Langes Warten auf den Wärmeverbund

Hinterkappelen

Mit dem Wärmeverbund in Hinterkappelen geht es langsam vorwärts. Kritiker haben eine eigene Lösung gewählt.

An der Heizzentrale in Hinterkappelen wird gebaut (Archivbild).

An der Heizzentrale in Hinterkappelen wird gebaut (Archivbild).

(Bild: Andreas Blatter)

Hans Ulrich Schaad

Die Ampel steht auf Rot. Wer im westlichen Kappelenring mit dem Fahrzeug unterwegs ist, muss sich unter Umständen gedulden. Weil Leitungen verlegt werden, ist die Strasse auf eine Spur verengt. Es sind die Leitungen für den Wärmeverbund von Energie 360°, der die Wärme aus dem Wasser des Wohlensees gewinnt. Auch an der Heizzentrale selber auf dem Gelände der ARA wird gebaut.

«Das Bewilligungsverfahren lief sehr langsam ab. Das wurde unterschätzt.»Bänz Müller, Gemeindepräsident Wohlen

In diesem Winter könne noch keine Wärme geliefert werden, sagt Wohlens Gemeindepräsident Bänz Müller (SP plus). Gegenüber dem ursprünglichen Plan sei man ein bis zwei Jahre im Rückstand. «Das Bewilligungsverfahren lief sehr langsam ab. Das wurde unterschätzt», sagt Müller. Inzwischen würden aber die Bewilligungen für die Zentrale und die Leitungen vorliegen.

Warten auf die Konzession

Was noch fehle, sei die Konzession des Kantons für die Wasserentnahme aus dem Wohlensee, ergänzt Müller. Das Zürcher Unternehmen Energie 360° musste das Gesuch nochmals publizieren, weil ein Punkt bei der ersten Auflage vergessen worden war (Eingriff in Hecken und Feldgehölze). Nach Müllers Informationen sind keine Einsprachen mehr hängig, und alle Fachberichte würden vorliegen. Die Konzession sollte bis Februar erteilt werden.

Während die erste Etappe des Wärmeverbunds im Bau ist, wird die Erweiterung in Richtung Osten bis in die Siedlung vordere Aumatt vorbereitet. Kürzlich lag die Überbauungsordnung auf, in welcher die Erschliessung und die Linienführung für die Leitungen sichergestellt werden.

Nicht alle Stockwerkeigentümer im Kappelenring waren vom Projekt von Energie 360° aus Zürich angetan. Mehr noch. Sie kritisierten es öffentlich wegen der im Vergleich zum Öl höheren Kosten und der langen Vertragsdauer von dreissig Jahren. Sie arbeiteten eigene Projekte aus, um einerseits die Ölheizung zu ersetzen und andererseits die Hülle der knapp fünfzigjährigen Häuser zu isolieren. Die Wahl fiel auf eine neue Ölheizung, kombiniert mit einer thermischen Solaranlage auf dem Dach.

Öllobby half mit

Die Fronten verhärteten sich im Sommer 2017, als die Gemeinde eine Planungszone für den Kappelenring erliess, die ein Verbot von neuen Ölheizungen vorsah. Es folgten Einsprachen gegen die Planungszone, gemäss dem «Bund» auch mit juristischer und finanzieller Hilfe der Erdöllobby. Stockwerkeigentümer und Gemeinde konnten das Problem aber rasch aus der Welt schaffen. Die Lösung mit Ölheizung wurde schliesslich bewilligt, weil die Projektarbeiten zum Zeitpunkt der Planungszone schon weit fortgeschritten waren.

Während der Wärmeverbund noch im Bau ist, sind die Gebäude- und Heizungssanierungen in den drei Liegenschaften der Kritiker mit insgesamt 120 Wohnungen abgeschlossen. Laut einer Mitteilung der Eigentümer werden 35 bis 45 Prozent des Warmwassers über die Solaranlage abgedeckt.

Der Energieverbrauch habe demnach um 320 kW reduziert werden können, was dem Verbrauch von rund 35 Einfamilienhäusern entspreche. Damit hätten sie «einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag an den Umweltschutz geleistet». Gut zwei Millionen Franken haben die Stockwerkeigentümer investiert. Vom Kanton erwarten sie Subventionen von bis zu einem Drittel dieser Summe.

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