Jetzt bleiben die Keller trocken

Lyss

Trockene Stuben und erholsame Nächte: Ab sofort müssen sich Lysserinnen und Lysser nicht mehr vor dem Hochwasser fürchten. Seit Mittwoch ist der Lyssbachstollen betriebsbereit. Der 2,6 Kilometer lange, dunkle Tunnel sorgt rundum für helle Begeisterung.

Gemeindepräsident Andreas Hegg, Regierungsrätin Barbara Egger und Fritz Ruchti, Präsident des Lyssbachverbandes, giessen als Einweihungsakt einen Eimer Wasser in den Eingangsbereich des Lyssbachstollens.

Gemeindepräsident Andreas Hegg, Regierungsrätin Barbara Egger und Fritz Ruchti, Präsident des Lyssbachverbandes, giessen als Einweihungsakt einen Eimer Wasser in den Eingangsbereich des Lyssbachstollens.

(Bild: Beat Mathys)

Simone Lippuner

Nie werde sie diesen Tag vergessen, sagt Regierungsrätin Barbara Egger (SP). Als sie nach dem Jahrhunderthochwasser am 29. August 2007 durch das zerstörte Lyss schritt, war für Egger klar: Jetzt muss der Kanton den Hochwasserschutz in der Seeländer Kleinstadt mit Hochdruck vorantreiben. «Ich lehnte mich weit aus dem Fenster als ich den Lyssern einen Stollen versprach», sagte Egger gestern.

Die Baudirektorin hat ihr Versprechen gehalten: Vier Jahre nach dem Hochwasserdrama steht Barbara Egger beim Einlaufbauwerk Leen in Lyss, und zwar genau an der Stelle, wo künftig im Notfall das Wasser aus dem Lyssbach eindringt. Der Stollen ist bereit. Er kann eineinhalbmal so viel Wasser fassen, wie an jenem tragischen Augusttag durchs Dorf donnerte.

Gemeindepräsident jauchzt

Die drei Hochwasser in Lyss haben im Sommer 2007 Schäden von über 100 Millionen Franken angerichtet. Der Kanton übernahm daraufhin das Stollen-Projekt vom Gemeindeverband Lyssbach. Die Bauarbeiten starteten im Sommer 2009. Der Lyssbachstollen ist 2570 Meter lang, beginnt im Bereich Leen und mündet in der Fulenmatt in den Lyssbach (siehe Grafik). Der Kredit für das gesamte Bauwerk beträgt rund 52 Millionen Franken – die Endkosten werden gemäss Prognose jedoch weniger als 50 Millionen Franken betragen.

Alle waren sie gestern da, um diese Zäsur zu feiern. Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP), Fritz Ruchti, Präsident des Lyssbachverbandes, und auch der verantwortliche Kreisoberingenieur Jörg Bucher waren sich an der Medienorientierung einig: Man hat vier Jahre am gleichen Strick gezogen und etwas Grossartiges geschaffen. «Es ist vollbracht», sagte Andreas Hegg und stiess einen kleinen Jauchzer aus. «Lyss ist jetzt sicher.» Auch Hermann Moser, der im Hochwassersommer als Gemeindepräsident amtete, strahlte übers ganze Gesicht. «Lyss war in seiner Existenz als Regionalstandort bedroht. Jetzt können meine Nachfolger guten Mutes an ihren Projekten weiterarbeiten.»

Feuerwehr kontrolliert

Etwas abseits der Menschenmasse steht Stephan Mathys. Der Lysser Feuerwehrkommandant musste in den letzten Jahren öfter gegen das Wasser als gegen das Feuer ankämpfen. Doch auch mit dem Stollen wird Mathys keine ruhige Kugel schieben: Erreicht der Wasserspiegel bei der Bielbrücke ein kritisches Niveau, geht bei der Feuerwehr ein Voralarm ein. Die Feuerwehrleute rücken aus und kontrollieren beim Einlaufbauwerk, ob sich das Schleusentor nach unten senkt. «Die Grenzwerte, ab wann der Stollen in Betrieb geht, müssen wir noch festlegen», erklärt Mathys. Geplant ist ein Grenzwert von 20 Kubikmetern Wasser pro Sekunde: Mathys plädiert auf einen tieferen Wert, da die Lysserinnen und Lysser geprägt seien und entsprechend rasch Angst hätten. «Später kann man den Wert dann schon erhöhen», sagt der Feuerwehrkommandant.

Die Lysser feiern

Ende Juni, wenn auch die letzten Bauarbeiten rund um den Stollen fertiggestellt sind, wird es für die Bevölkerung ein grosses Einweihungsfest geben. Die Inbetriebnahme des Stollens zelebrierten Barbara Egger, Andreas Hegg und Fritz Ruchti gestern ebenfalls feierlich: Sie kippten einen Kübel Wasser in den Eingangsbereich des Stollens. Langsam verschwand das Wasser im dunklen Tunnel, der für Lyss so viel Licht bedeutet.

Berner Zeitung

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