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Retterin bezahlt mit dem Leben

Bei einem Brand in Gümligen kam gestern ein älteres Ehepaar ums Leben. Kurz vor ihrem Tod gelang es der Grossmutter, ihren

«Das Haus sah so aus, als sei es von einem Feuerkranz umgeben», berichtet Werner Althaus, der nur wenige Meter neben der brennenden Liegenschaft am Dammweg in Gümligen zu Hause ist. Im Einfamilienhaus befanden sich gestern Morgen eine 75-jährige Grossmutter, der 76-jährige Grossvater und ihr zweijähriger Enkel, der bei den beiden zu Besuch war. Auch eine etwa 90-jährige Verwandte lebte im selben Haus. Die Bewohner wurden vom Feuer, das offenbar kurz vor 8 Uhr im Keller ausgebrochen ist, überrascht. Nachbarn sagten, es hätte einige Male laut gekracht. Dann stand das Haus binnen Minuten in Vollbrand. Die Grosseltern kamen in den Flammen ums Leben. Die Tante und der Knabe konnten gerettet werden. Ins Leben gestossen Noch bevor die Feuerwehr eintraf, wollten die Nachbarn dem älteren Ehepaar helfen. Mehrere stehen vor dem Haus, weil ihnen aber die Flammen bereits aus der Haustüre und den Fenstern entgegenpeitschen, betritt keiner das Haus. Die Nachbarn können das ältere Ehepaar im Innern vor lauter Flammen und Rauch kaum erkennen. «Wir haben gerufen, sie solle uns das Kind geben», sagte ein Nachbar, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Mit letzter Kraft gelingt es der Grossmutter – trotz einer Gehbehinderung – ihren Enkel aus dem Fenster im Hochparterre zu stossen. «Es hatte so viel Rauch, dass ich gar nicht erkennen konnte, wer das Kind hält», sagte der Nachbar, der den kleinen Jungen in seinen Armen in Sicherheit brachte. Das Kind trug noch den Pyjama und habe laut geschrien, als es aus dem brennenden Haus gerettet wurde. In Sicherheit hatte sich der Kleine aber schnell wieder beruhigt. Der Zweijährige musste mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht werden. Er konnte das Spital aber noch am Vormittag wieder verlassen und ist wieder bei seiner Mutter. Die beiden werden vom Careteam des Kantons Bern betreut. Etwa um 8.05 Uhr traf die Feuerwehr Allmendingen-Muri-Gümligen am Dammweg ein. Den rund 35 Einsatzkräften bietet sich ein grausiges Bild. Wie ein Feuerwehrmann berichtete, lag der Grossvater regungslos auf der Treppe vor dem Eingang. Die Sanitätspolizei versuchte noch vor Ort, den 76-Jährigen zu reanimieren. Erfolglos. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Gelähmt und gehbehindert Der Atemschutztrupp der Feuerwehr kämpfte sich mühsam in das brennende Gebäude. In solchen Fällen durchkämmt die Feuerwehr jeweils Zimmer für Zimmer. Im zweiten Raum, dort wo das Kind ins Freie gestossen wurde, fanden die Feuerwehrleute die Grossmutter. Auch sie war tot. Nur die ältere Verwandte konnte sich aus eigener Kraft aus dem brennenden Haus retten. Sie wird von Nachbarn betreut. «Es waren so liebe Menschen», sagt Werner Althaus, dessen Garten an den des verstorbenen Ehepaars grenzt. Der stattliche Mann ist vom Tod seiner Nachbarn sichtbar schockiert. Er kannte sie seit 30 Jahren, ihre Kinder sind gemein-sam aufgewachsen, sagt er. Der Grossvater war nach einem Schlaganfall einseitig gelähmt. Manchmal halfen Nachbarn, wenn der Grossvater nicht mehr aufstehen konnte. Die Grosseltern passten mehrere Tage die Woche auf ihren Enkel auf. «Wenigstens konnte der Junge gerettet werden. Der Enkel war ihr Ein und Alles», so Althaus. Ursache unbekannt Die Höhe des Sachschadens und die Brandursache sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich muss das Haus abgerissen werden. Gemäss dem Brandverlauf muss der Brandherd im Keller liegen. In seiner Freizeit arbeitete der Grossvater, ein Schreinermeister, oft in der Werkstatt im Keller. Er widmete sich auch der Seidenmalerei. Farben und Seide könnten den Brand beschleunigt haben. Ralph Heiniger >

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