Die Verantwortung liegt immer beim Autofahrer

Täuffelen

Nach dem tragischen Unfall von Täuffelen nehmen Verkehrsexperten die Autofahrer in die Pflicht: Angepasste Geschwindigkeit sei das Wichtigste. Und Junglenker müssten besser darauf geschult werden.

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Seit Wochen hält eine schweiz-weite Serie von Unfällen auf Fussgängerstreifen das Land in Atem. Auch in der Region kommt es immer wieder zu schweren Zwischenfällen auf vermeintlich sicheren Zebrastreifen, wie der jüngste Vorfall in Täuffelen auf tragische Weise vor Augen führte. Im beschaulichen Seeländer Dorf wurde ein Mann auf einem Fussgängerstreifen von einem herumschleudernden Auto getötet. Er war gerade dabei, mit seiner Familie die Strasse zu überqueren. Der mutmassliche Unfallverursacher war ein 18-jähriger Neulenker aus Hagneck, wie der «Blick» am Dienstag schrieb.

Oberstes Gebot: Tempo anpassen

Der Ruf nach griffigen Massnahmen wird immer lauter. Experten sehen die Hauptverantwortung bei den Autofahrern, selbst wenn Fussgänger ein Fehlverhalten an den Tag legen. Auch wenn Fussgängerstreifen schlecht beleuchtet oder unübersichtlich seien, liege die Verantwortung im Strassenverkehr immer beim Autofahrer, sagt Thomas Heynen, Fahrlehrer beim Verkehrsausbildungs-Zentrum Biel-Seeland. «Es gibt Situationen, da muss man in der Tempo-50-Zone auf 25 runter – manchmal geht es nicht anders.»

Derselben Ansicht ist auch Thomas Schweizer, Geschäftsleiter des Fachverbandes Fussgängerinnen: «Fussgängerstreifen sind neuralgische Punkte, da heisst es, Geschwindigkeit reduzieren.» Insbesondere im November und Dezember seien Fussgänger gefährdet, weil die Rushhour zur Dämmerung einsetze und dann Autofahrer wie auch Fussgänger zur selben Zeit unterwegs seien. Schlechte Sicht oder unübersichtliche Stellen seien nie eine Entschuldigung für Autofahrer, fährt er fort.

Unterstützung erhält Schweizer von Daniel Menna, Mediensprecher bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), der seine Statistik sprechen lässt: «In 86 Prozent der Fälle ist der Autofahrer alleine schuld, in 3 Prozent ist es der Fussgänger, und in den restlichen 11 Prozent haben beide Schuld.» Menna lässt auch das Argument nicht gelten, dass das Hauptproblem derjenige Fussgänger sei, der plötzlich die Fahrbahn betrete, sodass der Autofahrer gar keine Chance zum Abbremsen habe. «Nur bei 7 Prozent der Unfälle auf Zebrastreifen wurde festgestellt, dass der Fussgänger die Strasse unvorsichtig gequert hatte.»

Das korrekte Verhalten vor einem Fussgängerstreifen erklärt Fahrlehrer Heynen: Er weise die Schüler darauf hin, die Geschwindigkeit zu drosseln. Für Experte Schweizer ist ebenfalls klar, dass Temporeduktionen Leben retten: «Bei Tempo 30 könnte man zwei von drei Unfällen verhindern.»

Die Problematik bei den Junglenkern, wie der mutmassliche Unfallverursacher in Täuffelen einer ist, kennen die Experten nur zu gut. Das Unfallrisiko der 18- bis 24-Jährigen sei besonders hoch, heisst es etwa bei der BfU. Insbesondere junge Männer würden eine hohe Unfallbelastung aufweisen. Ursachen dafür seien altersspezifische Faktoren wie die aktuelle Lebenssituation, fehlende Erfahrung und Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Bieler Tagblatt

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