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Schreiben in der Zurückgezogenheit

Bekannt wurde Heidi

Zwischen Schnee und Steinen wachsen vor der gläsernen Küchentür dunkelgrüne Christrosenblätter. Ein steinerner Engel blickt in die Weite. Neben ihm steht ein rotes Windlicht. «Das ist ein Grab», sagt Heidi Zuber. «Hier liegen mein Mann, unser Sohn, die Tochter und die Schwiegermutter.» Fast nüchtern klingt die Stimme der 68-jährigen Frau mit den langen weissen Haaren, und doch ahnt man ihren Schmerz. Immerhin: Eine Tochter und ein Sohn sind ihr geblieben. Er lebt neben ihr im alten Waldheim in den Ostermundiger Steinbrüchen. Sie selber zog mit ihrem kranken Mann in den rollstuhlgängigen Anbau. Peter Zuber starb 1999 nach langer Krankheit. Heute teilt Heidi Zuber das Häuschen mit ihrer Hündin Dahlia. Flüchtlinge versteckt Im Waldheim hat das Ehepaar Zuber oft Patienten gepflegt. Bis über die Grenzen hinaus bekannt wurden Zubers aber, weil sie Flüchtlinge versteckten. «1984, als die Tamilen aus Sri Lanka flüchteten und in der Schweiz den Wegweisungsbefehl erhielten, brachten wir einige hundert in der ganzen Schweiz unter», erinnert sich Heidi Zuber. Schalk blitzt in ihren Augen, wenn sie davon erzählt, wie der Bundesrat nachgab und die Tamilen aus ihren Verstecken kommen und in der Schweiz bleiben konnten. Obschon sie und ihr Mann deshalb mit zahlreichen Anfeindungen leben mussten, zieht Heidi Zuber versöhnlich Bilanz: «Es war ein grosser Erfolg.» Während Jahren sei sie meist für andere da gewesen. «Eine lebhafte Zeit.» Heute liebe sie die Ruhe und habe nur selten Besuch. «Ich lese, ruhe, gehe mit dem Hund spazieren und versuche vor allem, an mir selber zu arbeiten.» Mit ihrem Mann ist sie viel gereist. «Wir waren in Paris, in Venedig oder am Meer. Heute bin ich gern hier in der Stille.» Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Schwerkranke haben Zuflucht im Waldheim gefunden. 1987 gründete Heidi Zuber die Berner Vereinigung für die Begleitung Schwerkranker. Dabei blieb es nicht. Sie packte auch selber an: Nebst der Mitarbeit in der Arztpraxis ihres Mannes pflegte sie zu Hause einen schwer kranken Menschen, der sonst nirgends Unterschlupf gefunden hätte. Heute hat Heidi Zuber Zeit, und das geniesst sie. Immer wieder inspiriert sie etwas dazu, eine Geschichte zu schreiben. Ein Gedanke, eine Begegnung, ein Duft. Nicht nur Trauriges In den 1980er-Jahren habe sie angefangen, Tagebuch zu schreiben. Daraus wurden später Geschichten, meist sehr persönliche, immer in Mundart verfasst. Publiziert wurden sie bis jetzt in kirchlichen Zeitschriften. «Soll ich etwas vorlesen?», fragt Heidi Zuber und greift nach einem Stapel Blätter. Am Küchentisch liest sie «E bsunderi Heifahrt», die Erinnerung an den Tag, an dem sie die Asche ihres Ehemannes abholte (siehe Kasten). Heidi Zubers Stimme klingt etwas rau. Zum Schluss lacht sie ein bisschen, betont, dass sie etwa nicht nur Trauriges schreibe. «Aber meist Tiefgründiges.» Es wird still in der Küche. Die Bise zaust an den Christrosenblättern vor der Glastüre. Wunderbar sei sie doch, diese Schöpfung, sagt Heidi Zuber dann. «Obschon es den Weltfrieden immer noch nicht gibt.» Laura Fehlmann >

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