Bundesasylzentrum: Klare Regeln sollen Akzeptanz schaffen

Lyss

Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP) ist sich sicher: Solange klare Regeln gelten, trägt die Lysser Bevölkerung ein Bundesasylzentrum mit.

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Simone Lippuner

Ab 2025 soll Lyss zum Standort für ein Bundesasylzentrum werden. Erwarten Sie einen Volksaufstand, wie ihn das freiburgische Giffers erlebt hat?Andreas Hegg:Nein. Erstens ist noch nichts definitiv entschieden und zweitens sind die Lysserinnen und Lysser grundsätzlich offen. Da sich bereits ein kantonales Durchgangszentrum bei uns befindet, kennen sie diese Situation schon. Aber es braucht strengere Regeln. Im Durchgangszentrum herrschen aus meiner Sicht zu grosse Freiheiten. Ich bin überzeugt, dass die Lysser Bevölkerung ein Bundeszentrum mitträgt, wenn es dort strikter zu und her geht und klare Regeln gelten. Auch ein wichtiger Punkt: Wir sind mit der Bevölkerung immer in Kontakt, wir schauen und handeln. Bei uns geht es nicht wie in Giffers von null auf hundert.

Wie sieht das Verhältnis der Lysser zu den Asylsuchenden aus? Ich denke, viele Lysser nehmen diese nur wenig wahr. Es ist heute auch wesentlich ruhiger als noch vor einigen Jahren, als die Asylsuchenden mit ihrem Verhalten sehr negativ auf sich aufmerksam machten. Ausser auf der Achse Bahnhof–Aarbergstrasse–Kappelenstrasse sieht man im Dorf heute eher wenig Asylsuchende.

Im Durchgangszentrum leben zurzeit 145 Asylsuchende. Im Bundeszentrum wären es rund 650, zudem würde sich dieses nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt befinden. Aber ein Bundeszentrum wird anders geführt als ein Durchgangszentrum. Die Menschen sind in Beschäftigungsprogrammen, es gibt mehr Regeln, und die Asylsuchenden können sich weniger frei bewegen. Nimmt man noch die rund 100 Arbeitsplätze hinzu, die ein Bundeszentrum der Gemeinde generieren würde, ist das Unterfangen für Lyss eventuell sogar eine Chance.

Hätten Sie ein Problem damit, wenn sich künftig mehr Asylsuchende im Dorf bewegen würden? Wenn da plötzlich mehrere Hundert in den Lysser Läden ein- und ausgehen würden: Ja.

Weshalb? Es kommt natürlich auf das Verhalten der Asylsuchenden an. Aber grundsätzlich könnte es gewisse Ängste und Unsicherheiten in der Bevölkerung auslösen.

Ist ein grösserer, urbaner Ort wie Lyss als Standort für ein Bundesasylzentrum besser geeignet als ein Dorf wie Giffers? Schwierig zu sagen. Aber ich denke, in einem urbanen Ort sind die Menschen eher daran gewöhnt, mit dem Fremden umzugehen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Asylpolitik ganz generell? Es ist eine humanitäre Verpflichtung, anderen Menschen zu helfen. In der Schweiz müssen wir Menschen aufnehmen – doch wirklich nur jene, die dringend auf Hilfe angewiesen sind. Und auch diese Menschen sind und bleiben Gäste in unserem Land, die sich an gewisse Regeln halten müssen. In dieser Hinsicht ist die Schweiz meiner Meinung nach definitiv zu lasch. Bundeszentren gehen aus meiner Sicht in die richtige Richtung. Damit können Entscheide viel rascher gefällt werden und Personen, die kein Anrecht auf Asyl haben, müssen unser Land rascher verlassen.

Haben Sie Angst vor dem, was auf Sie und auf Lyss zukommt? Nein. Aber mich beunruhigen die Bilder im Fernsehen – wenn ich sehe, wie viele Menschen mit dem Schiff über das Meer nach Europa kommen und Hilfe suchen. Wo sollen die denn überall hin? Das macht mir Angst.

Berner Zeitung

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