Spital-Verwaltungsrat verklagt Paul Knecht

Biel

Der Verwaltungsrat des Spitalzentrums geht in die Offensive: Aufgrund des klaren Befunds der Voruntersuchung reicht er Zivilklage ein. Und dies, einen Monat bevor das Gremium erneuert wird.

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Wird verklagt: Paul Knecht.

(Bild: Andreas Blatter)

Noch einen Monat ist der Verwaltungsrat des Bieler Spitalzentrums in seiner aktuellen Zusammensetzung im Amt. Dann wird die Mehrheit des Gremiums, darunter Präsidentin Irène Truffer, abtreten müssen. Gestern hat der Verwaltungsrat vermutlich ein letztes, aber umso deutlicheres öffentliches Zeichen gesetzt. Auf Empfehlung seiner Anwälte hat der Verwaltungsrat beschlossen, den «bisher festgestellten Schaden gerichtlich einzufordern», wie er in einer Medienmitteilung schreibt.

Ausmass noch grösser

Gemäss Peter Bratschi, Anwalt des Spitalzentrums, geht es dabei um unrechtmässige Spesenzahlungen und Überzeitentschädigungen. Also jene Vorwürfe, mit denen der Verwaltungsrat vor knapp zwei Jahren die Entlassung von Paul Knecht begründet hatte. Im Vergleich zum Gutachten von PricewaterhouseCoopers von damals sei die Dimension der Tatbestände nochmals grösser geworden. Und zwar in Bezug auf die Anzahl der Vergehen wie auch in Bezug auf die Schadenhöhe. «Von der Fülle der Tatbestände hat man damals noch nichts gewusst.» Den materiellen Schaden beziffert Bratschi mit einem sechsstelligen Betrag. Wieweit man auch den immateriellen Schaden geltend machen will, ist noch offen.

Aufgrund früherer Ankündigungen erstaunt die Klage weniger als der Zeitpunkt. Peter Bratschi begründet: Als Privatklägerschaft im Strafverfahren habe der Spitalverwaltungsrat vor vier Wochen Einblick in die Untersuchungsakten erhalten. Die Strafprozessordnung verlange, dass man eine Zivilklage so früh wie möglich einreiche: «Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.» Man hätte nicht Klage eingereicht, wenn diese nicht gut begründet wäre. Verwaltungsratspräsidentin Irène Truffer ergänzt, der Verwaltungsrat sei von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion aufgefordert worden, den Schaden gerichtlich geltend zu machen. Dabei sei es nicht darum gegangen, ein letztes Zeichen zu setzen.

Nur noch einen Monat Zeit

Genau das glaubt aber Paul Knecht: «Es ist klar, weshalb es dem Verwaltungsrat pressiert.» In knapp einem Monat werde er in der jetzigen Zusammensetzung nicht mehr klagen können. Knecht zeigte sich gestern zudem erstaunt, dass er eine solche Nachricht über die Medien erfahren müsse. Die Vorwürfe gegen ihn bezeichnet er als nebulös: «Sie sollen endlich einmal sagen, was mir vorgeworfen wird.» Knecht sprach von einem beschämenden Vorgehen, das bestens in die bisherige «Vernichtungsstrategie» passe.

Bieler Tagblatt

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