Wieder ein neuer Baustellenchef

Biel

Vier Jahre, vier Chefs: Beim Bieler A5-Ostast gibt es auf der wichtigsten Position der Baustelle laufend Wechsel. Auch jetzt wieder. Die Arbeit scheint belastend zu sein.

Die Tunnelbauer mit ihrem Baustellenchef Marco Hirzel (ganz rechts) nach dem Durchbruch am Bieler Längholztunnel im Oktober dieses Jahres. Jetzt geht der Chef, ein neuer kommt. Es ist bereits der vierte seit Baubeginn am Ostast im Dezember 2007.

Die Tunnelbauer mit ihrem Baustellenchef Marco Hirzel (ganz rechts) nach dem Durchbruch am Bieler Längholztunnel im Oktober dieses Jahres. Jetzt geht der Chef, ein neuer kommt. Es ist bereits der vierte seit Baubeginn am Ostast im Dezember 2007.

(Bild: BT)

Ende Januar schon soll auf der Tunnelbaustelle im Bözingenfeld bei Biel die zweite Röhre des Büttenbergtunnels in Angriff genommen werden. Früher als geplant geht es aber nicht nur wieder in den Berg hinein. Früher als geplant geht auch der Baustellenchef. Marco Hirzel verlässt das A5-Ostast-Projekt in Biel nach gerade mal elf Monaten. Ebenso lange war davor Klaus Fankhauser an seiner Stelle gewesen. Andreas Angehrn hatte die Baustelle ab Spatenstich im Dezember 2007 vierzehn Monate geleitet und noch einige davor.

Der Projektleiter des A5-Ostasts, Aldo Quadri, sagt zum Abgang: «Ich nehme das zur Kenntnis und finde es schade. Solche Fluktuationen sind nicht gut. Es geht Baustellenwissen verloren.» Der Kanton als Bauherr habe aber keinen Einfluss darauf. Die Entscheide würden aufseiten des Unternehmers gefällt.

Drei Firmen, drei Ansichten

Offiziell machen die Ingenieure persönliche Entscheidungen für ihre Abgänge geltend. Doch: Auch wenn sie nahtlos neue Stellen und Herausforderungen annehmen – was hat sie dazu bewegt, das Bieler Grossprojekt zu verlassen? Über Details will niemand reden. Trotzdem lassen Involvierte durchblicken, dass die Arbeit in der Arbeitsgemeinschaft Arge Atubo, die für den Bau der Autobahnumfahrung als Unternehmerin verantwortlich zeichnet, nicht immer einfach ist.

Drei Firmen sind darin vereint, und damit unterschiedliche Mentalitäten, unterschiedliche Hierarchievorstellungen, unterschiedliche Herangehensweisen.

Weiterhelfen kann auf Anfrage Tunnelbauexperte Bruno Roethlisberger von der Amberg Engineering AG, der in das Bieler Projekt nicht involviert ist. Zu Spannungen in Arbeitsgemeinschaften sagt er: «Wenn auf technischer Ebene beim Bau auf einmal etwas nicht gut oder anders läuft als vorgesehen, führt das zu Diskussionen. Dann kann es mitunter ziemlich laut zu- und hergehen.

Heftige Diskussionen

In der Regel geht es um viel Geld.» Das sagt auch Klaus Fankhauser, der vor Hirzel in Biel Baustellenchef gewesen ist: «Der Franken wird doppelt und dreifach umgedreht, viel mehr als vor zehn Jahren.» Um Geld gehe es immer. Der Grundsatz lautet: Was der Bauherr bestellt hat, muss das Unternehmen liefern. Zum Teil werde hart gekämpft: «Es gibt diverse Involvierte und somit verschiedene Vertragsauslegungen.»

Hinzu kommen Kämpfe mit offenbar harten Bandagen zwischen der Arbeitsgemeinschaft und dem Kanton als Bauherrn, vertreten durch die örtliche Bauleitung im Bözingenfeld. Geld spielt dabei immer wieder eine grosse Rolle. Wer zahlt Mehraufwände beim Tunnelbau? Wer ist schuld, wenn etwas nicht läuft, wie es sollte? Liegt es an der Geologie oder an der Technik?

Der Neue steht schon bereit

Solchen Diskussionen wird sich auch der neue, nun schon vierte Baustellenchef, Michael Huser, stellen müssen. In Biel führt man ihn bereits in seine künftigen Aufgaben ein. Selbst sagt er: «Ich möchte bereits vor meinem offiziellen Beginn im Februar möglichst viel Kenntnis über die Baustelle erlangen, durch Gespräche und Aktenstudium.» Ab der dritten Januarwoche plant er, fliessend von Hirzel zu übernehmen. Auch aufseiten der örtlichen Bauleitung hat erst kürzlich ein Chefwechsel stattgefunden. Rick Ranzijn leitet seit Oktober das Team.

Einen Grund unter anderen für die heute häufigen Wechsel sieht Projektleiter Aldo Quadri darin, dass gute Ingenieure rar geworden seien. Via Personalfirmen würden sie regelrecht abgeworben. Tunnelbauexperte Bruno Roethlisberger kennt das Problem: «Man hat zu wenig Ingenieure ausgebildet. Deshalb werden jetzt auch manchmal Leute eingesetzt, die knapp genügend sind – mit der Hoffnung, dass sie sich entwickeln.»

Bieler Tagblatt

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