Steht bald ein Erdgas-Bohrturm in Ruppoldsried?

Ruppoldsried

Nachdem die Pläne in Hermrigen begraben worden sind, soll nun in Ruppoldsried nach Erdgas gebohrt werden. Die Bevölkerung erfuhr es am Dienstag mittels eines Flugblatts.

In Ruppoldsried soll schon bald ein Bohrturm nach Erdgas bohren (Symbolbild).<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

In Ruppoldsried soll schon bald ein Bohrturm nach Erdgas bohren (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Ein überraschendes Schreiben flatterte am Dienstag in die Briefkästen von Rapperswil. Die Firma Seag, Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl, informierte, dass sie im Ortsteil Ruppoldsried nach Erdgas bohren wolle. Das Vorhaben, in Hermrigen zu bohren, ist vor einigen Wochen abgebrochen worden.

Der neue Bohrplatz soll ausserhalb von Ruppoldsried an der Hauptstrasse nach Messen zu liegen kommen, in der Nähe der Hühnerzucht von Werner Ritz, wenige Meter neben der Kantonsgrenze. Bereits 1977 war dort gebohrt worden. Damals suchten die Verantwortlichen jedoch eine Gesteinsschicht zum Einlagern von Gas – ohne Erfolg.

«Wir waren überrascht», sagte Gemeindepräsidentin Christine Jakob (SVP) gestern zur Absicht der Seag. Der Gemeinderat sei im März über die geplante Bohrung informiert worden. «Wir haben dies zur Kenntnis genommen, diskutiert wurde es im Rat noch nicht.» Die Seag verspricht, die Bevölkerung an einem Anlass zu informieren.

Enges Bohrloch

2012/2013 führte ein Konsortium, darunter die Seag, zur Suche nach Erdgas seismische Untersuchungen durch. Bei den Erschütterungstests kristallisierten sich vier Standorte im Waadtland und einer in Ruppoldsried heraus. Dort soll in den nächsten anderthalb Jahren gebohrt werden. Als Bohrgerät wird erstmals in der Schweiz ein sogenanntes Slim-Holm-Gerät eingesetzt.

Mit diesem sind senkrechte Tiefenbohrungen bis rund 3500 Meter mit kleinerem Durchmesser möglich. Vorteile: Es geht schneller, braucht weniger Platz, benötigt weniger Wasser, und es fällt weniger Abwasser an. Dazu ist das Verfahren günstiger; im Fall von Ruppoldsried wird mit Gesamtkosten von 5 Millionen Franken gerechnet. Das Verfahren hat aber auch Nachteile, wie Patrick Lahusen, Verwaltungsratsvizepräsident der Seag, sagt: «Wird Gas gefunden, kann es nicht aus dem Bohrloch heraus produziert werden.» Vielmehr muss eine neue Bohrung für die Gasproduktion durchgeführt werden – mit allen erneuten Gesuchen.

Konventionell oder Fracking?

Laut Lahusen kann die Seag den Bohrturm Anfang 2015 benützen. Die Waadtländer Bohrungen und diejenige in Ruppoldsried werden nacheinander durchgeführt – je nach Planungsfortschritt. Die Seag rechnet pro Bohrplatz mit einer Bohrzeit von drei Monaten. Gearbeitet wird im 24-Stunden-Betrieb. Vor der Bohrung wird die Infrastruktur erstellt, es muss ein Bohrplatz von 90 mal 90 Meter gebaut werden. Lahusen: «Zusammen mit dem Bau des Platzes und der Renaturierung nach der Bohrung dauert es sechs bis acht Monate.»

Was geschieht, wenn Erdgas vorhanden ist? Dann werde zuerst abgeklärt, ob ein Abbau kommerziell vertretbar sei, so Lahusen. Wenn ja, wird eine neue, grössere Anlage geplant, womit das Gas abgebaut werden kann. «Wir gehen davon aus, dass wir dann, wie bei der Probebohrung, senkrecht bohren können», sagt er. Sollte sich das Gas aber in dünnen Gesteinsschichten befinden, müsste horizontal gebohrt und das Gas mit Wasserdruck ausgepresst werden. Dieses – umstrittene – Verfahren heisst Fracking.

Die Seag beantragt nun beim Kanton eine Erschliessungsbewilligung für eine senkrechte Bohrung. Ins Verfahren ist die Gemeinde Rapperswil einbezogen. Gemeindepräsidentin Christine Jakob steht dem Vorhaben positiv gegenüber: «Ich denke, die Fachleute wissen, was sie machen.»

Berner Zeitung

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