu Ende.

mu/sn/BT/Simone Lippuner

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch