Kappelen bei Lyss

So sieht es im Bundesasylzentrum aus

Kappelen bei LyssIn Kappelen bei Lyss eröffnet am Dienstag ein Bundesasylzentrum mit 160 Plätzen. An einem Tag der offenen Tür konnten die Räumlichkeiten besichtigt werden.

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Obschon am Samstag noch keine Asylsuchenden im Bundesasylzentrum an der Grenzstrasse in Kappelen bei Lyss anwesend waren, kam niemand ohne Eingangskontrolle hinein. An die hundert Personen, die Mehrheit aus der näheren Umgebung, besuchten das neu ausgebaute, frühere kantonale Durchgangszentrum. Es war Tag der offenen Tür.

«Es ist gut, dass wir da einmal reinschauen können», sagt ein ­älterer Mann, und seine Frau fügt an: «Wir sind gespannt, was kommt. Früher ging hier manchmal ganz schön die Post ab.» ­Dafür, dass der Betrieb möglichst geordnet vor sich gehen wird, sorgen die Betreuer des vom Staatssekretariat für Migration (SEM) aufgebauten Zentrums.

Die Asylsuchenden dürfen nur von 9 bis 17 Uhr draussen sein. Die Nacht müssen sie drinnen verbringen. Am Dienstag werden die ­ersten ankommen, nicht 160 auf ­einmal, sondern «Schritt für Schritt», wie David Keller, designierter Regionenleiter der Asylregion Bern, sagt. Neu werden die Asylsuchenden bis zu 140 Tage im Zentrum leben. «Bis klar ist, wer bleiben kann und wer zurückmuss», so Keller.

Laut Keller handelt es sich erfahrungsgemäss bei 40 Prozent der Klienten von Bundesasylzentren um sogenannte Dublin-Fälle, für die andere Länder zuständig sind und wohin diese Personen zurückgeschickt werden.

Bei 30 bis 40 Prozent handelt es sich um «komplexe Fälle», wo beispielsweise noch Papiere beschafft werden müssen. Bei einigen wenigen handle es sich um «einfache, klare Fälle» oder solche, wo ein Asylgesuch aussichtslos ist.

Viele tauchen unter

Ein bekanntes Problem sei, dass viele untertauchen, sobald sie wissen, dass ihr Asylgesuch vor­aussichtlich abgelehnt wird. «Rund 30 Prozent sind von jeher vor der Ausschaffung untergetaucht», sagt Barbara Büschi, stellvertretende Direktorin des SEM. Die Zahl jener, die verschwinden, habe sich aber deutlich erhöht.

Büschi hofft, dass mit der Anwendung des neuen Asylgesetzes die Verfahren schneller durchgeführt werden können. «Es werden auch deutlich mehr Leute in ihr Land zurückkehren müssen.»

Der Bund hat dem Kanton die Bauten und das Grundstück in Lyss abgekauft und insgesamt 29 Millionen Franken investiert. Eingerichtet wurden Schlafräume für zwei bis zehn Personen, ausgestattet mit Kajütenbetten und kleinen Schränken. Es gibt auch Aufenthalts-, Kurs- und Essräume sowie eine Küche, wo die Asylbewerber das Essen aufwärmen. «Unter Aufsicht», wie David Keller betont.

Ein Caterer liefert drei Mahlzeiten, zusätzlich sind Obst und Getränke vorhanden. An den Wänden hängen Plakate in zehn Sprachen, welche in Wort und Bild die wichtigsten Regeln des Zusammenlebens erklären wie etwa «keine sexuelle Belästigung», «Abfall in den ­Eimer» und «Gleichberechtigung der Geschlechter». Auf den Toiletten erklären Bilder, wie ein WC zu benutzen ist.

Die elementaren Bedürfnisse der Asylsuchenden werden erfüllt, sie erhalten Wäsche, Hygieneartikel und medizinische Versorgung sowie ein Taschengeld von drei Franken pro Tag. Sie können auch an Ausflügen und Filmabenden teilnehmen und Sprach- oder Bastelkurse be­suchen.

«Gute Zusammenarbeit»

Hans-Martin Oetiker (parteilos), Gemeindepräsident von Kappelen, und sein Lysser Amtskollege Andreas Hegg (FDP) betonen vor den Besuchern die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Kanton und Bund. Hegg äussert sich indessen auch kritisch: «Lyss hat ein gespaltenes Verhältnis zum Bundesasylzentrum.»

Vor allem gegen ein zweites Zentrum wolle man sich weiterhin wehren. Dessen Standort ist noch offen: Im Dezember wurde entschieden, dass in der Stadt Bern nach einer Alternative gesucht werden soll. Aber in einem Jahr will man in Kappelen mit dem Bau eines Erweiterungsgebäudes beginnen. Damit sollen dort ab 2021 bis zu 270 Plätze für Asylsuchende zur Verfügung ­stehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.07.2018, 14:12 Uhr

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