Lyssbachstollen: «Nun ist der Auftrag erfüllt»

Lyss

Am Montag präsentierte Regierungspräsidentin Barbara Egger die Schlussabrechnung des Lyssbachstollens. Mit 48,5 Millionen Franken liegen die Kosten 8 Prozent unter Budget.

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Simone Lippuner

Sie sind gemeinsam am Ufer gestanden und haben geweint, der alte und der neue Gemeindepräsident von Lyss. Zum dritten Mal innert zehn Wochen mussten sie in die hässliche Fratze des Lyssbaches blicken. Sahen mit an, wie der ansonsten so liebliche Dorfbach mit dem Regen schon wieder zum reissenden Fluss wurde, der das Dorf überflutete und Schäden in der Höhe von über 100 Millionen Franken hinterliess. Das war im Sommer 2007.

Diese Schreckensbilder rief Alt-Gemeindepräsident Hermann Moser (FDP) am Montag anlässlich einer Medienkonferenz ab. Mittlerweile sind die Tränen längst getrocknet. Und Lyss auch. Seit Ende 2011 ist der Lyssbachstollen in Betrieb, im Sommer 2012 wurde das Millionenbauwerk feierlich eingeweiht.

«Doch richtig abgeschlossen ist das Projekt erst mit dem heutigen Tag», sagte Regierungspräsidentin Barbara Egger (SP) gestern. Und zwar mit der Schlussabrechnung, die ebenfalls für heitere Gemüter sorgt. Mit 48,5 Millionen Franken liegen die Kosten 8 Prozent unter Budget (52 Millionen).

Wie am Schnürchen

Als Gründe für die Unterschreitung nennen die Verantwortlichen die realistischen Vorarbeiten durch den Gemeindeverband Lyssbach und den planmässigen Ablauf der Arbeiten. Auch gab es weder geologische Überraschungen beim Tunnelvortrieb noch machten Wetterkapriolen den Bauarbeitern einen Strich durch die Rechnung. Kurz: «Der Stollen konnte ohne nennenswerte Zwischenfälle gebaut werden», sagte der Präsident des Lyssbachverbandes, Fritz Ruchti.

Zu Zwischenfällen kam es vor dem Bau. Ein Seilziehen mit der Gemeinde Schüpfen, die sich gegen die hohen Baukosten zu wehren versuchte, blockierte das Projekt vollends. Regierungsrätin Egger war es schliesslich, die als Retterin in der Not auftrat und nach einem Besuch im überfluteten Lyss das Ruder übernahm. «Ich lehnte mich weit aus dem Fenster, als ich Lyss einen Stollen versprach», sagte Egger gestern.

Wie eine Predigt

Doch sie hielt ihr Versprechen: Ab 2007 übernahm der Kanton die volle Verantwortung für Bau und Kosten des Projektes. «Ein eher unübliches Vorgehen», so Egger, «dass der Kanton für den Verband baut.» Nun sei der Auftrag erfüllt. Trotzdem. «48,5 Millionen Franken sind viel Geld, sehr viel Geld», sagte Egger. Heute wäre die Finanzierung im Grossen Rat nicht mehr so unbestritten wie damals, fügte sie an. Aber, und das könne sie nicht oft genug wiederholen, «jeder Rappen ist gut investiert». Es könne nicht sein, dass sich eine Stadt mit einer solchen permanenten Bedrohung abfinden müsse.

Wie es jetzt weitergeht

Der Lyssbachstollen misst vom Einlaufbauwerk Leen bis in die Fulematt 2,5 Kilometer. Er ist so gebaut, dass er das Anderthalbfache des Jahrhunderthochwassers vom Sommer 2007 schlucken kann. Seit 2011 war der Stollen bereits zweimal in Betrieb. Von den Kosten übernimmt der Bund 43 Prozent, der Kanton 33 Prozent, 0,9 Prozent bezahlt der Renaturierungsfonds des Kantons Bern und 23 Prozent der Lyssbachverband.

Für Letzteren ist die Arbeit nun nicht einfach abgeschlossen: Im Einzugsgebiet sind verschiedene Hochwasserschutzprojekte geplant, unter anderem im Bereich Chüelibach in Schüpfen.

Berner Zeitung

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