Berner Jura ohne Stimme im Bundesparlament

Mit Manfred Bühler (SVP) wurde der letzte bernjurassische Nationalrat am Sonntag abgewählt.

Manfred Bühler war der letzte Vertreter des Berner Juras in der Grossen Kammer.

Manfred Bühler war der letzte Vertreter des Berner Juras in der Grossen Kammer.

(Bild: Keystone)

Mit der Abwahl von SVP-Nationalrat Manfred Bühler verliert der Berner Jura seinen einzigen Vertreter im Bundeshaus. Mit ein Grund für die Niederlage ist die mangelnde Mobilisierung in der Region.

Von einer «grossen Enttäuschung» sprach Bühler am Montag gegenüber Radio Jura bernois (RJB). Nun müsse sich die Region bis zum nächsten Wahltermin gedulden. Die Welt im Berner Jura bleibe deshalb nicht stehen, sagte der Abgewählte weiter. Bühler ist Gemeindepräsident von Cortébert und erreichte im Berner Jura ein Spitzenresultat auf der SVP-Liste.

In den deutschsprachigen Verwaltungskreisen fiel der Bernjurassier aber so weit zurück, dass er am Schluss lediglich auf dem neunten Platz landete, noch hinter Grossrat Lars Guggisberg, einem Schwergewicht im Berner Kantonsparlament. Bühler zahlte die Zeche für die Verluste der SVP, die im Kanton Bern nur noch über 7 Sitze verfügt.

Dazu kam eine mangelnde Mobilisierung im Berner Jura. Die Wahlbeteiligung erreichte im französischsprachigen Kantonsteil lediglich 36,8 Prozent, also 10 Prozentpunkte weniger als im Kantonsdurchschnitt. Zum Vergleich: Im bevölkerungsreichen Verwaltungskreis Bern-Mittelland lag die Wahlbeteiligung gar bei 52,3 Prozent.

Im weiteren müssten frankofone Kandidierende auf den Wahllisten vorkumuliert werden, mit dem Ziel, die Minderheit im zweisprachigen Kanton Bern zu stärken. Keine Partei war aber bereit, dieses Privileg zu gewähren.

Nur CVP mit rein frankofoner Liste

Eine andere Lösung wäre regionale Listenverbindungen. Dazu müssten die Beteiligten die Differenzen in der Jurafrage ausblenden. Einzig die CVP lancierte dieses Jahr eine ausschliesslich frankofone Liste. Auf kantonaler Ebene kam diese aber nicht über einen Wähleranteil von 0,5 Prozent hinaus. Im Berner Jura erreichte sie 9,1 Prozent der Stimmen.

Ohne einen frankofonen Vertreter im Bundesparlament dürfte der Berner Jura sowohl im Kanton als auch auf nationaler Ebene noch stärker als Randregion wahrgenommen werden. Auch könnte Bern seine Rolle als Brückenkanton zwischen Deutschschweiz und Romandie verlieren.

Der französischsprachige Teil des Kantons Bern war von 1848 bis 2011 ununterbrochen in der grossen Kammer vertreten. Vor acht Jahren wurde jedoch der amtierende SVP-Nationalrat Jean-Pierre Graber abgewählt. Als erster Ersatzmann rückte er schliesslich 2015 für den vorzeitig zurückgetretenen Berner Oberländer Hansruedi Wandfluh nach.

Im französischsprachigen Kantonsteil leben rund 10 Prozent der Berner Kantonsbevölkerung.

mb/sda

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