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Schlechte Noten für die Basisstufe

VolksschuleBerner Gemeinden sollen die Basisstufe freiwillig einführen können. Das neue Modell koste viel und bringe wenig, sagt SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler. Zum Schluss, dass der Nutzen eher gering ist, kommt auch eine Studie der Uni Zürich.

In Köniz sollen alle Kindergärteler den Unterricht gemeinsam mit den Erst- und Zweitklässlern besuchen. Das zumindest möchte Bildungsvorsteher Ueli Studer (SVP). Er ist von der Basisstufe, wie das neue Schulmodell (siehe Box) im Fachjargon heisst, begeistert. «Die Basisstufe verbessert Chancengleichheit und Sprachkompetenz», sagt er. Dem widerspricht seine Parteikollegin Grossrätin Sabina Geissbühler (Herrenschwanden): Sie wehrt sich gegen die Einführung der Basisstufe, weil diese bei zu wenig Nutzen zu teuer sei. «Mit dem vorliegenden Schlussbericht zu den Basisstufenversuchen liegen die Fakten auf dem Tisch: Die Kinder erzielten keine besseren Resultate», so Geissbühler. «Jetzt müssen die Konsequenzen gezogen und die Reform abgebrochen werden.» Für Bildungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) war der Schulversuch im Kanton Bern dagegen ein Erfolg. «Wir haben die Ziele, den Kindern pädagogische Kontinuität zu bieten und ihrem Entwicklungsstand gerecht zu werden, erreicht.» Die schulischen Leistungen hätten dabei nicht gelitten. Pulver will das neue Modell einführen, allerdings nicht flächendeckend. Vielmehr soll es den Gemeinden überlassen sein, ob sie die Basisstufe an ihren Schulen wollen. Der Kanton rechnet mit jährlich 20 bis 40 neuen Basisstufenklassen und zusätzlichen Kosten von 800000 Franken. «Basisstufe überschätzt» Weniger gute Noten erhält das neue Modell von der Wissenschaft. Etwa vom Institut für Bildungsevaluation der Uni Zürich. Dieses erstellte zum Schulversuch im Auftrag der Erziehungsdirektorenkonferenz Ost eine Studie zu den Lernfortschritten der Kinder bis zum Ende der 3.Klasse. Das ernüchternde Fazit: Die Basisstufe ist nicht schlechter als das heutige Modell, aber auch nicht besser. «Die Basisstufe gleicht die Unterschiede zwischen stärkeren und schwächeren Kindern nicht aus», sagt Co-Autorin Nicole Bayer. Urs Moser, Geschäftsführer des Instituts und Co-Autor der Studie, räumte in einem Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung» ein, dass die Reform überschätzt worden sei. Es sei naiv, zu glauben, dank der Altersdurchmischung werde alles besser: «Schüler lernen aufgrund passender Lerngelegenheiten, und diese sind nicht an eine Methode oder an ein Modell gebunden.» Zwar fördere die Basisstufe Lesen, Schreiben und Mathematik früher als das herkömmliche Modell. Nachhaltig sei der Effekt jedoch nicht. Dies wohl auch, so die Autoren, weil ab der 3.Primarklasse wieder der normale Lehrplan gelte. «Kleinklassen sind besser» Der Vorteil der Basisstufe besteht laut Moser vor allem darin, dass Einschulungsklassen überflüssig würden. Zudem verhindere die Basisstufe, dass schwächeren Kindern schon früh der Stempel «Sonderklasse» aufgedrückt werde. SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler bezweifelt, dass dieses Modell die Stigmatisierung schwächerer Kinder verhindert. «Diese Kinder merken auch in altersdurchmischten Klassen, wenn sie nicht mithalten können.» Die Primar- und Sportlehrerin ist überzeugt davon, dass solche Kinder am besten in den bisherigen Kleinklassen gefördert werden können. Schützenhilfe erhält sie vom Zürcher Sonderpädagogen Riccardo Bonfranchi. «In Kleinklassen können sich die Kinder aneinander orientieren und auch Erfolgserlebnisse haben.» Die Basisstufe sei dagegen Augenwischerei: «Die Schwächeren spüren, dass sie nicht mithalten können, und verlieren so an Selbstwertgefühl.» Und definitiv den Anschluss, wenn in der 3., 4. und 5.Klasse der selektive Aspekt der Primarschule zum Tragen komme, sagt Bonfranchi. «Je später die Kinder umplatziert werden, desto mehr nehmen sie dies als Scheitern wahr und desto mehr leiden sie darunter.» Andrea Sommer>

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