Peter Hans Kneubühl: «Das Arztzeugnis ist gekauft»

Der inhaftierte Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl wehrt sich gegen ein psychiatrisches Gutachten, das ihm unter anderem Schizophrenie attestiert .

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«Das Arztzeugnis ist gekauft», sagte er am Freitag in einem TV-Interview mit dem Sender TeleBärn. Alle Argumente in dem Dokument seien falsch. Er habe sie in einem 120-seitigen Schreiben widerlegt, betonte der Rentner. Die Psychiaterin habe alle Argumente seiner Schwester übernommen. Mit ihr trug Kneubühl jahrelang einen Streit ums Elternhaus aus.

Dass das Haus schliesslich zwangsversteigert wurde, bezeichnete Kneubühl als Katastrophe. «Ich dachte, dass das Haus nicht versteigert wird, nach allem was passiert war.» Er habe aus der Zeitung davon erfahren. Sein Anwalt habe vergeblich versucht, die Zwangsversteigerung zu verhindern.

Für das Paar, das schliesslich den Zuschlag für die Liegenschaft erhielt, hat Kneubühl kein Verständnis. Anständige Leute würden das nicht machen, betonte er. «Das sind Opportunisten.»

Ob er bereue, dass er sich mit Waffengewalt gegen die Zwangsräumung gewehrt und einen Polizisten schwer verletzt habe, wollte die Reporterin wissen. Nein, antwortete Kneubühl prompt, aber ruhig und mit voller Überzeugung. «Ich habe alles gemacht, um die Katastrophe zu verhindern.» Er habe keine Sekunde den Eindruck gehabt, er hätte etwas anderes machen können.

In Haus verschanzt

Im Herbst 2010 hatte sich Kneubühl im Zuge einer Erbstreitigkeit mit Waffengewalt gegen die Zwangsräumung seines Hauses in Biel gewehrt. Zunächst verschanzte er sich in der Liegenschaft. Als die Polizei anrückte, schoss Kneubühl auf einen Polizisten und verletzte ihn schwer. Dem Rentner gelang die Flucht. Tagelang hielt er ein Grossaufgebot der Polizei in Atem. Schliesslich konnte er oberhalb von Biel festgenommen werden.

Kneubühl war vor der Tat schon jahrelang mit verschiedenen Behörden im Streit gelegen und hatte Behördenvertreter immer wieder mit seitenlangen Briefen eingedeckt.

Anfang kommenden Jahres befasst sich das Regionalgericht Berner Jura-Seeland mit Kneubühl. Die Richter müssen entscheiden, ob er schuldunfähig ist und in eine Anstalt eingewiesen wird.

Im dritten Teil des dreiteiligen TV-Interviews wirkte Kneubühl sehr präsent und auch klar. Er war höflich, drückte sich gewählt aus und strahlte phasenweise sogar eine gewisse Herzlichkeit mit leicht melancholischem Unterton aus.

Kneubühl sieht sich aber durchs Band weg im Recht und lässt keinerlei Einsicht erkennen. Auch Mitleid mit seinem Opfer sucht man vergebens. Vielmehr sieht sich Kneubühl selber als Opfer von Behörden und Polizeigewalt.

toc/sda

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