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Ein nationales Zentrum für Fischerei am Moossee

Die Fischer planen auf dem Gelände der ehemaligen Fischzucht am Moossee ein nationales Kompetenzzentrum analog der Vogelwarte Sempach. Die Gemeinde muss dafür Land umzonen.

Die Fischzucht ist seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Sie soll nun zu einem Kompetenzzentrum umgebaut werden.
Die Fischzucht ist seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Sie soll nun zu einem Kompetenzzentrum umgebaut werden.
Raphael Moser

Die Fischer sind etwas neidisch auf die Vogelfreunde. Denn diese haben seit bald 100 Jahren mit der Vogelwarte in Sempach ein nationales Zentrum. «Ein ähnliches Zentrum ist schon lange auf unserer Wunschliste», sagt Adrian Aeschlimann, Geschäftsführer des Schweizerischen Kompetenzzentrums Fischerei in Bern. Verschiedene Anläufe in Schaffhausen, im Aargau oder im Eichholz Wabern scheiterten in den letzten Jahren.

Nun wird dieser Wunsch wieder konkreter. Die Fischer möchten die ehemalige Fischzucht am Moossee kaufen und zu einem «nationalen Zentrum für natürliche Gewässer, Fische und respektvolle Fischerei», so der Arbeitstitel, umbauen. Das Projekt sei noch in der Aufbauphase, und viele Hürden müssten noch überwunden werden, sagt Aeschlimann, aber: «Am Moossee haben wir eine einmalige Chance.»

«Ein ähnlichesZentrum wie die Vogelwarte ist schon lange auf unsererWunschliste.»

Adrian AeschlimannKompetenzzentrum Fischerei

Hinter dem Projekt mit «schweizweiter Ausstrahlung» stehen unter anderem der Schweizerische Fischereiverband, der 111er-Club (Sponsorenverein der Fischer), die Stiftung Pro Fisch+Wasser und der bekannte Grossbäcker Fredy Hie- stand, selber passionierter Fischer.

Umzonung zwingend

Die leer stehende Fischzucht Moosseedorf liegt in der Landwirtschaftszone und in einem Naturschutzgebiet. Weil das Zentrum in dieser Zone nicht konform wäre, soll das Areal im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision neu einer Zone für öffentliche Nutzung zugeteilt werden. Das Amt für Gemeinde und Raumordnung hat laut Aeschlimann in der Vorprüfung positive Signale gegeben.

Auch die Standortgemeinde Moosseedorf unterstützt das Vorhaben. «Die Gemeindebehörden stehen hinter dem Projekt», betonte Gemeindepräsident Peter Bill (SVP) an einem Informationsabend am Dienstag. Und die Einzonung gelte nur für dieses konkrete Projekt. Andernfalls bleibe das Areal in der Landwirtschaftszone. Möglicherweise im August entscheidet die Gemeindeversammlung Moosseedorf über die revidierte Ortsplanung.

Auf Geldsuche

An der Ausstellung «Fischen, Jagen, Schiessen» in der Bernexpo beginnt in diesen Tagen die Geldsuche. In den nächsten Monaten entscheiden ebenfalls die kantonalen Fischereiverbände und der nationale Verband über ihre Beiträge ans Projekt. Falls die Umzonung genehmigt wird und die ersten Spendenaufrufe erfolgreich sind, soll eine Stiftung als Trägerin des Zentrums gegründet werden.

Adrian Aeschlimann geht aktuell von Projektkosten in der Höhe von rund 7,25 Millionen Franken aus. Die Fischerkreise könnten die Finanzierung nicht allein stemmen, weshalb sie auf Sponsoren, Gönner und Mäzene angewiesen seien.

Noch keine Einigung

Mit Robert Bachofner, dem Besitzer der Fischzucht, hat es bereits Kaufverhandlungen gegeben. Man habe sich angenähert, aber noch nicht einigen können, sagt Aeschlimann. Eine klare Bedingung der Fischer ist, dass nicht nur das Grundstück gekauft werden soll, sondern auch zumindest ein Teil des Fischrechts auf dem Moossee. Das Zentrum sei nur sinnvoll, wenn im See auch gefischt werden dürfe. Die konkreten Kaufverhandlungen müsse später die Stiftung vornehmen, so Aeschlimann.

Das Zentrum wird in zwei Bereiche gegliedert. Im Besucher- und Schulungstrakt können Schulen, Vereine oder Firmen die «faszinierende Welt der Fische und ihre Lebensräume» kennen lernen. Angehende Fischer werden hier ausgebildet und absolvieren den Sachkundeausweis. Auch die Kulinarik soll nicht zu kurz kommen. Für den Forschungstrakt haben die Fischer bereits erste Kontakte mit der Universität Bern und der Berner Fachhochschule (Hafl in Zollikofen) geknüpft. Themen könnten die Biodiversität, die Wasserqualität oder bedrohte Fischarten sein.

Gut erschlossen

Es werde weder ein Restaurant, Hotel noch einen Festbetrieb geben, betont Adrian Aeschlimann. Beim Zentrum selber werde es nur die betriebsnotwendigen Parkplätze geben. Bei grösseren Veranstaltungen stehe der Parkplatz beim Strandbad zur Ver- fügung, der laut Peter Bill noch leicht erweitert wird. Zudem ist der Standort mit dem öffentlichen Verkehr gut erschlossen.

Die gegen 100 Personen am Informationsabend nahmen das Projekt für ein nationales Fischereizentrum wohlwollend auf. So sagte ein Votant, dass er die Grundidee super finde. Fragen tauchten in erster Linie zum Verkehr auf. Ein Anwohner bat, die Auflage bei der Anzahl Fahrten restriktiv zu handhaben. Noch nicht geklärt ist die Erschliessung mit schweren Fahrzeugen und Maschinen während der Bauzeit. Aeschlimann wies auch darauf hin, dass keine Motorbootflotte auf dem See unterwegs sein werde. Denn die Fische haben die Motorengeräusche gar nicht gern.

Peter Bill erwähnte, dass die Gemeinde den Slogan «einzigartig, vielfältig, lebenswert» habe. «Dieses Projekt passt deshalb zu Moosseedorf.» Aber Bill machte klar, dass die Parameter auch für die Anwohner stimmen müssen. Die heiklen Punkte würden im direkten Dialog mit den Betroffenen angeschaut.

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