Der unermüdliche Brückenbauer

Der langjährige Patron der Ragusa-Herstellerin Camille Bloch ist am Mittwochmorgen knapp 85-jährig gestorben. Schweizweit bekannt geworden war Rolf Bloch als Präsident des Israelitischen Gemeindebundes.

«Er war ein feiner Mensch»: Rolf Bloch – Unternehmer, Vermittler und Ehrendoktor – erlag einer langen Krankheit.

«Er war ein feiner Mensch»: Rolf Bloch – Unternehmer, Vermittler und Ehrendoktor – erlag einer langen Krankheit.

(Bild: Keystone)

Rolf Bloch war eine der herausragenden Figuren unter den Berner Unternehmern: Von 1960 bis 1997 leitete er die Camille Bloch AG – die Herstellerin des Schokoladenriegels Ragusa – operativ. Er hatte massgeblichen Anteil daran, dass Ragusa zu einer der bekanntesten Marken in der Schweiz wurde. 1970 übernahm er nach dem Tod seines Vaters das Verwaltungsratspräsidium.

Vom Amt zog er sich 2005 zurück. Am Mittwoch ist Rolf Bloch gestorben, wie das Unternehmen mitteilte. Er war einer langen Krankheit erlegen. «Rolf Bloch war eine wichtige Figur für den Wirtschaftsstandort Bern», sagt Adrian Haas, der Direktor des Handels- und Industrievereins (HIV) des Kantons.

Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) fügt an: «Die Firma hält zur Familientradition.» Das schätze er. «Wir brauchen nicht nur Manager, sondern Unternehmerpersönlichkeiten, wie Rolf Bloch es war.»

Feiner Mensch und Analytiker

Für Rolf Bloch war es eine Selbstverständlichkeit, sich in den Wirtschaftsverbänden zu engagieren: Er war zehn Jahre lang (1988–1998) Vizepräsident des kantonalen HIV. Adrian Haas war zu dieser Zeit Verbandssekretär. Rolf Bloch sei ein «feiner Mensch» gewesen, erzählt Haas.

In den Sitzungen habe er sich eher ruhig verhalten. «Er hat sich nie unnötig in den Vordergrund gedrängt.» Doch er sei bekannt dafür gewesen, dass er stets die richtigen Fragen gestellt habe. «Bloch hat den Finger immer auf den wunden Punkt gelegt. Er war ein ausgezeichneter Analytiker.»

Gerechtigkeit für beide Seiten

Rolf Bloch war ein sehr profilierter Mensch und setzte sich zeitlebens für die jüdische Glaubensgemeinschaft in der Schweiz und in seiner Kultusgemeinde Bern ein. Von 1992 bis 2000 war er Präsident des SIG und anschliessend auch auf europäischer Ebene für seine Religionsgemeinschaft aktiv, etwa als Vizepräsident des European Council of Jewish Communities.

In den 1990-er Jahren, als die Kontroverse um die nachrichtenlosen Vermögen das Land bewegte, vermittelte Bloch zwischen dem Standpunkt der Schweiz und demjenigen der Schweizer Juden. Der damalige Bundesrat Joseph Deiss würdigte Bloch, er und der SIG hätten «beharrlich Gerechtigkeit für die Überlebenden des Holocaust gefordert, gleichzeitig aber auch eine gerechte Beurteilung der Rolle der Schweiz». Mit seiner konsequenten Haltung in dieser Frage hatte sich Bloch Attacken der verschiedensten Interessengruppen ausgesetzt.

Die Debatte mündete in den Bergier-Bericht über die Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Die Banken zahlten Entschädigungen von über einer Milliarde Franken. Der Bund richtete 1997 einen Fonds für Holocaustopfer ein, der bis 2002 knapp 300 Millionen Franken an über 300'000 bedürftige Überlebende des Nazi-Regimes verteilte. Präsident des Fonds war Bloch.

Als er gefragt wurde, ob er keine Konkurrenz für notleidende Juden durch die anderen Nazi-Opfer befürchte, erwiderte Bloch: «Sie waren keine Konkurrenz in den Gaskammern, sie sind es auch jetzt nicht», wie die Onlineausgabe der Zeitschrift «Tachles» berichtet.

Vermittler bei Swissmetal

Im Konflikt um das Stahlwerk von Swissmetal in Reconvilier im Berner Jura wurde Bloch vom Bundesrat als Vermittler eingesetzt. Die Beschäftigten waren 2006 in einen der längsten Streiks der Schweizer Geschichte getreten. In dieser Funktion machte Bloch Bekanntschaft mit Wirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. «Ich war kaum einen Monat lang im Amt als Regierungsrat, da stand Rolf Bloch bereits in meinem Büro», erzählt Rickenbacher. Er habe sofort gespürt, dass eine grosse Persönlichkeit vor ihm stehe. «Rolf Bloch hat in einer schwierigen Situation eine tiefe Ruhe bewahrt. Er hat allen Interessengruppen ohne Vorurteile zugehört und zu einer Lösung des Problems verholfen», sagt der Volkswirtschaftsdirektor.

Rolf Bloch war der Sohn des Firmengründers Camille Bloch. Er trat im Jahr 1954 in das Unternehmen mit Sitz im bernjurassischen Courtelary ein. Dies obwohl er eigentlich promovierter Jurist war. Heute führt sein Sohn Daniel das Unternehmen.

Camille Bloch, bekannt für Ragusa und Torino, ist die einzige unabhängige Schokoladenfabrik der Schweiz. Die Firma steigerte den Umsatz 2014 um 7 Prozent auf 64 Millionen Franken. Sie plant im Berner Jura Investitionen von 30 bis 35 Millionen Franken.

Zudem erhielt Bloch zwei Ehrendoktortitel – einen davon von der Universität Bern. In der Freizeit war er den Künsten zugetan, reiste und wanderte gern. Ein Trauergottesdienst findet am Sonntag in Bern statt.

sda/tob/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt