Bald ist Filmriss im Kino Royal

Aarberg

Seit den 50er-Jahren haben die Aarberger ihr Landkino. Nun flimmert bald der letzte Streifen über die Leinwand. Die Digitalisierung ist dem Betreiber zu teuer.

Kein Happy End: Der Filmbetrieb im Kino Royal wird schon bald eingestellt.

Kein Happy End: Der Filmbetrieb im Kino Royal wird schon bald eingestellt.

(Bild: Bild: Bieler Tagblatt)

Viele Aarbergerinnen und Aarberger werden es bedauern. Im 164-plätzigen Kino Royal in der Nähe der Aarberger Altstadt gehen wohl schon bald für immer die Lichter aus. Die Liegenschaft an der Murtenstrasse ist derzeit für 890'000 Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Neben dem Kino gehören auch ein Coiffeursalon und eine Wohnung zum Haus. Der Kinobesitzer Walter Loosli bestätigt die Information des Onlineportals Aarberger.ch. «Mir fehlt schlicht das Geld, um das Kino weiterzuführen», sagt Loosli. Sobald er einen Verkäufer für das Wohn- und Geschäftsgebäude gefunden habe, werde er den Filmbetrieb einstellen, so Loosli. «Vielleicht wird dies schon in ein paar Wochen der Fall sein. Spätestens aber vor den Sommerferien höre ich auf.»

Um gegenüber grösseren Kinos in der Region konkurrenzfähig zu bleiben, müsste Loosli dringend auf die digitale Technologie umsatteln. Denn der grösste Teil der Filme kommt heute in höherer Auflösung, schärferen Bildern und 3-D-Animation in die Kinos. Nur noch selten gibt es Filme als 35-Millimeter-Kopien, wie sie im Royal noch verwendet werden. Deshalb bräuchte Loosli einen digitalen Projektor. Kostenpunkt: zwischen 100'000 und 150'000 Franken. Geld, das er nicht hat.

Deutlich weniger Besucher

2005 kaufte er das Kino in Aarberg. Er sanierte es, inklusive Wohnung und Coiffeursalon, für eine halbe Million Franken. Zwar habe man schon damals von einer digitalen Zeit des Kinos geredet. Keiner habe aber damit gerechnet, dass diese neue Ära so schnell anbrechen würde, sagt er. Das Jahr 2006 sei dann ein regelrechtes Traumkinojahr gewesen. 20'000 Besucher zählte er damals über das ganze Jahre verteilt. Doch dann kamen härtere Zeiten. Im vergangenen Jahr zählte er gerade noch 6000 Besucher. «Das reicht einfach nicht. Es müssten mindestens doppelt so viele sein», so Loosli bedauernd. Derzeit müsse er jeden Monat finanziell drauflegen.

Als 2009 das Westside in Bern mit integriertem Multiplexkino seine Tore öffnete, bekam dies das Royal in Aarberg deutlich zu spüren. Ab diesem Zeitpunkt seien die Kinobesuche stark zurückgegangen, erinnert sich Loosli.

In Lyss die Wende geschafft

Ein anderer Kinobetreiber ist Manuel Zach. Ihm gehört die Kinokette Cinergie mit sechs kleinen Kinos in der weiteren Region. Hierzu gehört auch das Kino Apollo in Lyss. Seit Zach im Apollo die Kinotechnik digitalisiert hat, läuft es wieder besser. 15'000 Besucher zählte er im letzten Jahr in seinem 161-plätzigen Saal. «Wir können nun auch 3-D-Filme zeigen. Zudem ist die Qualität besser», so Zach, der jetzt auch mit grösseren Kinos mithalten kann. Etwa mit dem Westside, das wie das Apollo viele Mainstream-Filme zeigt.

Bezahlt hat er den digitalen Projektor aus der eigenen Tasche. Für Subventionen vom Bundesamt für Kultur ist das Kino Apollo zu wenig kulturell. Trotzdem: Auch Zach hielt dem Druck der Digitalisierung nicht in all seinen Kinos stand. So wird er Mitte dieses Jahres das Kino in Worb schliessen müssen.

Berner Zeitung

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