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Schulzimmer ohne Computer

Wie haben die Lehrer ihre Schülerinnen und Schüler unterrichtet, als es noch keine Computer gab?

Die einzige Konstante auf dieser Welt ist die Veränderung, lautet ein bekanntes Sprichwort. «Auch das Oberdorf von Wattenwil befindet sich in einem Wandel», sagt Toni Bähler vom Stiftungsrat der Alfred und Cécile Zimmermann-Stiftung, der Trägerin des Wattenwiler Ortsmuseums. «Das Alte Dorfschulhaus, in dessen Dachstock das Museum untergebracht ist, wird zurzeit für die Gemeindeverwaltung umgebaut. Da war es nahe liegend, die Schule zum Thema der neuen Ausstellung zu machen.» Es gab weniger Ablenkung Für die jüngeren Besucher wird der Besuch der Ausstellung «Alte Schule» zu einem Aha-Erlebnis: Der Computer gewohnte Teen oder Twen entdeckt mit Staunen, wie seine Vorfahren unterrichtet wurden. Das beginnt ganz banal bei der Möblierung der Schulstube: Die Holz-Pulte mit ihren geneigten Arbeitsflächen waren funktional, ohne überflüssigen Firlefanz und vergleichsweise klein, die Bänke erbarmungslos hart. Doch der Ausbildungsqualität scheint dies nicht hinderlich gewesen zu sein. Wer in den zum Teil mehrere Jahrzehnte alten Aufsatzheften schmökert, die im Ortsmuseum aufliegen, staunt über die schöne Schrift, die viele Schüler von anno dazumal hatten. Auch alte Schülerzeichnungen überraschen durch hohe Kunstfertigkeit. «Ich bin überzeugt, dass sich die Kinder früher viel besser konzentrieren konnten, weil sie noch nicht so stark abgelenkt waren durch die verschiedenen Medien, die wir heute haben», sagt Toni Bähler. Wo ist Polen? Die Ausstellungsmacher des Stiftungsrates haben erstaunlich viele alte Lehrmittel zusammengetragen. Ein Teil kommt von mittlerweile betagten Einwohnern, die sich in all den Jahren nicht von den Erinnerungen an die «schönste Zeit des Lebens» trennen mochten. Anderes stammt aus dem Fundus der Schule Wattenwil. Darunter sind auch Kuriositäten wie die Weltkarte von 1939, die damals mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Bundesrates in den Schulstuben aufgehängt wurde. Polen und Österreich sucht man auf dieser Karte vergebens Von Schlachten bis Drogen Den grössten Teil der Ausstellung nehmen Schulwandbilder aus den Jahren 1936 bis 1995 ein. Und in diesem Bereich dürften bei den älteren Besuchern nostalgische Gefühle aufkommen – gute und weniger gute. Denn diese Schulwandbilder dienten nicht nur als Diskussionsgrundlage, sondern waren auch ein beliebtes Mittel in der Aufsatzstunde. Der Lehrer hängte ein Bild auf, sagte zu seinen Schülern «Schreibt darüber mindestens eine Seite» und hatte für den Rest der Stunde seine Ruhe. Auf diesen Bildern zeigt sich der Wandel, den die Gesellschaft in all den Jahren durchmachte. Zu Beginn dominierten patriotische Motive und blutige Schlachten, später kamen Heile-Welt-Bilder mit Bauern auf dem Feld und Rehen im Wald hinzu. Auf späteren Schulwandbildern wurden aktuelle gesellschaftliche Probleme aufgenommen, beispielsweise das Wiederverwerten von Abfall oder die Drogensucht. Bei vielen der ausgestellten Schulwandbilder hängen Original-Büchlein mit Informationen über das Werk und dessen spezifischen Hintergrund. Mit diesem Wissen konnten sich Lehrer vor der Klasse als allwissend präsentieren, während sich ihre Schüler alles mühsam aus den Fingern saugen mussten. Marc Imboden Öffnungszeiten: Jeweils am Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Dauer der Ausstellung im Ortsmuseum Wattenwil: bis Ostern 2011.>

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