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Schulhaus, Hochhäuser und drei Planungsleichen

Serie zum Tram Bern-West: An der Haltestelle Höhe stehen noch Häuser, welche die Stadt vor fast 40 Jahren abreissen wollte.

Die Klingel des Schulhauses ist an der Haltestelle Höhe in Bümpliz deutlich zu hören. Wer am Mittag dort aussteigt, sieht, wie die Schülerinnen und Schüler jauchzend aus dem alten Schulhaus stürmen und sich auf ihr Mittagessen freuen. Allerdings benutzen die 1.- bis 6.-Klässler in der Regel nicht den Bus oder das Tram, um zur Schule zu kommen. Die meisten wohnen in der unmittelbaren Umgebung. Eine Gruppe Zweitklässler schreitet nach der Schule vorbildlich – mit kritischem Blick nach links und rechts – über den Fussgängerstreifen. Sie haben einen gemeinsamen Schulweg und wohnen in einem der 19-stöckigen, markanten, beigen Hochhäuser, die heute das Bild an der Haltestelle Höhe prägen. Neben den Hochhäusern und dem alten Schulhaus fallen direkt bei der Haltestelle Höhe drei alte Gebäude auf, die einen – mit Verlaub – etwas verwahrlosten Eindruck machen. Eine Hauswand reicht fast bis auf die Strasse. Grosse weisse Buchstaben verkünden, dass hier einmal ein Occasionmarkt zu Hause war. Dass dieser Markt aber längst Vergangenheit ist, lässt sich auch an der sechsstelligen Telefonnummer ablesen, die in weissen Ziffern an der Hauswand steht. Daneben irritiert den Passanten ein weiteres Schild aus alten Tagen: «Carrosserie & Wagnerei». Früher arbeiteten hier eine Carrosserie und eine Wagnerei Hand in Hand. Der Wagner fertigte Holzsprossen, zum Beispiel für einen Lieferwagen, und der Carrossier kümmerte sich um den Metallmantel. Aber wie kommt es, dass an diesen Häusern seit Jahren nichts mehr verändert wurde? Die Antwort ist einfach: Eigentlich sollten sie schon vor Jahrzehnten abgerissen und durch eine Strasse ersetzt werden. Sie stehen im Planungsperimeter für die Verlängerung der Schwabstrasse. Diese Verlängerung sollte das Schwabgut direkt mit der Bernstrasse verbinden. Deshalb hat die Stadt Bern die drei Häuser im Jahr 1973 gekauft. Danach gab es aber heftige Opposition gegen die Strassenverlängerung. Bis heute wurde sie nicht realisiert. Die Liegenschaften sind jetzt vermietet. Teils als Wohnungen, aber auch als Werkstatt, Lager oder Garagen. Konkrete Zukunftspläne für diese Immobilien hat die Stadt zurzeit nicht. Die Haltestelle Höhe gibt es seit 1948. Zwar fahren Busse seit 1924 nach Bümpliz, die Zweiglinie nach Bethlehem wurde aber erst im Mai 1948 befahren. Die Klingel des Schulhauses war aber schon damals zu hören. Das Schulhaus steht nämlich seit 1903.Ralph Heiniger>

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