Was hat der selbst ernannte Heiler vor?

Rapperswil

Der neue Besitzer des Ochsen hat eine bewegte Vergangenheit. Martin Frischknecht hat illegal mit Arzneimitteln gehandelt, angeblich heilende Geräte verkauft, und er verbreitet Verschwörungstheorien im Netz.

Was wird aus dem Ochsen? In Rapperswil wird viel über den neuen Besitzer getuschelt.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Was wird aus dem Ochsen? In Rapperswil wird viel über den neuen Besitzer getuschelt.

(Bild: zvg)

Der Ochsen von Rapperswil soll zu einem «Wohn- und Kulturzentrum» werden. Mit Alterswohnungen, Hotel, Tonstudio, Pizzeria und Gesundheitspraxis. Das lässt sich der neue Besitzer, Martin Frischknecht, offensichtlich einiges kosten. Äusserlich wurde das Gebäude bereits herausgeputzt, innen wird noch gebaut.

In Rapperswil findet die Sanierung des Ochsen Anklang. Gemeindepräsidentin Christine Jakob lobt: Das Gebäude sehe aussen wunderschön aus, baulich sei sicher alles einwandfrei.

Doch hinter vorgehaltener Hand fragen sich in Rapperswil auch einige, was den Besitzer aus der Region Thun antreibt, im Dorf ein solches Projekt zu realisieren. Und: Woher kommt das Geld dafür?

Christine Jakob wiegelt ab. Ihr seien keine Gerüchte zu Ohren gekommen. «Ich weiss, dass er ein Gerät gegen allerlei Beschwerden verkauft. Aber ich besitze selber kein solches, und so kann ich die Wirkung auch nicht beurteilen», sagt sie.

Konkurs mit Heizsystemen

Selbst entwickelte Geräte sind eine Leidenschaft von Martin Frischknecht, wie das «Bieler Tagblatt» berichtet. Mit ihrem Verkauf nimmt er Geld ein – und mit ihnen sorgte der Elektroingenieur, Kleinunternehmer und Naturheiler für negative Schlagzeilen. So etwa in der Aprilausgabe des «Beobachters»: «Käufer kalt erwischt», titelte die Zeitschrift in Anspielung an ein Heizsystem der Firma Levellab AG, das nicht wirklich funktioniert.

Frischknecht habe den Leuten eine Art Eier legende Wollmilchsau für die Energieversorgung angedreht, so der Beobachter. Solarzellen, die angeblich Strom produzieren, Wasser erwärmen, zugleich Batterien im Keller aufladen und eine Wärmepumpe antreiben. Doch statt weniger Stromkosten erhielten Käufer hohe Rechnungen. Allein die Anschaffung kostete eine Rentnerin 326'000 Franken. Nun hat sie ein «stromfressendes Ungetüm» im Haus. Trotz einer Expertise, die grundsätzliche Mängel auswies, werden die Käufer wohl vergeblich darauf warten, ihr Geld zurückzuerhalten. Frischknecht deponierte die Bilanz und meldete für die Levellab AG Konkurs an.

Angebliches Wundergerät

Der Verkauf von Heizsystemen ist allerdings nicht Frischknechts Haupttätigkeit. Er ist der Erfinder von Geräten, denen er eine heilende Wirkung zuschreibt. Mit ihnen will er ein gesundes Gleichgewicht im Körper herstellen, sodass Krankheiten keinen Platz haben. Wie das funktionieren soll, wird auf der Website der Frima Fritonex AG allerdings nicht näher beschrieben. Und Frischknecht wollte es auf Anfrage auch nicht erklären. «Sie können doch lesen?», fragt er rhetorisch, verbunden mit der Aufforderung, sich im Internet kundig zu machen.

Vor fünf Jahren verurteilt

Dort trifft man auf die Anhänger des selbst ernannten Heilers, die sich für ihn ins Zeug legen. Von Hepatitis C, das einfach so verschwand, ist die Rede, und von einem Chirurgen, der ob einer wundersamen Heilung die Welt nicht mehr verstanden habe. Auf der Internetplattform «Zeitenschrift» ist zu lesen, dass sich Frischknecht als Werkzeug einer höheren Macht sehe. Er habe jeweils davon geträumt, was er machen solle. Mit dem Verkauf von Heilmitteln und Medizinalprodukten bewegt sich Frischknecht an der Grenze der Legalität, in mindestens einem Fall überschritt er sie: 2008 verurteilte ihn das Regionalgericht Oberland wegen illegalen Handels mit Arzneimitteln. Für Frischknecht mag der Schuldspruch ein weiterer Beweis dafür gewesen sein, dass geheime Seilschaften mit Krankheiten Geld verdienen wollen. Denn er hatte bei früheren Auftritten wiederholt gesagt, dass Aids in einem Labor in den USA entwickelt worden sei. Auch dass es natürliche Heilmittel gegen Krebs gebe, die aber wegen der Pharmaindustrie nicht verkauft werden dürften. Mit solchen Aussagen geriet er Ende der 90er-Jahre in die Schlagzeilen.

Frischknecht griff auch in die Politik ein, in den 90er-Jahren für die Schweizer Demokraten (SD). Für sie kandidierte er als Nationalrat, und über sie warb er 1998 für seine sogenannte Weltordnungskassette. Doch Kenner taxierten Aussagen auf diesem Tonträger als rassistisch und bezeichneten sie als obskure Verschwörungstheorien. Auch der Regionalsektion der SD gingen Frischknechts Theorien zu weit. Sie verlangte eine «gründliche Unterredung», worauf Frischknecht aus der Partei austrat.

Seinen Verschwörungstheorien ist Frischknecht treu geblieben. Heute verbreitet er Videobotschaften im Internet. Aufgenommen werden sie in seinem Tonstudio. Moderator der vielen Sendungen ist der Deutsche Michael Vogt. Ihm wird nachgesagt, der rechtsextremen Partei NPD nahegestanden zu sein.

Berner Zeitung

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