Ganz Schüpfen fragt sich: Was muss noch alles passieren?

Schüpfen

Der Vorfall im Löwen ist nur die Spitze des Eisbergs. Igor L. terrorisiert die Gemeinde Schüpfen bereits seit Jahren.

Löwen-Wirt Fritz Meier war nicht das erste Opfer des Schlägers.

Löwen-Wirt Fritz Meier war nicht das erste Opfer des Schlägers.

(Bild: zvg)

Ralph Heiniger

Über 20 Anzeigen sind gegen den 22-Jährigen eingegangen. Unter anderem wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung. Er ist vorbestraft und hat dieses Jahr bereits mehrere Monate im Gefängnis verbracht. Auch in der Psychiatrischen Klinik Waldau wurde der unberechenbare Gewalttäter behandelt, heisst es in Schüpfen.

Diese Behandlung blieb aber offenbar ohne Erfolg. Seit knapp zwei Monaten ist Igor L. wieder auf freiem Fuss. Mindestens viermal musste die Polizei seinetwegen nach Schüpfen ausrücken. Reue oder Scham kennt der gelernte Gipser offenbar nicht. Am Donnerstag nach seinem brutalen Angriff auf Löwen-Wirt Fritz Meier ging Igor L. in die Saustallbar in Schüpfen und wollte bedient werden. als wäre nichts gewesen. Dies obwohl er in der Saustallbar Hausverbot hat. Mehrfach habe er Gäste provoziert, berichtet der Geschäftsführer der Bar, Fabian Burri (22). «Einmal schlug er einen Angestellten ins Gesicht.» Nur dank Pfefferspray konnte der unverbesserliche Rüpel in die Flucht geschlagen werden.

Auch «Bahnhof»-Wirt Martial Fritsch (40) weiss von mehreren Ausrastern Igor L.s. «Er ging schon auf Gäste los und warf einmal eine Bierflasche gegen unsere Serviertochter», sagt Fritsch. Ein anderes Mal gelang es dem Wirt nur dank der Hilfe von vier mutigen Gästen, den kräftigen Igor L. zu bändigen, berichtet er.

Gemeindepräsident Ueli Hunziker (SVP) hat sich diesen Frühling mit dem jungen Mann an einen Tisch gesetzt. «Wenn er trinkt, vergisst er sich», so Hunziker (62). Der Gemeindepräsident sagt, der 22-Jährige habe damals selber signalisiert, dass er Hilfe brauche. Er fragte nach einer Bezugsperson, an die er sich wenden könne. Die Gemeinde setzte sich ein. Vereinbarte einen neuen Gesprächstermin. Erschienen ist der Gipser nicht mehr. Hunziker: «Ich kann ja nicht selbst handgreiflich werden.» Er habe bei allen möglichen Stellen Hilfe gesucht. Der Polizei, dem Regierungsstatthalter, dem Untersuchungsrichter. Ohne Erfolg. «Natürlich wünschen sich viele, dass ein solcher Mensch hinter Schloss und Riegel bleibt. Aber bei unseren Gesetzen ist das halt nicht möglich», sagt der Gemeindepräsident konsterniert.

In Schüpfen ist die Wut auf den unberechenbaren Schläger, dessen Eltern auch im Ort wohnen, fast greifbar. Das ganze Dorf fragt sich, was denn noch passieren muss, bis Igor L. endlich aus dem Verkehr gezogen wird.

*Namen der Redaktion bekannt

Berner Zeitung

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