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Auch in der Krise kaufen Kenner Kürbis

Vor rund 10 Jahren wurde aus Schweinefutter Leibspeise: Dem Kürbis wurde nicht nur ein zweites Leben geschenkt, er feiert jeden Herbst ein neues Comeback. Doch Insider wissen: Erfolgreicher Kürbisverkauf braucht Profis.

Kürbispionier Ernst Mori aus Kallnach: Seit 15 Jahren wachsen Kürbisse auf seinen Feldern, von den kleinsten bis zu den grössten. Der «Atlantic Giant», vorne im Bild, kann bis zu 100 Kilogramm wiegen.
Kürbispionier Ernst Mori aus Kallnach: Seit 15 Jahren wachsen Kürbisse auf seinen Feldern, von den kleinsten bis zu den grössten. Der «Atlantic Giant», vorne im Bild, kann bis zu 100 Kilogramm wiegen.
Enrique Munoz Garcia

Es ist wieder Zeit. Für Nebel, für Kerzen, Wollpulli, Badewanne. Und für Kürbis. Strahlend, wie frisch gestrichen, vom kräftigen Orange bis zum aquarell-wässrigen Gelb, verkünden die Kürbisse vor den Seeländer Bauernhöfen den Herbst.

Vor rund 10 Jahren feierte die unkomplizierte Beerenfrucht ein gewaltiges Comeback: Ob als Kerzenständer, in der Suppe oder auf dem Kuchen, der Kürbis gehört seither zum herbstlichen Outfit beinahe jedes Haushalts. Nun wird gemunkelt, das Interesse am Kürbis sei am Abflauen. Man müsse nur wissen, wie, sagen hingegen die alten Kürbishasen, die jedes Jahr auf treue Stammkunden zählen dürfen.

Welsche mögen Muscade

Ernst Mori aus Kallnach ist einer dieser Kürbispioniere. Er wisse genau, welche Sorten die Kunden mögen, sagt Mori. So seien die Welschen vor allem dem fruchtigen «Muscade de Provence», die Seeländer dem eher faden «Etampes rouge» angetan. Von den weltweit über 800 existierenden Kürbissorten pflanzt Mori auf 18 Aren gezielt 15 Sorten an. Der unumstrittene Renner sei der «Butternut», der sich mit seinem süss-nussigen Geschmack bestens für Konfi eignet.

Obwohl Milchbauer Mori treue Kunden hat, macht der Kürbisverkauf nur einen Bruchteil seines Einkommens aus. Mori: «Zahlen kann ich nicht liefern. Aber ich habe jedenfalls immer Kunden.» Vor 15 Jahren sei er in der Region noch der einzige Kürbisverkäufer gewesen, heute gäbe es viel Konkurrenz, sagt der Landwirt.

«Schreckliche Stände»

Und anscheinend viele, die für Kürbisverkauf kein goldenes Händchen haben. Hans-Peter Kocher, Leiter der kantonalen Fachstelle für Gemüsebau in Ins, kennt das Rezept für Moris Erfolg: Es brauche Verkäufer, die etwas von Kürbis verstehen, ihn schätzen, schön präsentieren und richtig deklarieren, sagt er. «Ich finde die Stände am Strassenrand , wo die Kürbisse aufeinandergestapelt daliegen, schrecklich.» Es seien denn auch diese Händler, die sich über fehlende Kundschaft beschweren, weiss Kocher.

Gemüsefachmann Kocher bezeichnet den Kürbis-Boom als anhaltend. «Die Nachfrage verteilt sich jetzt einfach besser und ist gezielter. Als Profi kann man auch in der Krise Geld mit Kürbis machen.» Das weiss auch Roland Bangerter aus Gampelen, seit 15 Jahren im Geschäft. Er macht aus Kürbis nicht nur Suppe und Öl – er macht aus Kürbis ein Erlebnis. Mit seinen 430 Kürbissorten organisiert Gemüsebauer Bangerter jährlich eine der grössten Ausstellungen in der Schweiz. Bangerter beliefert Grossverteiler, Restaurants und gar Kunden aus Paris.

Horrende Preise

Schweizweit sind 2003 in den Läden 1900 Tonnen Kürbis abgesetzt worden. 2008 waren es noch 1300 Tonnen. Roland Bangerter erklärt sich die rückläufigen Zahlen mit den horrenden Preisen bei den Grossverteilern.

Coop kann nur Stückpreise liefern. So kostet ein «Muscade de Provence» Fr.9.90, in der Migros ist dieselbe Sorte für Fr.4.90 pro Kilogramm zu haben. Der Preis für die Zierkürbisse variiert je nach Grösse zwischen Fr.1.50 und Fr.16.90. Beide Grossverteiler verkaufen Schweizer Kürbis und vermelden einen guten Verkaufsauftakt.

Der Spuk ist vorbei

Ernst Mori und Roland Bangerter profitieren von den Grossistenpreisen, die ihnen wahrscheinlich gespenstisch hoch erscheinen. «Viele Kunden kommen deswegen zu uns», so Bangerter. Bei beiden Bauern kosten die Speisekürbisse, egal welche Sorte, 2 Franken pro Kilo. Die Zierkürbisse sind für Fr. 1.50 bis Fr. 4.50 zu haben.

Apropos Gespenster: Sowohl Migros wie Coop machen mit dem amerikanischen Brauch Halloween kein grosses Geld mehr und nehmen die Gruselartikel teilweise bis ganz aus dem Sortiment. Nur etwas bleibt: Der Kürbis für die Kerze.

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