In seinem Kopf hat das Amt begonnen

Aarberg

Der neue Gemeindepräsident Fritz Affolter (SVP) will unter anderem erreichen, dass Häuser im Stedtli künftig umgebaut werden dürfen.

Fritz Affolter, neuer Aarberger Gemeindepräsident.

Fritz Affolter, neuer Aarberger Gemeindepräsident.

(Bild: Stefan Anderegg)

Herr Affolter, wie lief das genau, als Sie von Ihrer Wahl erfuhren?Fritz Affolter: Etwa um 14 Uhr schauten sich einige meiner Parteikollegen die Wahlresultate per Handy auf der Website der Gemeinde an. Plötzlich rief jemand: Fritz, du bist gewählt! Ich sagte, das kann nicht sein, schau noch mal. Ich war total überrascht über die Entscheidung im ersten Wahlgang, denn das absolute Mehr ist eine hohe Hürde.

Wie fielen die Reaktionen aus? Was auf dem Stedtliplatz abging, war kaum zu fassen. Von überall her kamen Leute und gratulierten mir. Und die vorbeifahrenden Autos hupten.

Wie reagierten Ihre Gegenkandidaten? Auch sie gratulierten mir, waren aber sehr enttäuscht. Beide hatten einen zweiten Wahlgang erwartet. Dazu kam, dass ihre Parteien im Gemeinderat je einen Sitz verloren hatten.

Die SVP hat nun mit ihren vier Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat, stellt den Gemeindepräsidenten und wird wegen des Gemeinderatsproporzes auch in den Kommissionen die Mehrheit erhalten. Das ergibt eine fast beängstigende Dominanz. Viele sehen hinter den drei Buchstaben SVP ein Phantom, etwas Schlechtes. Ich kenne die SVP von innen und kann sagen: Es sind total flotte Leute, die anpacken. Für die Wahlen spielen die Parteien eine wichtige Rolle. Im Gemeinderat sind sie dann kein Thema mehr. Es geht dort um Sachpolitik zum Wohl von Aarberg. In der Vergangenheit waren die SVPler im Rat übrigens oft nicht gleicher Meinung.

Trotzdem: Die SVP drängt die andern doch an den Rand. Nein. Diese Angst ist unbegründet. Ich sage es klar: Ich bin auch der Gemeindepräsident für die, welche einen anderen gewählt oder gar keinen Wahlzettel ausgefüllt haben. Zudem sitzen im Gemeinderat sieben unterschiedliche Personen, die ein breites Spektrum abdecken.

Welche Stärke können Sie im Amt des Gemeindepräsidenten besonders einsetzen? Es gelingt mir, Menschen mit unterschiedlichen Positionen zusammenzubringen, damit sie ihre Argumente auf den Tisch legen. Dann kann man Kompromisse suchen. Das habe ich bei den Arbeiten am Projekt «Alte Ziegelei» immer wieder gemacht – mit Erfolg.

Was werden Sie als Erstes tun im neuen Amt? In meinem Kopf hat das schon begonnen. Meine Hauptaufgabe ist es, im Gemeinderat ein gutes Team zu bilden. Ich werde die Qualitäten der Gewählten eruieren und mit ihnen besprechen, in welchen Ressorts sie sich wohl fühlen. Als Fussballbegeisterter weiss ich: Eine eingespielte Mannschaft ist die Voraussetzung dafür, Erfolg zu haben

Wo liegen die Schwerpunkte der Aarberger Politik in den nächsten Jahren? Wir müssen die Sonderbauvorschriften Altstadt anpassen. Die Liegenschaftsbesitzer sollen ihre Häuser renovieren und einen Lift anbauen dürfen, damit sie attraktiven, gut zugänglichen Wohnraum schaffen können. Und es sollte möglich sein, zwei oder drei schmale Häuser innen zu verbinden. So wäre Spielraum vorhanden für grössere Ladenflächen im Erdgeschoss. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Alte Ziegelei. Die Gemeinde wird das Projekt «Aarberg-Center» begleiten und koordinieren und die Bürger über die Bauphasen informieren. Im Weiteren müssen wir die Fussgängeranbindung ans Stedtli planen.

Ansiedlung von Gewerbe und Industrie ist für Sie kein Thema? Das ist nicht realistisch. Es gibt kein Industrieland, einen Grosskonzern können wir nicht hierherlocken. Wir haben aber viele Gewerbebetriebe, die gut funktionieren. Aarberg soll sich entwickeln, aber eher gemächlich.

Sie sagten einmal, Aarberg müsse sich besser verkaufen. Es geht darum, uns als ländlichen Raum zwischen Biel und Bern besser zu positionieren. Das können wir, wenn wir mit Lyss und den umliegenden Gemeinden zusammenarbeiten und unsere Position stärken.

Bis hin zu einer Grossfusion? Nein, überhaupt nicht. Ich bin gegen Fusionen, wenn die Strukturen der Gemeinden funktionieren. Es geht vielmehr darum, unser Gebiet aufzuwerten und ihm – auch politisch – mehr Gewicht zu geben.

Welche Botschaft für die Zukunft wollen Sie aussenden? Wir müssen Sorge tragen zur Perle Aarberg. Das heisst nicht, sie möglichst zu konservieren, sondern so zu gestalten, dass sie lebt.

Berner Zeitung

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