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«Rumoren» in Frauenvereinen

Es kriselt zwischen einigen Frauenvereinen im Kanton Bern und dem Dachverband Schweizerischer Gemeinnütziger Frauen. Dass dessen Präsidentin nach nur einem Jahr demissioniert hat, macht die Sache nicht besser.

Es war ein normaler demokratischer Entscheid: 2004 hat der Dachverband Schweizerischer Gemeinnütziger Frauen (SGF) an der Generalversammlung beschlossen, den Mitgliederbeitrag um 70 Rappen auf Fr.2.50 zu erhöhen. Bei einigen Frauenvereinen hat das Unmut ausgelöst, vor allem im Kanton Bern. Ein Argument, mit dem damals für die Erhöhung geworben wurde, ist bis heute nicht vergessen: Die Frauen des Zentralvorstands hatten erklärt, sie könnten halt jeweils nicht in Jeans ihre Projekte vertreten, sondern müssten ihre Garderobe mit Deuxpièces ausstatten. Geldsorgen in Sektionen Das stiess Vorstandsmitgliedern in ländlichen Sektionen sauer auf. «Die Vereine haben selber immer mehr Mühe, zu Geld zu kommen», erklärt Marlis Siegenthaler, Präsidentin des Bern-Freiburg-Zusammenschlusses. Hätten sie früher mit einem Weihnachtsbasar locker 8000 Franken eingenommen, brächten Frauenvereine heute noch etwa 3000 Franken zusammen. Auf der Suche nach Sparpotenzial fragen sich nun die einen oder andern, was ihnen die Mitgliedschaft im Dachverein überhaupt bringt. So etwa der Frauenverein Konolfingen: Der Vorstand will der Hauptversammlung den Austritt beantragen. «Alles, was wir an Beratung und Unterstützung brauchen, bekommen wir vom Kantonalverband», sagt Präsidentin Theres Graf. Vom SGF hätten die Konolfinger Frauen eigentlich nichts, er sei mit seinen Aktivitäten zu stark zürichorientiert und «zu weit weg». Da gebe man das Geld lieber anders aus, sagt Theres Graf und denkt etwa an die Sitzbänke, die vom Frauenverein Konolfingen angeschafft und bei der Kirche aufgestellt worden sind. Aussprache geplant Marlis Siegenthaler mag nicht von einem grossen «Rumoren» im Kanton Bern sprechen. Von rund 124 Sektionen in ihrem Gebiet seien ihr nur gut ein halbes Dutzend Austritte bekannt. Aber sie weiss: «Die Sektionen werden kritisch, wenn es ihnen ans Portemonnaie geht.» Diese Tendenz trübte offenbar das Verhältnis zwischen dem Zentralvorstand und dem Berner Kantonalverband. Deshalb war Marlis Siegenthalers Hoffnung gross, als letzten Sommer Yvonne Zölly aus Neerach ZH als neue Zentralpräsidentin im SGF das Ruder übernahm. Tatsächlich wurde eine Aussprache ins Auge gefasst. «Ich habe eine sehr nette Beziehung zu Marlis Siegenthaler», sagt Yvonne Zölly und ist überzeugt: «Jetzt wird es besser.» Man werde versuchen, den nicht recht definierbaren «Knoten» zu lösen. Wechsel nach einem Jahr Aber jetzt gibt es eine neue Ausgangslage, die Marlis Siegenthaler in ihrer Vermutung bestätigt, dass irgendwo im Zentralvorstand der Wurm drinsteckt: Yvonne Zölly tritt auf die Generalversammlung hin zurück. Nach nur einem Jahr gibt sie im Juni das Präsidium wieder ab. Gab es Probleme im Vorstand? Hat man Yvonne Zölly seinerzeit nicht reinen Wein eingeschenkt in Bezug auf die Arbeitsbelastung? Zölly verneint und nennt andere Gründe für ihre Demission: Die einstige Credit-Suisse-Direktorin führt mit ihrem Mann einen 70-Hektaren-Bauernbetrieb und hat nebenbei eine Hundeschule eröffnet. Die Nachfrage nach Kursen sei derart «blitzartig» in die Höhe geschossen, sodass sie die verschiedenen Aufgaben nicht mehr unter einen Hut bringe und sich schweren Herzens entschlossen habe, das SGF-Präsidium abzugeben, erklärt Zölly. Von Problemen im Zentralvorstand will sie nichts wissen. Auch bezweifelt sie, dass Mitgliederbeiträge für Sektionsaustritte ausschlaggebend waren. Sie spricht von «einigen» Kündigungen, macht für diese aber Fusionen und die allgemeine Überalterung in den Sektionen verantwortlich. Neuer Stein des Anstosses Auf der Suche nach einer neuen Zentralpräsidentin beschreitet der SGF neue Wege: Er hat das Ehrenamt öffentlich ausgeschrieben. Yvonne Zölly weiss: «Es wird schwierig sein, eine Frau zu finden, die bereit ist, die anspruchsvolle Arbeit ohne Entgelt zu übernehmen.» Immerhin gehe es darum, ein Unternehmen zu führen. Der Zeitaufwand wird im Stelleninserat mit 20 bis 30 Prozent beziffert. Das stösst in Bern erneut auf Kritik: Marlis Siegenthaler bezweifelt, dass dies reichen wird. Zölly beruhigt: Gegenwärtig sei man daran, «das Gesicht des SGF auf die Zukunft auszurichten». Dabei werde auch das Aufgabenpaket der Präsidentin neu geschnürt, sodass es den 20 bis 30 Prozent entsprechen werde. In diesem Fall jedoch findet es Marlis Siegenthaler wiederum unverhältnismässig, der neuen Stelleninhaberin gleich ein 1.-Klasse-GA anzubieten, wie es im Stelleninserat angepriesen wird. – Neue Diskussionen sind wohl vorprogrammiert. Susanne Graf >

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