Nicht nur der Biber hielt den Wildhüter auf Trab

Müntschemier

35 Jahre lang war Fritz Maurer Wildhüter im westlichen Seeland. In dieser Zeit hat sich die Tier- und Pflanzenwelt verändert. Ende Februar geht Maurer in Pension.

Eindrückliche Werke der Natur wie diese Biberspuren am Neuenburgersee faszinieren Fritz Maurer besonders. Mitte Woche geht der 64-jährige Wildhüter in Pension.

Eindrückliche Werke der Natur wie diese Biberspuren am Neuenburgersee faszinieren Fritz Maurer besonders. Mitte Woche geht der 64-jährige Wildhüter in Pension.

(Bild: Urs Baumann)

Hans Ulrich Schaad

Es ist fast ganz still im Naturschutzgebiet Fanel am Neuenburgersee. Nur das Trommeln eines Schwarzspechtes und die Laute einiger Wasservögel sind zu hören. Die fahle Morgensonne kann den steif gefrorenen Boden noch nicht erwärmen. Wildhüter Fritz Maurer führt die Besucher in den Schilfgürtel und zeigt das Werk eines Bibers. Ein Weidenstock mit einem Durchmesser von gut 30 Zentimetern ist knapp über Bodenhöhe fast komplett durchgenagt. «Der Biber war vermutlich letzte Nacht am Werk», sagt Maurer aufgrund der Spuren. Solche eindrücklichen Naturwerke zu entdecken, sei eine der schönen Seiten seines Berufes, gerade im Winterhalbjahr, wo die Natur durch Menschen weniger gestört werde.

Mehr Wildschweine als früher

Vor 35 Jahren, als Fritz Maurer seine Stelle als Wildhüter antrat, gab es vom Biber im Seeland noch keine Spuren. Heute hält das geschützte Tier den Wildhüter auf Trab. Gestaute Bäche, untergrabene und eingestürzte Feldwege sowie verstopfte Drainagen sorgen für rote Köpfe bei den betroffenen Landbesitzern und Flurgenossenschaften.

Ein anderes Tier, das bei Maurers Stellenantritt erst vereinzelt durch seinen Kreis streifte, ist das Wildschwein. Auch es verursacht heute in der Landwirtschaft beträchtliche Schäden. Nur einen Steinwurf von der angenagten Weide entfernt, sind die Spuren einer Wildschweingruppe zu sehen, die vor einigen Wochen eine Naturwiese fast ganz umgegraben hat.

Rebhuhn und Fasan verschwunden

Es sind seit 1977 nicht nur neue Tiere aufgetaucht. «Das Rebhuhn und der Fasan sind verschwunden», erklärt Fritz Maurer. «Die Artenvielfalt ist zurückgegangen.» Grund dafür sei die intensive Landwirtschaft. In den letzen Jahren hat jedoch ein Umdenken stattgefunden: Der Wildhüter war Berater bei verschiedenen Renaturierungs- oder Strassenprojekten. In seinen Vorträgen an Schulen sagt der 64-Jährige jeweils: «Wir geben der Natur das zurück, was wir ihr in den letzten 100 Jahren genommen haben.»

Wenn Fritz Maurer im Dienst ist, muss er rund um die Uhr erreichbar sein. Vieles ist nicht planbar. Jederzeit kann ein Anruf wegen eines Wildschadens kommen. Die Verkehrsunfälle mit Wild haben stark zugenommen. Es gab schon Tage, wo er von einem Unfall zum anderen gefahren ist, um verletzte Tier zu suchen und zu erlösen. «Als es noch keine Mobiltelefone gab, half jeweils die ganze Familie mit und nahm die Anrufe entgegen», erzählt der Wildhüter. Von unterwegs rief er zu Hause in Müntschemier an, um nachzufragen, ob ein Zwischenfall gemeldet worden war.

Die Tätigkeit des Wildhüters findet nur noch zu einem kleineren Teil draussen in der Natur statt. Sitzungen, Administratives, Öffentlichkeitsarbeit, Beratungen und Autofahrten nehmen viel Zeit in Anspruch. Speziell an Wochenenden, an denen Maurer auch für angrenzende Gebiete Pikett hat, kommen schnell mehrere 100 Kilometer im Auto zusammen.

Pilze fürs Altersheim

Als Wildhüter muss Fritz Maurer auch Polizist spielen. Leute, welche die Regeln nicht einhalten, weist er zurecht oder zeigt sie sogar an. So Pilzsammler, die sich nicht an die Schonzeit oder die Mengenbeschränkung halten. Die eingezogenen Pilze lässt Maurer kontrollieren und gibt sie einem Altersheim ab.

Viel Zeit, um die Natur zu beobachten, bleibt nicht. Deshalb zieht es Maurer in seiner Freizeit oft an seine Lieblingsorte im Fanel oder bei der Runtigenfluh, am Zusammenfluss von Saane und Aare. Den Fotoapparat hat er immer griffbereit. Einmalige Schnappschüsse sind ihm schon gelungen. Mit seinen Natur- und Tieraufnahmen hat Maurer bereits einen Fotopreis gewonnen. Für die Zeit nach seiner Pensionierung hat er verschiedene Pläne: Er will sein Eigenheim umbauen, häufiger aufs Velo steigen und mehr Zeit für die beiden Grosskinder haben. Diesen Frühling möchte er zudem mit dem Velo nach Südfrankreich radeln. Und wenn Not am Mann ist, kann er sich auch vorstellen, seinen früheren Kollegen zu helfen. Denn draussen in der Natur fühlt sich Fritz Maurer wohl.

Berner Zeitung

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