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Klingende Mailänderli

Das Berner Vokalensemble Ardent lud in der Backstube des Ängelibeck in Köniz zum Weihnachtskonzert.

Für einmal wurde in der Backstube des Ängelibeck nicht gebacken, sondern gesungen: Das Vokalensemble Ardent beim Konzert.
Für einmal wurde in der Backstube des Ängelibeck nicht gebacken, sondern gesungen: Das Vokalensemble Ardent beim Konzert.
suk

In einer Backstube riecht es immer ein bisschen nach Weihnachten. Nach frischem Gebäck, Zimt und Puderzucker. Und in der Luft hängt ein milchiger Dunst aus Mehlstaub. Doch am Wochenende war alles anders beim Ängelibeck in Köniz. Kein Mehldunst, keine Bäcker. Nur Weihnachten. Die Bäckersleute machten Platz für das Vokalensemble Ardent, das an diesem besonderen Ort seine Weihnachtskonzerte veranstaltete.

Von Gabriel bis Erich

Zwischen Mehlsäcken, Kanistern mit Natronlauge und Etagenbackofen sang sich das Vokalensemble Ardent unter dem Titel «Ängeli Xang» quer durch die Weihnachtskulturen und bot ein Programm so vielseitig wie eine Schachtel Weihnachtsguetsli.

Da wurde zum Beispiel «The Angel Gabriel from Heaven came» geboten, ein Weihnachtslied aus dem Baskenland, in dem Erzengel Gabriel die Geburt Jesu ankündigt und Maria die frohe Botschaft höchstselbst überbringt. Wäre dieses Stück ein Guetsli, wäre es ein Mailänderli: Lieblich, wohltuend, unaufdringlich – nichts Weltbewegendes, und doch fehlt etwas, wenn es nicht da ist.

Oder «Es ist ein Ros entsprungen», ein oft gesungenes Lied aus Deutschland, das im Familienchor oft zu einer breiähnlichen Masse versungen wird. Doch nicht in der Interpretation des Ensemble Ardent: Rund und vollmundig wie ein Zimtstern kam dieses Stück daher, nicht zu süss und nicht zu herb. Leidenschaftlich, feierlich, harmonisch.

Das Vokalensemble Ardent bot ein Programm so vielseitig wie eine Schachtel Weihnachtsguetsli.

Zwischen den Liedern rezitierte der Schauspieler Uwe Schönbeck weihnächtliche Gedichte – etwa von Rilke oder Eichendorff –, las Texte von Erich Kästner bis Ringelnatz und rundete das musikalische Programm mit lustigem und Wissenswertem über Weihnachten ab.

Das Vokalensemble Ardent feiert dieses Jahr sein 10-Jahr-Jubiläum. Der Chor steht für innovative Konzertprogramme, ungewöhnliche Konzertorte, gesangliche Brillanz und Herzblut.

Die Backstube ist nicht der erste und auch nicht der letzte ungewöhnliche Konzertort, den sich der Chor unter der Leitung von Patrick Secchiari als Auftrittsort aussucht. Im Juni 2020 werden «Flowersongs» im Gartenhaus Wyss in Ostermundigen zu hören sein, im August wird der Chor in der Berner Altstadt zu einer musikalischen «Tour de Berne» laden.

Der Spitzbub

Doch erst mal ist Weihnachten. Wieder Lust auf ein Guetsli? Dann los: «O Magnum Mysterium» des amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen versetzt einen sofort in besinnliche Stimmung: Das Ensemble Ardent präsentierte es unaufgeregt elegant, feierlich, erhaben – wie ein Anischräbeli, das man nicht wegen seiner bleichen Farbe, sondern wegen seiner inneren Werte liebt.

Ganz anders «The Wrong Present»: Das Lied ist eine Aufforderung an jemanden, doch bitte keine Weihnachtslieder mehr zu singen und nicht immer das Falsche zu schenken. Ganz klar: Der Spitzbub unter den Weihnachtsliedern.

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