Mitten in der bebenden Menge kam es zum magischen Moment

Orpund

Maurice Amacher ist Profibasketballer, Hip-Hop-Fan – und sitzt im Rollstuhl. Am Royal Arena Festival ist vom 22-Jährigen ein Bild entstanden, das im Web nun Wellen der Begeisterung auslöst.

Er wird es nie mehr vergessen: Maurice Amacher wurde am Royal Arena Festival von der feiernden Masse in die Lüfte gehoben und in die erste Reihe vor der Bühne getragen. So hatte auch der 22-jährige Luzerner und Profirollstuhl-Basketballer etwas vom Auftritt des New Yorker Wu-Tang Clan.

Er wird es nie mehr vergessen: Maurice Amacher wurde am Royal Arena Festival von der feiernden Masse in die Lüfte gehoben und in die erste Reihe vor der Bühne getragen. So hatte auch der 22-jährige Luzerner und Profirollstuhl-Basketballer etwas vom Auftritt des New Yorker Wu-Tang Clan.

(Bild: Nico SKGZ/zvg)

Simone Lippuner

Maurice Amacher ist gewohnt zu punkten. Der 22-Jährige aus Eich am Sempachersee ist Profibasketballer. Jedoch reiht er sich nicht in den Reigen der teilweise über zwei Meter hohen Männer, die mit ihren langen Beinen quasi über das Spielfeld fliegen: Maurice Amacher war schon auf den Rollstuhl angewiesen, bevor er überhaupt gehen konnte.

Letztes Wochenende holte sich der junge Mann die Punkte jedoch nicht, indem er für die Schweizer Nationalmannschaft im Rollstuhlbasketball Körbe warf. Maurice Amacher spielte sich direkt in die Herzen von Tausenden von Menschen, die in Orpund den Hip-Hop und den Sommer feierten.

«Der Ritt meines Lebens»

Es ist Freitagnacht, als letzter Act blasen die neun Rapper von Wu-Tang Clan mit ihren Bässen und Beats den rund 7000 Besuchern alle Sorgen aus dem Kopf. Maurice Amacher steckt irgendwo in der bebenden Masse fest und sieht nicht auf die Bühne. «Plötzlich hoben mich einige Kollegen hoch», erinnert er sich, «und begannen, mich über die Köpfe hinwegzutragen.» Zwanzig Meter weit trug die feiernde Menge den Rollstuhlfahrer von hinten bis in die erste Reihe vor die Bühne.

«Unglaublich, unvergesslich, ein einzigartiges Gefühl», beschreibt Maurice Amacher diesen Moment. «Das war der Ritt meines Lebens.» Der Luzerner wurde zum Star des Festivals: Vom Moment des Stagedivings an kannten ihn die Menschen und sprachen ihn an, fotografierten und filmten ihn.

Auch ein Fotograf aus Frankreich hat diesen magischen Moment festgehalten. Seither generiert das Bild auf Facebook unzählige Likes, es wird auf anderen Seiten geteilt und macht langsam aber sicher die Runde um die Welt. Nicolas Dähler, Organisator des Royal Arena Festival, wird öfter angefragt, ob er das Bild zur Verfügung stelle, zum Beispiel für Organisationen, die sich für körperlich Behinderte einsetzen. «Dieses Foto wird allen Menschen Mut machen, die wie Maurice im Rollstuhl sitzen», sagt Dähler. «Weil das noch lange nicht heisst, dass man deshalb nicht feiern und ein gutes Leben führen kann.»

Für Dähler symbolisiert das Bild zudem die Toleranz und Offenheit der Hip-Hop-Szene, der normalerweise ein eher übler Ruf vorauseilt. Dähler: «Oft wird ein Hip-Hop-Festival mit Saufgelage und Gewalt gleichgesetzt. Dieses Bild beweist nun das Gegenteil.»

Als Baby überfahren

Maurice Amacher sitzt wegen eines tragischen Unfalls schon sein Leben lang im Rollstuhl: Als einjähriges Baby wurde er von einem Auto überfahren und brach sich dabei den Rücken. Diagnose: inkomplette Paraplegie. «Ich spüre meine Beine und kann auch ein wenig laufen, aber keine langen Strecken.» Um es nicht ganz zu verlernen, geht er jeweils in seiner Wohnung ein paar Schritte.

Seine Arme trainiert Amacher hingegen täglich mehrere Stunden, um im Basketball unter den Profis zu bleiben. «Der Sport gibt mir Kraft.» Jeweils während des Winterhalbjahrs steht Amacher bei einer ausländischen Mannschaft unter Vertrag, im Sommer spielt er im Nationalteam der Schweiz. Im September reist er nun nach Madrid. «Ich freue mich, dort Spanisch zu lernen, das werde ich für meine Zukunft brauchen.» Amacher hat das KV absolviert. Sollte er eines Tages in diesen Beruf zurückkehren, dann am liebsten im Aussendienst. «Doch nun möchte ich noch so lange wie möglich im Sport punkten können.»

Berner Zeitung

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