Aus den Exkursionisten sollen vermehrt Touristen werden

Der Berner Jura ist vor allem bei Tagesausflüglern beliebt. Tourismusdirektor Guillaume Davots Ziel ist es, dass diese Gäste länger in der Region verweilen.

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Lucia Probst

Monsieur Davot, wer reist gerne in den Berner Jura?Guillaume Davot:Schweizer machen 70 Prozent unserer Gäste aus. Die meisten stammen aus der Nordwestschweiz. Aus Zug, Zürich, Winterthur und St.Gallen. Bei den Ausländern stehen die Deutschen und Franzosen an der Spitze.

Und die Berner? Sie kommen auch. Wir hoffen, dass es künftig noch mehr sein werden. Wir können ihnen eine gute Alternative zum Berner Oberland bieten. Dort hat es viel mehr Stau und viel mehr Leute.

Kommen auch Chinesen, die eine Uhr kaufen wollen? Es gab schon Ateliers, in denen Chinesen sahen, wie die Uhr zusammengestellt wird, die sie kauften. Die Uhrenfabriken stärker für Touristen zu öffnen, ist aber nicht einfach, denn sie sind auch Produktionsbetriebe. Zudem fehlt uns in der Umgebung von St-Imier ein Restaurant, das in der Lage ist, zwei Busse voller Touristen zu verpflegen. Und die Reiseprogramme der asiatischen Gruppen sind enorm dicht.

Uhren, Schoggi, Käse – das sind Ihre Trümpfe, oder? Ja, aber wir spielen sie als Ganzes noch zu wenig aus. Die einzelnen Firmen aber tun viel. Camille Bloch zum Beispiel will 2018 ein neues Besucherzentrum eröffnen und erwartet 100'000 Besucher jährlich. Im Zehnkilometerradius von St-Imier haben wir Longines, Camille Bloch und den Tête de Moine – besser kann man es nicht haben. Aber wir brauchen auch ein grösseres Hotel, um davon wirklich zu profitieren.

Wie ist die aktuelle Situation für die Anbieter? Für einige läuft es sehr gut, andere haben mehr zu kämpfen. Schwierig haben es oft die Gasthöfe in kleinen Orten mit vier, fünf alten Hotelzimmern. Es fehlt meist das Geld für eine Sanierung. Heutzutage ist ein Hotel dieser Grösse auch nicht wirklich rentabel.

Wem läufts besser? Ein Trend sind die historischen Hotels. Die positionieren sich klar und versuchen, ihren Gästen mit dem Charme und der Geschichte ihrer Häuser etwas zu bieten. Diese Hotels sind gut belegt. Doch mussten die Besitzer viel investieren. Es ist deshalb fraglich, ob die Buchungen dazu reichen, diese Investitionen decken zu können. Wir würden diesen Bereich aber gerne stärken.

Gibt es dafür Projekte? Nicht konkret. Aber es gibt im Berner Jura noch viele schöne historische Gebäude, auch aus dem Industriebereich. Die kennen wir natürlich. Wir versuchen, Investoren zu finden. Es braucht Leute, die sich in einen solchen Ort verlieben und etwas wagen.

Auch Geschäftsleute reisen sicher in den Jura. Ja. Sie machen mit 63 Prozent den Grossteil der rund 46'000 Übernachtungen in unseren Hotels aus.

Da entfällt auf die Touristen nicht mehr sehr viel. Das ist so. Unsere Touristen sind meist Tagesausflügler. Es ist unser Ziel, aus diesen Exkursionisten mehr Touristen zu machen. Wenn die Leute auch hier zu Abend essen und übernachten, brächte das eine viele grössere Wertschöpfung für uns.

Wie wollen Sie das erreichen? Vorab braucht es dafür gute Angebote in der Gastronomie und Hotellerie. Wir arbeiten auch mit den Hoteliers zusammen, um ihre Präsenz im Internet zu verbessern. Natürlich werben wir auch, vor allem mit unseren touristischen Highlights – zum Beispiel dem Chasseral, dem Mont-Soleil oder La Neuvevillle. Wir müssen den Leuten zeigen, dass sie hier länger als einen Tag Schönes unternehmen können. Seit ein paar Jahren sind der ganze Jura und das Dreiseenland als Marketingplattform zusammengeschlossen. Das ist wichtig, damit man bestehen kann. Der Tourist interessiert sich nicht für Kantonsgrenzen.

Wie sieht er aus, der typische Tourist im Berner Jura? Es gibt drei Typen: Familien, Paare ohne oder mit erwachsenen Kindern und gutem Einkommen. Und der dritte Typ sind die Naturliebhaber.

Spüren Sie die Eurokrise? Die Schweizer fahren wegen des tiefen Euros zwar mehr ins Ausland, uns trifft das aber weniger, denn wir sind für Schweizer Verhältnisse eine eher günstige Destination. Unser Ziel ist es, die Werte von 2014 zu halten, dafür sieht es bis jetzt nicht schlecht aus.

Berner Zeitung

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