Barbara Egger: «Endlich ist Lyss vor Hochwasser sicher»

Lyss

Baudirektorin Barbara Egger (SP) übernahm 2007 das Ruder und trieb den Bau des Lyssbachstollens voran. Die Regierungsrätin freut sich, dass Lyss jetzt sicher ist. Doch der Hochwasserschutz geht weiter.

Barbara Egger-Jenzer trieb den Bau des Lyssbachstollens voran.

Barbara Egger-Jenzer trieb den Bau des Lyssbachstollens voran.

(Bild: Patric Spahni)

Barbara Egger-Jenzer, der Lyssbachstollen ist betriebsbereit. Was bedeutet dieser Tag für Sie?
Auf diesen Tag habe ich mich schon lange gefreut. Denn mit dem Entlastungsstollen sind jetzt endlich alle Menschen, Häuser und Betriebe in Lyss vor Hochwasser sicher.

Fritz Ruchti, Präsident des Lyssbachverbandes, hat Sie in seiner Rede als Engel bezeichnet, der vom Himmel stieg. Dies, weil Sie nach den drei Überschwemmungen vom Sommer 2007 in Lyss das Projekt des Hochwasserstollens vorantrieben.
Damals sah ich die verzweifelten Menschen in Lyss, die dreimal hintereinander vom Unwetter getroffen worden waren. Es war eine eindrückliche und berührende Stimmung. Ich sagte mir: Es kann doch nicht sein, dass es hier nach 15 Jahren Planung noch immer keinen Stollen gibt. Und dies, obwohl es immer wieder Überschwemmungen gegeben hatte.

Also sprachen Sie ein Machtwort?
Ich sagte spontan: ‹So, jetzt bauen wir, der Kanton, den Stollen›. Ich bin froh, dass danach alle zusammenstanden und auf die Lösung hinarbeiteten.

Der Lyssbachstollen wurde also zu einem Projekt des Kantons?
Ja, der Kanton übernahm die Führung. Zum Glück stand uns mit Projektleiter Jörg Bucher ein hervorragender Mitarbeiter zur Verfügung. Und mit Lyss und dem Lyssbachverband arbeiteten wir hervorragend zusammen. Die Basis des Bauwerks hat der Lyssbachverband gelegt. Ohne dessen jahrelange Vorarbeiten wäre der Stollen heute nicht fertig.

Die Gemeinde Schüpfen stellte sich anfangs wegen des Kostenteilers quer. Machten Sie Druck auf die Schüpfener?
Ich habe nie Druck aufgesetzt, aber viele Besprechungen geführt. Ich appellierte an die Solidarität und versuchte die Schüpfener zu überzeugen, dass der Stollen für die ganze Region wichtig sei. Das haben sie dann eingesehen. Heute steht Schüpfen dem Lyssbachstollen positiv gegenüber.

Der Lyssbachstollen ist nun gebaut. Wo arbeitet der Kanton noch an Hochwasserschutz?
Wir haben in Worb begonnen und auch beim Hagneckkanal. Es gibt zudem weitere Projekte. Wir bauen dort Hochwasserschutz, wo es nötig ist. Nicht überall braucht es die gleichen Massnahmen. Am einen Ort muss man zum Beispiel Dämme bauen, an einem andern das Bachbett ausweiten, damit das Gewässer genug Raum erhält.

Braucht es anderswo einen Entlastungsstollen wie in Lyss?
Den letzten haben wir in Grindelwald zur Entwässerung des Gletschersees realisiert. Im Moment ist kein weiterer Stollen in Planung.

Denken Sie, dass der Mensch die zunehmende Macht des Wassers überhaupt bändigen kann?
Ich glaube nicht. Wer das Hochwasser diesen Sommer im Kandertal gesehen hat, musste erkennen: Eine solche Wucht und Gewalt können wir nie beherrschen.

Was kann gegen Zerstörungen getan werden?
Wir müssen versuchen, die Menschen so gut als möglich zu schützen. Aber wir wissen nie, ob es reicht. Es zeichnen sich immer heftigere und schneller eintretende Hochwasser ab. Der Lyssbachstollen ist für die anderthalbfache Menge des Jahrhunderthochwassers vom August 2007 dimensioniert. Wenn noch mehr Wasser fliesst, kann der Stollen nicht alles fassen. Aber trotzdem wären die Folgen nicht mehr so schlimm wie früher ohne den Stollen.

Berner Zeitung

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