Kolleginnen der toten Prostituierten haben Angst

Biel

Bei der toten Prostituierten, die am Montag in ihrem Studio in Biel gefunden wurde, handelt es sich um eine 45-jährige Brasilianerin. Die Getötete wird als sehr liebenswert beschrieben. Sie erlag den schweren Schnittverletzungen.

Tatort: Hinter dieser Türe, in ihrem Studio, wurde die Brasilianerin tot aufgefunden.

Tatort: Hinter dieser Türe, in ihrem Studio, wurde die Brasilianerin tot aufgefunden.

(Bild: Bieler Tagblatt)

Wieso musste die Bieler Prostituierte sterben? Auf diese Frage hat die Polizei noch keine Antwort. Auch die Täterschaft ist noch unbekannt. Die Berner Kapo teilte gestern jedoch mit, dass sie die mutmassliche Tatwaffe sichergestellt hat. Ob es sich dabei um ein Messer handelt, will sie nicht bestätigen. Die Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern hat aber ergeben, dass die Frau an den schweren Schnittverletzungen gestorben ist. Auch lässt die Polizei offen, wo die Waffe gefunden wurde. Dass die Polizei aber mitteilte, sie habe in der Umgebung des Tatorts nichts Relevantes gefunden, lässt den Schluss zu, dass der Täter seine Waffe am Tatort zurückliess.

Einen Schrei gehört

Am Montagmorgen um 8.40 Uhr hat eine Thailänderin, die im selben Gebäude ihr Studio hat, einen lauten Schrei gehört. Das sagte sie gegenüber der Westschweizer Tageszeitung «Le Matin», fügte aber an, sie habe niemanden die Treppe runterlaufen gehört. Eine andere Prostituierte des Gebäudes erzählt, dass das Opfer ihr Studio jeweils erst um 10 Uhr geöffnet hat. Und am Sonntag habe sie normalerweise nicht gearbeitet.

Bei der Getöteten handelt es sich um eine 45-jährige Brasilianerin, die mit einem Schweizer verheiratet war. Gemäss «Blick» hat sie drei Kinder, die in Brasilien aufwachsen. Unter dem Namen Keisse hat sie im fünften Stock des Gebäudes an der Ernst-Schüler-Strasse 22 ihre Kunden empfangen. Die Brasilianerin wird als sehr liebenswerte Person beschrieben, die ihre Finger von Drogen gelassen hatte.

«Ich habe Angst. Jede Frau hier hat jetzt Angst», sagt die direkte Nachbarin der toten Brasilianerin gegenüber dem «Bieler Tagblatt». Sie sei erst am Montag aus den Ferien gekommen und habe durch die Polizei von der Tötung erfahren. Die Prostituierte aus Tschechien ist geschockt, hat Kopfschmerzen, bricht das Gespräch nach kurzer Zeit ab. Sie werde die nächsten Tage sicher nicht arbeiten. Wie es die anderen Prostituierten handhaben, ist offen. Rein theoretisch könnte der Betrieb weitergehen, die Polizei hat nur noch die Wohnung der Getöteten wegen gesperrt.

Die Angst der Anwohner

Hilfe, mit der Situation umzugehen, finden die Prostituierten der Ernst-Schüler-Strasse bei der Berner Beratungsstelle Xenia. Jacqueline Suter ist eine der Frauen, die Damen aus dem Sexgewerbe berät. Wie sie erklärt, würden die Leute von «Xenia» sowieso immer aufsuchende Sozialarbeit leisten und jetzt sicher in Biel präsent sein. «Wir stehen unter Schock. Unsere Betroffenheit ist gross», so Suter. Wie man den Frauen konkret helfen werde, könne sie noch nicht sagen. Dafür sei der Fall zu jung.

Auch die Anwohner haben ein mulmiges Gefühl. Überrascht hat der Zwischenfall aber nicht alle. Diese Aussage macht jedenfalls Peter Tanner, Direktor des nahe gelegenen Hotels Mercure Plaza, gegenüber «Canal 3». Er erlebe in diesem Gebiet Wochenende für Wochenende üble Dinge. Tanner spricht etwa von Drogendealern und wünscht sich, die Polizei würde härter durchgreifen. Auch eine ältere Anwohnerin erzählt, sie traue sich im Dunkeln jeweils nicht durch die Ernst-Schüler-Strasse.

Als einen Brennpunkt will Jean Scheiben, Chef der Polizei in Biel, das Gebiet nicht bezeichnen. Es sei aber sicher einer der Schwerpunkte, wo die Polizei häufiger als anderswo patrouilliere. Studios, wie an der Ernst-Schüler-Strasse, würden halt Leute anziehen, «die nicht der Norm entsprechen».

Bieler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt