Obergericht beurteilt Bieler Prostituierten-Mord

Der Bieler Prostituierten-Mord vom Oktober 2010 hat am Mittwoch das bernische Obergericht beschäftigt. Es muss den Entscheid des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland überprüfen.

Das bernische Obergericht muss den Entscheid des Regionalgerichts prüfen. Dieses hatte den Angeklagten zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das bernische Obergericht muss den Entscheid des Regionalgerichts prüfen. Dieses hatte den Angeklagten zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt.

(Bild: Bieler Tagblatt)

Das Urteil des Regionalgerichts lautete auf lebenslängliche Freiheitsstrafe und lebenslängliche Verwahrung. Der Angeklagte wurde des Mordes, des dreifachen qualifizierten Raubs, der qualifizierten Vergewaltigung und des Versuchs dazu für schuldig befunden.

Das Regionalgericht hatte den Entscheid vom Mai vergangenen Jahres mit der Grausamkeit des Mordes begründet. Demnach hatte der Beschuldigte die Prostituierte mit Messerschnitten durch die Kehle geradezu exekutiert.

Gemäss dem erstinstanzlichen Urteil hatte der Mann aus der Elfenbeinküste im Sommer und Herbst 2010 drei Bieler Prostituierte zur Herausgabe von Geld und Wertgegenständen gezwungen. Neben dem Raub kam es im ersten Fall zum Versuch der Vergewaltigung, im zweiten zur Vergewaltigung und im dritten zur Tötung.

Unschuld beteuert

Der heute 33-jährige Ivorer bestritt schon vor einem Jahr die Taten. Auch vor dem Obergericht in Bern beteuerte der Mann am Mittwoch seine Unschuld. «Wenn ich es getan hätte, hätte ich mich dafür entschuldigt», sagte er.

Er habe nie jemanden getötet, sagte der Beschuldigte vor dem Obergericht. Vor seiner Einreise in die Schweiz sei er auch nie im Gefängnis gewesen. Hierzulande musste er aber bereits wegen Verstössen gegen die Aufenthaltsbestimmungen insgesamt 22 Monate ins Gefängnis.

Der Mann gab zu, Kontakte zu den Prostituierten gehabt zu haben. Zu den fraglichen Tatzeiten sei er aber an anderen Orten gewesen. Ausserdem habe er sich immer wieder auch in Frankreich aufgehalten. «Wenn ich hier ein Delikt begangen hätte, wäre ich nicht in der Schweiz geblieben, sondern nach Frankreich gegangen», sagte er.

Kritik an Gutachten

Sein Verteidiger kritisierte vor allem die Massnahme der lebenslänglichen Verwahrung. Für eine solche seien die Voraussetzungen nicht gegeben, sagte er.

In Frage stellte der Verteidiger vor allem eines der zwei psychiatrischen Gutachten, die es für eine lebenslängliche Verwahrung braucht. Dieses zweite, kürzere Gutachten komme zwar zu einer ähnlichen Schlussfolgerung wie das erste, sei aber ungenügend argumentiert, sagte der Anwalt.

Im vorliegenden Fall bezeichneten beide Gutachten den Beschuldigten als Psychopathen, der kein Mitleid mit anderen Menschen verspüren könne. Das sei nicht behandelbar, und die Rückfallgefahr sei sehr gross.

Auch das rechtsmedizinische Gutachten werfe fragen auf, sagte der Verteidiger. Grund sei die Diskrepanz zwischen der festgestellten Todeszeit der Prostituierten und der ermittelten Tatzeit.

Sein Mandat fordere einen Freispruch, da er auf seine Unschuld beharre, sagte der Verteidiger weiter. Für den Fall eines Schuldspruchs beantragt der Anwalt einen Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.

Das sei angemessen, weil man nicht genau wisse, was sich vor zwei Jahren in Biel genau abgespielt habe, etwa ob ein Streit vorausgegangen sei, sagte der Verteidiger.

«Gefahr für die Allgemeinheit»

Das sah der zuständige Staatsanwalt anders. «Die Situation ist klar», sagte er. Er verwies darauf, dass es am Tatort zahlreiche DNA-Spuren des Beschuldigten gegeben habe und bezeichnete die Aussagen des Mannes als unglaubwürdig.

«Er ist eine Gefahr für die Allgemeinheit», sagte der Staatsanwalt. Deshalb beantrage er dem Obergericht, die lebenslange Freiheitsstrafe und die lebenslange Verwahrung zu bestätigen.

Für die lebenslange Verwahrung seien alle Voraussetzungen geben, sagte der Staatsanwalt weiter. So liege Mord, Vergewaltigung und Raub vor und es bestehe die Gefahr, dass der Beschuldigte schnell wieder die gleichen Delikte begehe.

Der Anwalt des Ehemanns der getöteten Prostituierten sprach von einer bestialischen Tat und forderte eine höhere Genugtuung für seinen Mandanten.

Das Urteil wird für den Donnerstagnachmittag erwartet.

chh/sda

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