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Schweizer Konten für Geld aus Organhandel?

kosovoLaut Quellen in Serbien liefen Gelder aus dem mutmasslichen Drogen- und Organhandel der kosovarischen Rebellen über Schweizer Konten. Nationalrätin Christa Markwalder verlangt nun Aufklärung.

Die Schweiz wusste laut Europaratsermittler Dick Marty bereits vor Jahren um die mutmasslichen Verstrickungen des kosovarischen Premiers Hashim Thaci in den Drogen- und Organhandel. Gegen Thaci sei während einer gewissen Zeit offenbar eine Einreisesperre verhängt worden, sagte Marty der «NZZ am Sonntag». Das tue man nicht, wenn es sich um absolut ehrenhafte Personen handeln würde, so der Tessiner FDP-Ständerat. Marty wirft der internationalen Staatengemeinschaft in seinem Bericht vor, sie habe von den Verbrechen im Umfeld der kosovarischen Führung gewusst, aber aus politischen Gründen nichts dagegen unternommen. 2002 Visum verweigert Das Bundesamt für Migration und die Bundespolizei Fedpol wollten sich aus Datenschutzgründen nicht zu allfälligen Einreisesperren äussern. Das Aussendepartement bestätigte aber, dass 2002 Thaci, der zu dieser Zeit Vorsitzender der UCK-Nachfolgepartei PDK war, ein Einreisevisum verweigert worden war. Thaci sei wegen seiner Tätigkeit für den Unabhängigkeitskampf Kosovos eine bekannte politische Persönlichkeit gewesen, was ihm die Verfolgung durch «einen anderen Staat» eingebracht habe. Deshalb habe man entschieden, ihm kein Visum auszustellen, so das EDA. Dies lässt darauf schliessen, dass die Behörden Thaci nicht hier haben wollten, weil Serbien ihn wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen suchte. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey informierte die Aussenpolitische Kommission (APK) des Nationalrats 2008 bei den Diskussionen um die Anerkennung des Staates Kosovo nicht über das Einreiseverbot, wie der damalige APK-Präsident Geri Müller (Grüne) sagt. «Allerdings war bekannt, dass gegen mehrere Mitglieder der kosovarischen Führung Anklageverfahren hängig waren», sagte Müller. Es sei klar gewesen, dass man einen Staat anerkenne, von dem man nicht genau wisse, was seine politischen Exponenten im Krieg gemacht hätten. Müller war anders als die Mehrheit der APK und des Bundesrats gegen die Anerkennung Kosovos. Bankkonten in der Schweiz? Viele kosovarische Rebellen hatten in den 90er-Jahren in der Schweiz gelebt. Thaci selbst war Student in Zürich. Die Schweiz war für die UCK wichtig: Von hier aus wurden Kämpfer rekrutiert und der Widerstand finanziert. Marty geht davon aus, dass das mutmassliche Mafianetzwerk um Thaci die Kontrolle über Gelder an sich riss, die die UCK ursprünglich für den Befreiungskampf von der kosovarischen Diaspora erhalten hatte. Diese Gelder seien unter anderem auf Konten in der Schweiz und Deutschland gelagert worden. Auch Serbiens Staatsanwaltschaft soll laut einem Zeitungsbericht Konten in der Schweiz und anderen Ländern ausgemacht haben, auf denen Geld aus dem Organhandel in Kosovo und in Albanien gelagert wurde. Die heutige APK-Präsidentin, die Berner Nationalrätin Christa Markwalder (FDP), will Klarheit über die Vorwürfe: «Sollte sich der Verdacht erhärten, muss die Bundesanwaltschaft aktiv werden.» sda>

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