Biber erweitern grabend ihren Lebensraum

Cressier

An der Bibera lebt eine Biber-Grossfamilie. Die Nager fällen Bäume und graben Gänge. Neu warnt ein Schild davor, dass die Strasse neben dem Bach einbrechen könnte.

Achtung Biber! Das Bild an der Bibera bei Cressier soll die Verkehrsteilnehmer warnen und die Landbesitzer von allfälliger Haftung entbinden.

Achtung Biber! Das Bild an der Bibera bei Cressier soll die Verkehrsteilnehmer warnen und die Landbesitzer von allfälliger Haftung entbinden.

(Bild: Urs baumann)

In den Neunzigerjahren wurde die Bibera im oberen Seebezirk tiefer gelegt. Dem Ufer entlang pflanzte man Bäume und baute ein Landwirtschaftssträsschen – aus heutiger Sicht waren das Fehler. Denn schon bald liessen sich Biber nieder und tun, was sie eben so tun: Sie fällen Bäume, um Rinde und Knospen zu fressen, bauen Dämme, um den Wasserstand zu regulieren, und graben Tunnel, um darin zu schlafen.

Diese Aktivitäten sorgen in Cressier schon seit Jahren für Ärger. Es kam sogar zu einer Anzeige gegen einen Landwirt, der Biberdämme ohne Bewilligung zerstörte, um Überschwemmungen und das Unterspülen des Weges zu verhindern.

Weg zu nah am Bach

Gegen das Überschwemmen und das Unterspülen gäbe es eine Lösung: die Bibera zu verbreitern und den Weg um rund 15 Meter zu verlegen. «So wäre das Problem mit den Bibern gelöst», sagt Christof Angst von der Schweizerischen Biberfachstelle. Er weiss aber auch um den Widerstand der Bauern: Sie wollen für die Biber kein Land abtreten, so wie dies weiter unterhalb des Bachlaufs auf Gemeindegebiet von Ferenbalm geschieht (siehe Box). Zudem gilt für Infrastrukturen die Besitzstandsgarantie.

Das heisst, dass «ein Strässchen ewig bestehen bleiben kann», wie Biberfachmann Angst sagt. So dürfen Bauern weiterhin Biberdämme entfernen, allerdings nur mit Genehmigung des Wildhüters, wie der für Cressier zuständige Elmar Bürgy betont. Er hat 2014 etwa zehn Bewilligungen zum Zerstören von Dämmen erteilt. Er weiss: «Der Weg ist zu nah an der Bibera. Solange das so bleibt, richten die Biber mit ihren Dämmen und Gräben Schaden an.» Er versuche, den Bauern zu erklären, dass Biber sofort wieder Dämme bauen würden – erfolglos.

So hat Bürgy nun dafür gesorgt, dass eingangs des Landwirtschaftsweges entlang der Bibera ein Warnschild angebracht wird (Bild). Dieses soll einerseits die Fahrer landwirtschaftlicher Maschinen davor warnen, dass der Weg unterhöhlt ist und deshalb einbrechen könnte. Andererseits soll das Schild die bäuerlichen Landbesitzer von einer allfälligen Haftungspflicht entbinden, falls sich ein Unfall ereignen würde.

Keine Lösungen

Angesichts des wachsenden Biberbestandes und den damit verbundenen Konflikten hat der Kanton Freiburg letzten Herbst ein Biberkonzept erlassen. Dessen Ziel ist, die menschlichen Aktivitäten und den Schutz der nachtaktiven Nagetiere «mit nachhaltigen Lösungen» in Einklang zu bringen. Von Lösungen ist man in Cressier allerdings noch weit entfernt.

Gescheitert ist ein weiteres Projekt im Grossen Moos, dort, wo die Bibera in den Broyekanal einmündet und ebenfalls eine Biberkolonie lebt. Geplant war, mit einem 55-Millionen-Franken-Hochwasserschutzprojekt die Bibera direkt in den See zu leiten und das Gebiet zu renaturieren. Das wäre auch den Bibern zugutegekommen. So weit kam es aber nicht. Die Versammlung des zuständigen Wasserbauunternehmens Bibera wies das Projekt zurück, weil es zu teuer sei.

Berner Zeitung

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