Bieler Rentner gefasst – Polizei und Bevölkerung erleichtert

Biel

Das Drama um einen renitenten Bieler Rentner ist nach knapp zehn Tagen unblutig zu Ende gegangen. Die Polizei fasste den Mann am Freitag früh um 06.09 Uhr auf freiem Feld im Nordwesten Biels. Nun kann die juristische und politische Aufarbeitung des Falls beginnen.

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Der entscheidende Tipp für die Festnahme kam von einer Frau, die den Gesuchten aufgrund der jüngsten Fahndungsfotos erkannte und am frühen Morgen die Polizei alarmierte. Kurz darauf trafen Polizeikräfte aus den Kantonen Bern, Basel-Land und Luzern in Ried- Biel unterhalb der Taubenlochschlucht ein.

Gestellt wurde der 67-Jährige vom Baselbieter Polizeihund Faro. Der belgische Schäfer fügte dem Rentner eine leichte Bisswunde am Bein zu. Nach einer ärztlichen Kontrolle im Spital wurde der Rentner ins Gefängnis gebracht.

Bei der Festnahme habe er keinen Widerstand geleistet und sei unbewaffnet gewesen, sagte der Berner Polizeikommandant Stefan Blättler vor den Medien. Gesundheitlich habe er sich in recht guter Verfassung befunden. Ausgehungert habe er nicht gewirkt, ergänzte François Gaudy, Chef der Regionalpolizei Seeland - Berner Jura.

Wo sich der Flüchtige in den letzten Tagen aufgehalten hat, sollen die laufenden Ermittlungen zeigen. Der Mann habe oft den Standort gewechselt, sagte Blättler.

Untersuchungsrichter Peter Schmid eröffnete eine Voruntersuchung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und wegen Gefährdung des Lebens, «begangen am 8., 9. und 10. September an seinem Domizil in Biel». Noch am Freitag wurde der Rentner dem Richter vorgeführt.

Mehr als eine Woche lang hatte er weit über hundert Polizeikräfte in Atem gehalten. Das Drama hatte am Mittwoch vergangener Woche begonnen, als sich der Mann kurz vor der Zwangsversteigerung seines Hauses daheim verbarrikadiert hatte.

Tags darauf schoss er einem Polizisten ins Gesicht, ehe er die Flucht ergriff. Mehrfach konnte sich der Mann dem Zugriff der Polizei entziehen. In die Kritik geriet die Polizei auch wegen Fahndungspannen; so wurde zunächst ein Bild des toten Vaters des Gesuchten verbreitet.

Eingehende Analyse

Kommandant Blättler versprach, der Grosseinsatz werde nun einer eingehenden Analyse unterzogen, «wie wir das immer tun». Er dankte allen beteiligten Polizeikräften und betonte, der Fahndungserfolg sei ein Ergebnis der «durchdachten Ermittlungsarbeit».

Blättler betonte, die Fahndung sei unter «schwersten Bedingungen» erfolgt. Schliesslich seien die Polizeikräfte selbst im Fokus des Flüchtigen gestanden. Auch der bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser freute sich über das glimpfliche Ende des Dramas; die Polizei habe ihren Auftrag voll und ganz erfüllt.

Biel will Lehren ziehen

Staatsanwalt Peter Bohnenblust zeigte sich beeindruckt von der Polizeiarbeit und sprach von einer sehr guten Kooperation zwischen Polizei und Justiz.

Erleichtert zeigte sich die Bieler Sicherheitsdirektorin Barbara Schwickert. «Es ist ein Schatten weg von Biel», sagte sie. Die Stadtregierung habe eine «umfassende Lageanalyse» beschlossen, um Lehren aus dem Fall zu ziehen.

Den Justiz- und Sozialbehörden war vorgeworfen worden, sie hätten Alarmsignale über den heiklen psychischen Zustand des Mannes jahrelang ignoriert. Bereits wurden Stimmen laut, die Abläufe müssten von unabhängiger Stelle untersucht werden.

Im Lindequartier, dem Wohnviertel des Rentners, kehrte unterdessen Ruhe ein. Anwohner zeigten sich erleichtert über das Ende des Dramas und erklärten, die Polizei habe sehr gute Arbeit geleistet. Die Schulen im Quartier und der Kindergarten werden am Montag wieder geöffnet.

js,vh,sda

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